Baunataler Rolf Lengemann ist dienstältester Nachwuchsprüfer in Deutschland und Pionier der Brandschutzfrüherziehung

Ein Urgestein der Feuerwehr geht

Nett und erfolgreich: An seinem letzten Tag als aktiver Feuerwehrmann präsentierte Rolf Lengemann den Helm mit den Autogrammen seiner Kameraden, den er zur Erinnerung erhalten hat. Foto: Dilling

Baunatal. Im Keller des Hauses in der Birkenallee brennt es. Treppenhaus und Fassade sind in dichten Rauch gehüllt. Bewohner stehen oben im dritten Stock auf dem Balkon und drohen in ihrer Panik in die Tiefe zu springen. Doch unten steht einer, der mit seiner ruhigen, besonnenen Art erfolgreich die lebensbedrohliche Situation meistert. Am Ende warten alle auf die Retter von der Baunataler Feuerwehr.

Dieser Einsatz, der Jahre zurückliegt, ist nur einer von vielen, bei denen die besonderen menschlichen Qualitäten von Rolf Lengemann gefragt waren. Er war der Feuerwehrmann, der vor dem brennenden Haus stand, Ruhe bewahrte und erfolgreich um Vertrauen in die Brandschützer warb. „Ich bin der Nette von der Feuerwehr“, sagt er über sich selbst. Nach 44 Jahren aktiver Dienstzeit ist der 60-Jährige nun aus der Einsatzabteilung ausgeschieden. „Das ist ein Abschied in Wehmut“, sagt der gelernte Vermessungsexperte, der bis zum Sommer im Hauptberuf für das Hessische Bodenmanagement tätig war.

Abschied von der Feuerwehr? Nicht so richtig. Lengemann wird ehrenamtlich bei dem in Kürze startenden Umbau der Feuerwache in Altenbauna auf der Baustelle zu finden sein. Dort ist seine feuerwehrtechnische Erfahrung gefragt. Der leidenschaftliche Motorrad- und Radfahrer hat eine einzigartige Karriere als ehrenamtlicher Brandschützer gemacht. Schon als 16-Jähriger trat der Guntershäuser der Freiwilligen Feuerwehr bei. Schon drei Jahre später, 1973, lernte er den Feuerwehrdienst von der harten Seite kennen. Er half, Verletzte des schweren Bahnungliücks in Guntershausen zu bergen. „Da habe ich zum ersten Mal Leid und Tod gesehen“, sagt Lengemann. Dazu sollte er später als Einsatzleiter und stellvertretender Wehrführer der Stützpunktfeuerwehr Baunatal noch oft Gelegenheit haben. In solchen Situationen lernte er, dass man Besonnenheit und Einfühlungsvermögen in brenzligen Situationen braucht. Lengemann blieb auch ruhig, als ihn ein aufgebrachter Hausbesitzer, dem das Auspumpen seines Kellers nach einer Überschwemmung nicht schnell genug ging, am Kragen packte.

Seine besondere Leidenschaft gehört dem Vater zweier erwachsener Söhne aber dem Brandschutznachwuchs. Lengemann hat als erster in der Region vor bald 25 Jahren die Brandschutzfrüherziehung in Kindergärten eingeführt.

Er hat Generationen von jungen Feuerwehrmännern und -frauen ausgebildet. Er sei der dienstälteste Brandschützer bei der Abnahme von Leistungsabzeichen der Jugendfeuerwehren in Deutschland, sagt Lengemann.

„Da sind wir ganz stolz drauf. Auch unsere Starke Jugendfeuerwehr haben wir ihm zu verdanken“, sagt Wehrführer Heiko Wicke. Er wolle Kindern und Jugendlichen Werte vermitteln, dass es sich lohnt für die Gemeinschaft einzusetzen, erklärt Lengemann. So etwas gerate im Zeitalter der Computerspiele und schier unbegrenzten Freizeitmöglichkeiten aus dem Blick.

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.