Nachbarschaftsverein Fuldatal sucht neue Leihomas und -opas

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Waren sich gleich sympathisch: Für Familie Garcia ist Ursula Karnowka einfach Oma Usch. Nicht nur Luis hat sie ins Herz geschlossen. Auch seine Eltern Sandra und Esme (nicht im Bild) Garcia verstehen sich bestens mit ihrer Leihoma.

Fuldatal. Wenn man Luis Garcia fragt, was das Beste an seiner Oma ist, dann antwortet er wie aus der Pistole geschossen: „Dass sie immer mit mir spielt“. Am liebsten mag er „Fang den Hut“, denn das gibt es nur bei Oma Usch. So nennt der Sechsjährige Ursula Karnowka.

Dass sie gar nicht seine richtige Oma ist, das spielt für Luis keine Rolle. Die 72-Jährige engagiert sich als Leihoma. Das Projekt „Leihoma und -opa“ wurde vom Nachbarschaftsverein Fuldatal und der Frauenbeauftragten der Gemeinde, Brigitte Weiß, vor neun Jahren ins Leben gerufen. Derzeit werden wieder ältere Menschen als ehrenamtliche Mitstreiter gesucht. Ihre Aufgabe: Sie unterstützen Familien, die keine eigenen Großeltern in der Nähe haben.

„Das ist ein sehr schönes Projekt, das viel Spaß macht“, erklärt Petra Herbst vom Nachbarschaftsverein. „Es ist ein Geben und Nehmen für die Leihomas und für die Familien“. Während die Großeltern mal bei der Betreuung der Kinder einspringen, können sie gleichzeitig auch selbst Hilfe bekommen, zum Beispiel wenn es um schwere Einkäufe geht – eben ganz ähnlich wie bei richtigen Omas und Opas.

Bei Familie Garcia und ihrer Oma Usch läuft das ganz reibungslos, ohne dass jemand überfordert wird. Ursula Karnowka betont: „Voll mit eingespannt wird man nicht.“ Die Betreuung von Luis übernimmt sie nicht regelmäßig, sondern nach Absprache. Eigene Großeltern hat die Familie nicht in der Nähe, darum ist das Projekt für Luis’ Eltern, Sandra und Esme Garcia, eine tolle Sache. „Ich weiß, es ist jemand da, wenn ich mal zum Arzt muss oder wir einmal ausgehen wollen“, erklärt die 34-Jährige.

Vor drei Jahren haben sich Familie Garcia und Ursula Karnowka bei einem Infoabend des Nachbarschaftsvereins kennengelernt – und waren sich gleich sympathisch. „Wir haben schon am nächsten Tag angerufen und ein Treffen vereinbart“, erinnert sich Sandra Garcia. Dann stand erst einmal eine Kennenlernphase auf dem Programm, schließlich sind die Leihomas zunächst Fremde. „Natürlich klappt es manchmal auch nicht. Dann ist es völlig in Ordnung, wieder auseinanderzugehen“, erklärt Herbst.

Das ist für Familie Garcia und Ursula Karnowka kein Thema. „Sie gehört mit zur Familie“, sagt Sandra Garcia. Sie haben schon alle zusammen Silvester gefeiert; manchmal gehen die Frauen gemeinsam ins Theater, telefonieren oder treffen sich im Garten.

Sieben eigene Enkelkinder hat Ursula Karnowka und ist trotzdem noch mit Leib und Seele Leihoma. „Die Kinder geben viel zurück. Das macht einfach Spaß.“ Und Luis? Er genießt es, dass seine Oma Usch ihn manchmal ein bisschen verwöhnt, sein Lieblingsessen für ihn kocht und kleine Ausflüge mit ihm macht. Wie das mit Omas eben so ist.

Von Meike Schilling

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