Stadt und alte Pächter streiten um Höhe der Entschädigung

Streit um Entschädigung: Ärger um das Bürgerhaus Vellmar

Es war einmal: Das Bürgerhaus in Obervellmar ist seit drei Jahren dicht, ein Gutachter fand Asbest. Die ehemaligen Pächter streiten sich seitdem mit der Stadt um Schadenersatz. Foto: Wewetzer/Archiv

Vellmar. Es waren nur wenige Minuten, in denen Andreas Eckhardt seine wichtigsten Sachen zusammenpacken konnte: Geld, Laptop, Unterlagen und Wäsche zum Wechseln. Dann musste er das Bürgerhaus in Vellmar umgehend verlassen, das er seit Jahren bewirtschaftet und in dem er im Obergeschoss eine Wohnung hatte.

Ein Gutachter hatte eine zu hohe Asbest-Belastung festgestellt, ein weiterer Aufenthalt in den Gebäuden war gesundheitsgefährdend.

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Das war im Sommer vor drei Jahren. Doch noch heute kann Eckhardt mit dem Kapitel Bürgerhaus nicht abschließen: Laut eigener Aussage schuldet ihm die Stadt Vellmar noch Geld in fünfstelliger Höhe. Von der Stadt hat er das Gebäude bis Ende 2011 gepachtet, durch die asbestbedingte Schließung im August 2011 seien ihm aber Einnahmen entgangen. „Die hätte ich gern erstattet.“ Zudem sei ein Schaden an der Einrichtung in der Gaststätte, im Hotel und in der Wohnung entstanden, der liege laut einem Gutachter im mittleren fünfstelligen Bereich, sagt Eckhardt.

Abschlagszahlung geleistet 

Die Stadt Vellmar bestreitet nicht, dass sie dem ehemaligen Pächter des Bürgerhauses den entgangenen Gewinn ersetzen muss. Aber: „Wir haben bereits eine Abschlagszahlung geleistet“, sagt Bürgermeister Dirk Stochla (SPD) auf Anfrage der HNA. Die weiteren Forderungen der ehemaligen Pächter würde die Stadt prüfen - wenn alle Unterlagen da wären. „Aber es fehlen welche“, sagt Stochla, „das wurde dem Anwalt der beiden auch mitgeteilt.“ Andreas Eckhardt und sein Partner Kai Nitter hingegen sind überzeugt, jedes erforderliche Papier eingereicht zu haben. Vielmehr habe die Stadt eine Frist Anfang Oktober verstreichen lassen, sich zu äußern.

Zeit läuft davon 

Eckhardt und Nitter läuft die Zeit davon: Am 1. Januar 2015 ist der Anspruch auf Schadenersatz verjährt, die gesetzliche Frist liegt bei drei

Jahren. Die Stadt als nächsten Schritt zu verklagen, habe man zwar in Erwägung gezogen, „das scheitert aber am Geld“, sagen beide. An eine gütliche Einigung, wie zu Beginn noch gedacht, glaube man schon längst nicht mehr.

Dirk Stochla sieht das anders. Auch wenn er keine weiteren Angaben zu der Auseinandersetzung geben könne, da es sich um ein laufendes Verfahren handele, ist er überzeugt, „dass es eine Lösung geben wird“.

Von Constanze Wüstefeld

Unterschiedliche Gutachten

Weil die Stadt Vellmar das Bürgerhaus 2012 sanieren wollte, schaute sich ein Gutachter das Gebäude im Sommer 2011 an. Dabei fand er laut Andreas Eckhardt, dem ehemaligen Pächter des Bürgerhauses, Asbest an Lüftungsrohren. 2012 soll dann laut Eckhardt ein zweiter Gutachter eingesetzt worden sein, der im Gegensatz zum ersten kein Asbest gefunden haben soll. „Das weiß ich aber nur vom Hörensagen, uns sagt man nichts.“ Aufgrund der unterschiedlichen Befunde soll vom Amtsgericht ein dritter Gutachter bestellt worden sein, „von dem Ergebnis wissen wir ebenfalls nichts“.

Der erste Gutachter wurde von der Stadt Vellmar angeklagt, weil er Asbest nachgewiesen hatte, der zweite Gutachter aber nicht. Wer von beiden recht hat, steht noch nicht fest: „Das Landgericht hielt die Beweisaufnahme zwar für beendet, wir sahen das aber anders“, sagt Vellmars Bürgermeister Dirk Stochla (SPD).

Deshalb müsse jetzt das Oberlandesgericht entscheiden, ob die wiederaufgenommen werden muss oder nicht. Die Entscheidung darüber soll noch diese Woche fallen. (cow)

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