700 Feuerwehrleute des Landkreises und der Stadt

Große Brandschutzübung in Vellmar: Mit Atemschutz in die Flammen

Proben für den Ernstfall: Wie diese beiden Feuerwehrmänner haben in den letzten zwei Wochen knapp 700 Atemschutzgeräteträger aus dem gesamten Landkreis Kassel eine Übung in der Brandsimulationsanlage absolviert, die in Vellmar Station machte. Foto: Skupio

Vellmar. Seit 2005 tourt alle zwei Jahre ein Container mit einer Brandsimulationsanlage durch Hessen, in dem Atemschutzgeräteträger Übungen unter Einsatzbedingungen absolvieren.

Die Szenarien sind vom Land Hessen vorgeschrieben, das den Container anmietet.

Es ist eng, extrem heiß und stockdunkel. Obwohl sie die Räumlichkeiten nicht kennen, kriechen zwei Feuerwehrleute unbeirrt der einzigen Lichtquelle vor Ort entgegen: Ein Sofa steht in Flammen. Ihr Sichtfeld ist durch die Atemschutzmaske extrem eingeschränkt. Die Verständigung funktioniert nur durch lautes Schreien. Die Schutzkleidung des Trupps klebt bereits nach wenigen Minuten am Körper.

Unter der Last der 30 Kilogramm schweren Ausrüstung rutschen die Atemschutzgeräteträger auf den Knien langsam vorwärts, den wuchtigen Wasserschlauch auf der Schulter. Das 16 Kilogramm schwere Atemschutzgerät lässt sich gebückt noch schlechter handeln, doch die Entscheidung für diese Position ist goldrichtig: Nur wenige Augenblicke später gibt es eine Rauchgasexplosion und eine Feuerwelle rauscht über die Köpfe der Feuerwehrmänner hinweg. Bei einer derartigen Explosion wird der Qualm so heiß, dass er sich schlagartig entzündet. Mit einem breiten Wasserstrahl bindet der Trupp die Wärme. Als dieser Brand unter Kontrolle zu sein scheint, bricht links daneben ein Feuer an einem Flansch (Verbindung zwischen Rohren) aus. Die beiden Feuerwehrmänner schalten blitzschnell und richten den Wasserstrahl auf das Rohr. Als die Gasflamme eingedämmt ist, wird sie durch einen Hebel abgeschiebert (verriegelt). Die Flamme wird nicht gelöscht, da unverbranntes Gas austreten und eine Explosion auslösen könnte.

„Jetzt setzen wir mal die Treppe in Brand; mal sehen, wann die beiden bemerken, dass ihr Fluchtweg abgeschnitten ist“, sagt Walter Waßmuth, der das Szenario aus einer kleinen Kabine heraus beobachtet. Waßmuth ist Kreisausbilder für den Atemschutz. Knapp 700 Atemschutzgeräteträger haben in diesen Tagen die Übung in der Brandsimulationsanlage unter der Aufsicht von ihm und seinen acht Kollegen absolviert.

Mario Langner, der als Bediener mit der Anlage durch ganz Deutschland tourt, drückt auf einen Knopf, schaut durch das Fenster in den Container und sieht die Treppe planmäßig in Flammen aufgehen. „Der Truppführer hinten ist für die Schlauchversorgung zuständig, hält per Funk Kontakt zum Gruppenführer und muss dabei den Fluchtweg im Auge behalten“, sagt Waßmuth. Der Schlauch könne außerdem platzen, wenn die Flammen ihn zu stark erhitzen.

Nachdem die Feuerwehrmänner den Brand an der Treppe und nebenan in der Küche bekämpft haben, gibt Waßmuth über das Funkgerät das Ende des Einsatzes durch.

Atemschutzgeräteträger üben in Brandsimulationsanlage in Vellmar

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