Norden und Teile des Ostens kamen glimpflich davon

Unwetter im Kreis Kassel: Schlamm und Wasser bedrohten Kläranlage

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Kläranlage in Gefahr: Eine Barriere aus Sandsäcken schützte die Kläranlage Simmershausen vor einer Überschwemmung.

Kreis Kassel. Ganz unterschiedlich heftig schlug das Unwetter im Altkreis Kassel zu. Der Norden und Teile des Ostens kamen beispielsweise recht glimpflich davon.

Fuldatal

Knapp an einer Katastrophe vorbei kam die Gemeinde Fuldatal in der Nacht des Unwetters von Dienstag auf Mittwoch. Vom Wald oberhalb der Kläranlage Simmershausen, die an der Bundesstraße 3 liegt, ergoss sich eine große Menge Wasser und Schlamm auf das Gelände der Anlage. Fast kniehoch standen die Helfer der Gemeinde und der Feuerwehr am Dienstag gegen 22 Uhr in dem Gemisch.

Das Technikgebäude wurde mit Sandsäcken gesichert, sodass nur wenig Wasser ins Innere drang, sagt Friedhelm Volland, Teamleiter Kläranlagen der Gemeinde. Wäre das zentrale Gebäude für die Steuerung der Anlage vollgelaufen, „wäre nichts mehr gegangen“. Wie damals Ende April 1994, als bei einem Unwetter der Hang abrutschte und eine Schlammlawine die Kläranlage zerstörte, die später komplett neu gebaut werden musste.

Insgesamt 100 Einsatzkräfte von Baubetriebshof, Verwaltung und Feuerwehr rückten zu 150 Einsatzstellen aus. In Knickhagen konnte am Dienstagabend der Osterbach die Wassermassen nicht fassen und flutete die Durchgangsstraße bis zu 30 Zentimeter hoch. Diese war wegen der übergetretenen Wassermassen in Teilen ab der B 3 auch noch am Mittwoch gesperrt. Auch die Bundesstraße im Bereich Wilhelmshausen musste am Mittwoch wegen eines Erdrutsches ab 9.30 Uhr für eine halbe Stunde gesperrt werden.

Fotos: Unwetter in Fuldatal

Unwetter in Fuldatal

Niestetal

Die Gemeinde Niestetal war von dem Unwetter am Dienstagabend stark betroffen. Vor allem die Gartenstraße im Ortsteil Sandershausen hat es erwischt. Gleich mehrere Blitze schlugen dort in Häuser und Bäume ein. Ein offenes Feuer entwickelte sich laut Einsatzleiter Kai Brückmann nicht, trotzdem gab es erhebliche Schäden.

Um 21.33 Uhr wurde die Feuerwehr zum ersten von fünf Einsätzen gerufen. Ein Blitz hatte in den Dachstuhl eines Hauses in der Gartenstraße eingeschlagen und den Dachfirst auf einer Länge von fünf Metern und viele Dachziegel weggesprengt.

In einem weiteren Haus in der Gartenstraße schlug der Blitz in den Blitzableiter ein. Die Energie wurde zwar in den Boden geleitet, trotzdem wurden die Schornsteine beschädigt. Die Niestetaler Feuerwehr war mit 30 Männern und Frauen bis 4 Uhr morgens im Einsatz. Erschwert wurden die Arbeiten, weil in der Gartenstraße Strom und Telefon ausgefallen waren. Das Handynetz war überlastet.

Baunatal

Die Baunataler Feuerwehr musste zwar nicht in der VW-Stadt selbst eingreifen, sie entsendete aber zahlreiche Helfer zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr nach Kassel. Die Wehren aus Rengershausen und Altenbauna seien um kurz nach Mitternacht ausgerückt, berichtet Stadtbrandinspektor Dirk Wicke. 26 Frauen und Männer seien mit vier Fahrzeugen bis etwa halb neun am Mittwochvormittag im Einsatz gewesen. Kurz darauf rückten sie erneut aus und besetzten für die Berufsfeuerwehr in Kassel die Feuerwache 2 auf der Dönche.

Hochwasser im Bauna-Tal verhinderten wohl auch die riesigen Schutzeinrichtungen entlang der Bauna. Laut Bürgermeister Manfred Schaub stiegen die Pegel in den Poldern Schefferfeld, Katzenmühle und Hoof auf etwa zwei bis drei Meter an. „Ohne Einstaumöglichkeit hätten wir wieder Hochwasser gehabt“, sagt er. Erstmalig sprangen damit die nach dem Jahrhunderthochwasser 1992 mit Millionenbeträgen der EU aufgebauten Stauräume an.

Das VW-Werk verzeichnete laut Sprecher Rudi Stassek keine Schäden durch die Unwetter. Am Mittwoch war allerdings die Straßenbahnstrecke zwischen Kassel und Baunatal zeitweilig nicht befahrbar. Eine Tram war liegen geblieben. In Schauenburg liefen nach Angaben von Gemeindebrandinspektor Carsten Borowski einige Keller voll.

Glimpflich verlief das Unwetter in Ahnatal, Espenau, Vellmar  und einigen Gemeinden des östlichen Altkreises. Die Feuerwehren in Kaufungen, Nieste, Helsa, Lohfelden, Söhrewald und Fuldabrück meldeten keine Einsätze. Der Straßenbahnverkehr auf der Lossetalstrecke lief nach Auskunft von KVG-Sprecher Ingo Pijanka normal.

Von Michael Schräer, Holger Schindler, Sven Kühling und Peter Ketteritzsch

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