„Ein Kühlauto wäre der Hit“

Algasim Jallow aus Vellmar sammelt Spenden für sein Heimatdorf in Gambia

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Die Boxen stapeln sich bis unter die Decke: Algasim Jallow (links) organisiert seit 2011 „Hilfe zur Selbsthilfe“ für sein Heimatdorf in Gambia. Manfred Thiel aus Kassel unterstützt das Projekt mit Hilfsgütern, die er in Kartons sammelt und dann Algasim Jallow übergibt.

Vellmar. Seit 2011 leistet Algasim Jallow Hilfe zur Selbsthile in seinem Heimatdorf Kerr Mama in Gambia. Sein Ziel ist es, den Menschen in seiner Heimat die richtigen Werkzeuge an die Hand zu geben, um unabhängig und selbstständig arbeiten zu können.

„Das erste und das letzte Hemd hat keine Taschen“, lautet ein Sprichwort in Gambia. Es bedeutet, dass es keinen Sinn ergibt, grenzenlos Besitz anzuhäufen, da man keine irdischen Güter nach dem Tod mit ins Jenseits nehmen kann. „Wenn du anderen etwas gibst, kommt auch immer etwas zurück“, erklärt der gebürtige Gambier Algasim Jallow. Deshalb gehe es nicht darum, mit seiner Arbeit reich zu werden, sondern selbstlos etwas zu geben.

Nach dieser Prämisse lebt Algasim Jallow und leistet seit 2011 Hilfe zur Selbsthilfe in seinem Heimatdorf Kerr Mama (auch Sare Mama genannt). „Es war immer mein Traum, anderen zu helfen“, sagt Jallow, der seit 2004 in Vellmar lebt. In Gambia wurde er zum Heiler ausgebildet, an der Rohrbachschule in Kassel machte er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten.

Ein- bis zwei Mal im Jahr reist Algasim Jallow mit Hilfsgütern in seine Heimat, um sie dort persönlich zu übergeben. Die Kosten für den Transport zahlt er aus eigener Tasche. Seit 2011 habe er 14 000 Euro seines Ersparten in das Projekt gesteckt, erzählt der Gambier.

Doch ohne die Hilfe von Menschen wie Manfred Thiel wäre all das nicht möglich, sagt Jallow. Manfred Thiel unterstützt das Hilfsprojekt seit Jahren. In seinem Haus in Niederzwehren stapeln sich in einem Raum die Kartons bis unter die Decke. Bald werden sie von hier in die von Jallow angemietete Lagerhalle gebracht, wo er die Hilfsgüter aufbewahrt, bis er wieder mit einem Container Richtung Westafrika reist.

Fahrzeuge sind Mangelware

Vor allem leichte Sommerkleidung für Kinder und Erwachsene werde gebraucht, sowie Bettwäsche, Handtücher, Koffer und andere Dinge für den Haushalt. Aber auch Elektrogeräte, Fahrräder und vor allem Transportfahrzeuge sind Mangelware in Gambia. Vor drei Jahren hatte Manfred Thiel gemeinsam mit seinem Sohn Andreas Thiel einen ausrangierten Transporter seiner Firma „Elektro Friedrich“ der Hilfsaktion für einen geringen Betrag überlassen.

Schnappschuss im fernen Afrika: Einem Kasseler fiel während seines Afrika-Aufenthaltes das Fahrzeug mit der Beschriftung seiner Heimatstadt auf. Einen Abzug des Fotos brachte er nach seiner Rückkehr in das Geschäft an der Frankfurter Straße. Foto: Privat/nh

„Seither fährt der Transporter in Gambia rund um die Uhr“, sagt Thiel. Morgens fährt er die Frauen mit ihren Waren den zehn Kilometer langen Weg zum Markt, dann bringt er die Kinder in die Schule und auch als Krankentransporter wird der Wagen genutzt. Davon bräuchten sie mehr, sagt Algasim Jallow. Denn mit den in Deutschland ausrangierten Fahrzeugen könnten sich die Menschen in seinem Heimatdorf eigenständig im Alltag helfen. „Ein Kühlauto wäre zum Beispiel der Hit“, sagt er, denn „Gemüse und Obst haben wir genügend, aber kein Kühlauto, um es von Markt zu Markt zu transportieren.“

Große Anforderungen an ein Fahrzeug hat er nicht. „Hauptsache es hat vier Räder und ist fahrtüchtig.“ Den Rest erledigen die Mechaniker vor Ort. Für ihn seien Partnerschaften der Schlüssel zum Erfolg, keine Almosen. „Die Europäer haben schon so viel Geld in Afrika investiert und es ist nichts passiert“, sagt Jallow. Seine Hilfe ist ganz konkret. So hat er zum Beispiel sechs Jugendlichen beigebracht, wie man Menschen massiert. Einer von ihnen hat eine Massagepraxis eröffnet und vier Leute eingestellt. Eine Massageliege hat Algasim Jallow aus Deutschland beigesteuert. „Wir sind nicht faul, es fehlt nur an Material“, sagt Jallow.

Sein Ziel ist es, den Menschen in seiner Heimat die richtigen Werkzeuge an die Hand zu geben, um unabhängig und selbstständig arbeiten zu können.

Wer die private Hilfsaktion für Gambia unterstützen will, kann sich an Algasim Jallow wenden. Tel.: 0151/20 16 72 84.

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