Schulleiter Hartwig schockiert

Ahnatal-Schule: Landkreis fordert Sechs- statt Achtzügigkeit

Wolfgang Hartwig

Vellmar. Die Schülerzahl an der Ahnatal-Schule in Vellmar könnte zum nächsten Schuljahr deutlich sinken. Das würde nicht an einem geringeren Interesse der Eltern liegen, ihre Kinder dort anzumelden.

Vielmehr ist ein Antrag des Landkreises Kassel beim Staatlichen Schulamt der Grund. Statt acht neuen fünften Klassen soll es künftig nur noch sechs geben.

Die Begründung: Der starke Zulauf an der Ahnatal-Schule „gefährde den Fortbestand anderer Gesamtschulen im Kreis“, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn, die Schüler sollen in Zukunft gleichmäßiger auf die bestehenden Einrichtungen verteilt werden. Ob es tatsächlich eine Reduzierung der Klassen gibt, will das Schulamt nächste Woche entscheiden. Gegenüber der HNA äußerte sich das Schulamt bisher nicht.

In Vellmar, bei Eltern und Lehrern stößt dieser Antrag auf Unverständnis. „Bei all dem, was hier geleistet wird, ist das ein Schlag ins Gesicht“, sagt Schulleiter Wolfgang Hartwig. Seit 13 Jahren leitet er die Schule, hat das jetzt bestehende Angebot zusammen mit dem Lehrer-Kollegium aufgebaut.

Dass das Zusammenspiel aus dem Fremdsprachenangebot, den AG’s am Nachmittag und den Sport- und Musikklassen auf Akzeptanz bei Eltern und Kindern stoße, würden die hohen Anmeldezahlen zeigen: „Wir haben mit 1200 Schülern im kommenden Schuljahr gerechnet“, sagt Hartwig, „die Qualität hat sich rumgesprochen.“ Dass diese nun beschnitten werden soll, verstehe er nicht.

Denn dass die unter der Sechszügigkeit leiden würde, steht für Kirsten Antenbring-Schmidt, Lehrerin und Mitglied im Schulpersonalrat, fest: Das Angebot könne so nicht bestehen bleiben, wenn Lehrerstellen wegfallen, die durch die beantragte Sechs- anstatt der bisherigen Achtzügigkeit zuviel wären. Das beschäftigt auch die Lehrer: „Da ist eine Maschinerie im Kopf in Gang gesetzt worden“, erzählt Antenbring-Schmidt, „Die Kollegen fangen an zu überlegen, wer am kürzesten hier ist und wer keine Kinder hat.“ Zehn bis 15 Stellen könnte es nach der Berechnung des Schulpersonalrates in den kommenden sechs Jahren treffen. Dieses könne nicht dadurch aufgefangen werden, dass die Stellen der Kollegen, die in den Ruhestand gehen, einfach nicht wieder besetzt würden.

„Die gute Arbeit der motivierten und engagierten Lehrer wird durch dieses Vorhaben bestraft“, sagt Ralf Stüss, Vorsitzende des Schulelternbeirates. Zusammen mit anderen Eltern hat er am Montagabend bei einer Informationsveranstaltung für Eltern zukünftiger Fünftklässler Unterschriften gegen die Sechszügigkeit gesammelt. Fortgesetzt wird die Aktion bei der nächsten Informationsveranstaltung am Donnerstagabend und am Freitag während des Tags der offenen Tür in der Ahnatal-Schule.

Von Constanze Wüstefeld 

Schüler aus Kassel zuerst betroffen 

Darf die Ahnatal-Schule in Vellmar ab dem Schuljahr 2015/2016 nur noch sechs neue fünfte Klassen anbieten, hat das Folgen für die Anmeldungen. „Wir freuen uns natürlich über jede Anmeldung“, sagt Schulleiter Wolfgang Hartwig, „das zeigt, dass unser Angebot akzeptiert wird.“ In Zukunft müssten dann aber mehr Kinder abgewiesen werden. „Zuerst würden das die Schüler aus Kassel sein.“ Im aktuellen Schuljahr kommen 245 von 1197 Schülern aus Kassel, insgesamt stammen 447 Schüler nicht aus Ahnatal oder Vellmar.

Die Schüler aus Kassel kommen vor allem aus dem Stadtteil Jungfernkopf, bereichern die Klassen mit dem Schwerpunkt Musik oder Sport. „Bisher gibt es eine gut funktionierende Kooperation zwischen der Ahnatal-Schule und der in Jungfernkopf“, sagt der Vorsitzende des Schulelternbeirates Rald Stüss. Ob diese bei einer Sechszügigkeit auch weiterhin bestehen kann, weiß er nicht. „Vielleicht werden die Schüler dann aber nach den Ortsgrenzen geteilt.“

Auch Anmeldungen aus Fuldatal, Espenau und Calden wären mit einer reduzierten Klassenanzahl unsicher. In Fuldatal gibt es ebenfalls eine Gesamtschule, die Schüler aus Espenau haben mit Immenhausen und Grebenstein Ausweichmöglichkeiten in den Norden. „Gesetzt sind nur die Kinder aus Vellmar und Ahnatal“, sagt Schulleiter Hartwig.

Aus Solidarität zu den anderen Schulen habe er eine Siebenzügigkeit vorgeschlagen, darauf jedoch noch keine Antwort erhalten. „Wir konnten zu dem jetzigen Vorschlag eine Stellungnahme abgeben, was wir auch getan haben“, sagt Hartwig. Darauf gab es bisher noch keine Antwort, eine Entscheidung soll es laut Schulleiter Anfang der nächsten Woche geben. (cow)

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