Ernte insgesamt gut, aber örtlich große Einbußen

Unwetter fordern Landwirte heraus

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Extreme Wetterverhältnisse: Starkregen und Hagel erschweren die Ernte. Der Weizen auf diesem Feld bei Hertingshausen konnte den Wassermassen nicht standhalten und fiel um.

Kreis Kassel. Mitte Juni, es ist schwül-heiß und das Sturmtief Ela tobt in Hessen mit heftigen Unwettern, Hagel und Starkregen: Ela lässt alles raus, was sie zu bieten hat. Nicht nur Hauseigentümern verhagelt Ela die Laune, sondern auch Landwirten ihre Ernte.

„Die Schäden können regional sehr unterschiedlich sein“, sagt Diplom-Agraringenieur Johannes Gerhold vom Kreisbauernverband Kassel. So entstanden durch die extrem schwankenden Witterungsverhältnisse im Wolfhager Land und in Teilen Schauenburgs Schäden in sechsstelliger Höhe.

In Biogasanlage

In manchen Orten wurde die Gerste fast vollständig zerstört und musste gehäckselt werden. Immerhin waren die Überreste nicht gänzlich unbrauchbar: Sie wurden in der Biogasanlage Wolfhagen weiterverarbeitet, grüner Strom und Wärme sind das Ergebnis.

Problematisch, so Gerhold, seien die sehr kurzen Erholungsphasen zwischen den Niederschlägen. Das Getreide sei zu nass und müsse dann in speziellen Anlagen getrocknet werden, damit es als Brotgetreide genutzt werden kann und nicht als Futtergetreide an Nutztiere geht. Die Trocknung ist mit wesentlich höheren Kosten verbunden.

Der Klimawandel sei unaufhaltsam, ihm könne man „nur durch sehr gute logistische Planung entgegenwirken“, erklärt Johannes Gerhold. Doch auch das ist teuer: Leistungsfähigere Maschinen müssen angeschafft werden, breitere Mähdrescher und größere Anhänger, um in relativ kurzer Zeit sehr viel ernten zu können. Denn das nächste Unwetter kann schnell kommen. Die meisten Betriebe sind gegen Hagelschäden versichert, die wenigsten allerdings auch gegen Starkregen.

7500 Hektar betroffen

Bei Starkregen besteht die Gefahr, dass die Rapsschoten aufplatzen und die Körner auf den Boden fallen oder die Körner des Getreides schon in den Ähren auskeimen und somit für die Weiterverarbeitung unbrauchbar werden. Nach Berechnungen des Kreisbauernverbands verzeichneten Landwirte in den vergangenen Wochen in ganz Hessen Schäden in Millionenhöhe, auf über 7500 Hektar verteilt. Stark betroffen waren dabei auch Regionen in Nordhessen.

Trotz des extremen Wetters und regionalen Verlusten fällt die bisherige Erntebilanz laut Kreisbauernverband insgesamt positiv aus. Auch durch neue Fruchtsorten konnte der Qualitätsminderung des Getreides entgegengewirkt werden.

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