Vorschlag: ICE-Brücke für Fußgänger freigeben – Bürgermeisterin ist skeptisch

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Der Wartungssteg in 20 Metern Höhe: Unter den ICE-Gleisen führt dieser Weg entlang. Das Bild entstand 2000 bei einer Sicherheitsinspektion.

Staufenberg/Fuldatal. Der Ortsrat von Spiekershausen macht sich dafür stark, die ICE-Brücke über die Fulda bei Spiekershausen für Fußgänger und Radfahrer zu öffnen.

Nach Ansicht von Ortsbürgermeister Hilmar Sengler eigne sich dafür der Wartungssteg der Bahn, der unter den ICE-Gleisen verläuft. Er ist etwa 1,60 Meter breit, 300 Meter lang und wird für die regelmäßige Begutachtung des Bauwerks genutzt. Der Steg führt in etwa 20 Metern Höhe über die Fulda.

Ein solcher Weg, so Sengler, wäre eine touristische Attraktion und eine gute Anbindung an den Radwanderweg auf der hessischen Fuldaseite. Der Ortsrat greift damit eine Idee auf, die es schon beim Bau der ICE-Brücke Ende der 80er-Jahre gegeben hat, die aber aus Kostengründen damals verworfen wurde.

Jetzt will er das Projekt erneut prüfen lassen und hat auf seiner jüngsten Sitzung diesen Wunsch an die Verwaltung der Gemeinde Staufenberg weitergegeben. Staufenbergs Bürgermeister Volker Zimmermann sagte zu, sich mit der Deutschen Bahn AG in Verbindung zu setzen.

Aus Sicherheitsgründen keine Chance

Ein Sprecher der Bahn in Frankfurt machte auf Anfrage unserer Zeitung in einer ersten Stellungnahme allerdings deutlich, dass ein solches Projekt aus Sicherheitsgründen keine Chance hätte. Es gehe auch darum, die Anlagen der Bahn zu schützen.

Für Hilmar Sengler ist damit aber noch nicht das letzte Wort gesprochen. Schließlich habe es in den 80er-Jahren diese grundsätzlichen Bedenken nicht gegeben.

Fuldatals Bürgermeisterin Anne Werderich ist allerdings noch kein Fall bekannt, „dass ein Wartungsweg einer Brücke für die Öffentlichkeit freigegeben wurde“. Es dürfe zwar keine Denkverbote geben, Chancen räumte sie auf Anfrage der Idee vom Nachbarn auf der anderen Seite der Fulda aber nicht ein.

Kommunen können nicht finanzieren

Vor vielen Jahren sei sie bei einem offiziellen Termin einmal über den Wartungsweg gegangen, allerdings in Begleitung von Bahnmitarbeitern zur Sicherheit. „Ich bin schwindelfrei, mit hat das nichts ausgemacht. Andere aber hatten Angst, allein einmal auf die Fulda runterzuschauen.“ Ihr Fazit: Interessante, aber abenteuerliche Idee.

Auch für Carsten Schreiber, Werderichs designierten Nachfolger als Bürgermeister, hat die Idee Charme. Brücken sollten verbinden und nicht trennen, sagte er. Zugleich sieht er aber auch sicherheitstechnische Probleme und die Kostenfrage.

Allein könnten die beiden Kommunen ein solches Projekt sicher nicht finanzieren. Denn dass der Wartungssteg umgebaut und umfangreich gesichert werden muss, sollte er für Fußgänger freigegeben werden, steht auch für Sengler aus Spiekershausen außer Frage.

Auch müsste auf dieser Seite eine Rampe angelegt werden, um 100 Treppenstufen an der Brücke zum Wartungssteg zu überwinden. 

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