Mann aus Vellmar

Amtsgericht: 22-Jähriger soll Geschäfte mit Testosteron-Ampullen gemacht haben

Kassel. Für einen schönen Körper, so gestand der 22-Jährige aus Vellmar am Mittwoch vor dem Amtsgericht, hätte er alles getan. „Ich wollte auf die Bühne, an Meisterschaften teilnehmen." Laut Anklage stieg der einstige Bodybuilder aus diesem Grund auch in das Geschäft mit Dopingpräparaten ein.

Um die 6000 Ampullen Testosteron soll er im Internet bestellt haben. Nach den Angaben der Staatsanwaltschaft drohen bei Einnahme dieses leistungssteigernden Mittels erhebliche Gesundheitsschäden.

Er habe sich damals, 2012, regelmäßig in einer Gruppe von Jugendlichen aufgehalten, die darauf aus gewesen seien, ihre Körper auf Schönheit zu trimmen. „Wir trieben gemeinsam Sport, erstellten Trainingspläne, wir wollten alle auf die Bühne“, berichtete der 22-Jährige, der heute Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Das Bodybuilding sei damals seine Leidenschaft gewesen, und die war so stark, dass er alles andere vernachlässigte. Er brach die Schule ab, wollte mit Gelegenheitsjobs durchs Leben kommen.

Auf der Suche nach Mittelchen, die die Muskeln schneller wachsen lassen, stieß er im Internet auf einen Händler, der Testosteron-Präparate anpries. Zwischen Februar und Dezember 2012, so gab er am Mittwoch zu, habe er um die 3000 Ampullen geordert.

Bezahlt habe er nicht mit Geld, sondern mit anderen Präparaten. Freilich waren das lediglich Attrappen, denn er schickte seinem Geschäftspartner Ampullen mit Öl, das keinerlei Wirkstoffe enthielt. So wog das eine krumme Geschäft das andere auf.

Außer einem Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz wirft die Staatsanwaltschaft dem 22-Jährigen auch Handel mit den verbotenen Substanzen vor. Er soll sie an andere Interessenten verhökert haben. Das bestritt er am Mittwoch. Er habe das Meiste für sich selbst verbraucht, sechs bis acht Ampullen habe er pro Woche geleert. „Ich wollte mich nicht bereichern.“

Nach einer kurzen Bedenkzeit räumte er schließlich ein, dass er hin und wieder Bekannten aus der Szene nicht nur zum Tausch gegen ein anderes Präparat ein paar Testosteron-Ampullen gegeben, sondern gelegentlich auch Geld dafür genommen habe. „Ich kann nicht sagen, wie viele Ampullen ich selbst verbraucht und wie viele ich verkauft habe.“ Von einem Handel jedenfalls könne keine Rede sein.

Das Gericht hatte - mit Blick auf das vom Angeklagten angekündigte Geständnis - keine Zeugen geladen. Doch da die Staatsanwaltschaft nicht alle Punkte der Anklage aufgeklärt sah, sollen nun doch Zeugen gehört werden, vor allem der Lieferant des 22-Jährigen. Das Gericht setzte deshalb die Verhandlung aus und kündigte an, dass ein neuer Termin angesetzt wird, voraussichtlich frühestens im November. Dann wird der Prozess komplett von vorn beginnen. (pas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.