Abgeordnete des Kreistags sollen kommende Woche den bereits seit Juli aktiven EAM-Vertrieb absegnen

Unmut über frühen Start

Hans-Hinrich

Kreis Kassel. Wer Strom und Gas von dem neuen regionalen Energieversorger EAM beziehen möchte, kann dies seit 1. Juli diesen Jahres tun. Zu diesem Termin hat das rekommunalisierte Unternehmen sein eigenes Vertriebsgeschäft gestartet. Kommende Woche wird sich der Kreistag mit dem Thema beschäftigen. Die 81 Abgeordneten sollen in ihrer Sitzung am Mittwoch, 1. Oktober (ab 13 Uhr im Bürgerhaus Kaufungen), die Zusammenarbeit im Vertriebssektor mit den Städtischen Werken Kassel absegnen.

In den Kreistagsfraktionen ist nun ein Streit über dieses Vorgehen entbrannt. CDU und Grüne kritisieren, dass die Zusammenarbeit in der neu gegründeten gemeinsamen Vertriebsfirma EAM Energie GmbH bereits begonnen wurde, bevor der Kreistag als politische Vertretung des Anteilseigners Landkreis Kassel seine Zustimmung gegeben habe.

Die EAM-Geschäftsführung hat eine andere Lesart der Dinge. Die Kreisgremien hätten bereits mit Absegnung des Kaufvertrags vom 5. Dezember 2013, als zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen als neue Eigentümer das Unternehmen von der Eon Mitte übernahmen, ihre grundsätzliche Zustimmung zum Aufbau eines EAM-Vertriebs gegeben, sagte Hans-Hinrich Schriever, Leiter des Bereichs Zentrale Aufgaben bei der EAM, im Gespräch mit der HNA.

In der Zwischenzeit habe man dieses schon damals beschlossene Vorhaben nur „operativ umgesetzt“. Eine Arbeitsgruppe sei gebildet worden, auch Marktforschung habe man betrieben. Das Ergebnis: Die Marke EAM hat – obwohl sie acht Jahre nicht präsent war – den „sehr hohen Bekanntheitsgrad“ von 80 Prozent. Die Geschäftsführung sieht die Chancen für eine eigene Vertriebssparte in Kooperation mit den Städtischen Werken daher optimistisch.

Auch die Kreisverwaltung hatte die für kommende Woche angesetzte Zustimmung des Kreisparlaments nicht für nötig befunden. Das Regierungspräsidium Kassel sei jedoch anderer Meinung gewesen, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn.

Was ist, wenn der Kasseler Kreistag ablehnt? Kein Problem aus Sicht der EAM-Geschäftsleitung. „Es genügt die Mehrheit der Eigentümer“, sagte Schriever, ein einstimmiges Votum sei nicht nötig. Im Übrigen haben nach EAM-Mitteilung bereits sieben Kreise und die Stadt Göttingen zugestimmt.

Eigener Zeitplan

Auch dieses zeitlich versetzte Vorgehen wird von den Kritikern moniert. Dies sei nicht anders möglich gewesen, entgegnete Schriever. „Jede Kreisverwaltung hat ihren eigenen Zeitplan.“ Man habe es mit zwölf Kreisen in vier Bundesländern zu tun, mit unterschiedlichen Kommunalverfassungen und Gremien, darüber hinaus mit vier Aufsichtsbehörden, die unterschiedliche Vorgaben machen. KOMMENTAR, ARTIKEL UNTEN

Von Holger Schindler

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