Dr. Harmen Greve

85-jähriger Funkamateur auch im Vellmarer Altenheim auf Empfang

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Kontakt zur Außenwelt: Dr. Harmen Greve (85) pflegt mit der Funkausrüstung auf seinem Zimmer im Seniorenpflegeheim Verbindungen zu seinen Freunden in ganz Deutschland. 2

Vellmar. Es ist ein ganz gewöhnlicher Nachmittag im Seniorenpflegeheim Mühlenhof in Vellmar. Alte Damen sitzen im Foyer auf ihren Rollatoren und klagen über die schwülen Temperaturen; ein paar Herren spielen Karten, andere warten einfach nur auf das Abendessen.

Währenddessen verweilt der 85-jährige Dr. Harmen Greve auf seinem Zimmer und sitzt vor mehreren schwarzen, leuchtenden Kästchen mit diversen Knöpfen und Schaltern.

Greve greift zum Mikrofon. „Hier ist DL8FAT, ist da draußen jemand?“, fragt er und lauscht gespannt. Aus dem Lautsprecher rauscht es, bis plötzlich eine Männerstimme erklingt. „Hier ist DF2FE aus Eschwege.“ Greve strahlt über beide Wangen. Sein alter Funkerfreund Herbert sei am anderen Ende.

Montage der Antennen: Wolfhard Eidenmüller installierte mit drei Mitgliedern des Deutschen Amateur-Radio-Clubs Ortsverband Vellmar eine UKW- sowie eine Kurzwellenantenne.

Dass der pensionierte Lebensmittelchemiker Dr. Harmen Greve, der vor über 40 Jahren seine Prüfung zum lizenzierten Funkamateur ablegte, sein Hobby auch im Seniorenwohnheim weiterbetreiben kann, verdankt er seinen Vereinskollegen vom Deutschen Amateur-Radio-Club Ortsverband Vellmar (OV F73).

Der Ortsverbandsvorsitzende Wolfhard Eidenmüller sowie drei weitere Mitglieder installierten nach Absprache mit der Heimleitung und den Haustechnikern eine UKW- sowie eine Kurzwellenantennenanlage für den 85-Jährigen. Bei guten Bedingungen kann er damit Funker aus ganz Europa erreichen.

In seinem Eigenheim in Kassel hatte sich der Familienvater ein ganzes Funkerreich mit zahlreichen Antennen und Geräten aufgebaut. Täglich sprach er so mit Freunden aus ganz Deutschland. Doch im Juni dieses Jahres musste Greve sein Domizil gegen ein Zimmer im Seniorenwohnheim tauschen. Die Beine wollen nicht mehr richtig, er sitzt im Rollstuhl. Verlassen musste er damit nicht nur sein lauschiges Heim, sondern auch seine Leidenschaft, das Funken - zumindest hatte er das befürchtet. „Ein Leben ohne dieses Hobby kann ich mir gar nicht mehr vorstellen“, sagt er.

Lediglich ein kleines Handfunkgerät, mit dem er Freunde aus der Umgebung erreicht, konnte er von seiner Ausrüstung mitnehmen. „Das laute Rauschen und die schlechte Erreichbarkeit haben ihn richtig gefrustet“, weiß Eidenmüller. „Das konnten wir nicht mit ansehen.“

Die Welt auf dem Schreibtisch: Ein Kurzwellen-Sende-Empfangsgerät mit Netzteil und ein UKW-Sende-Empfangsgerät gehören zu Greves Ausrüstung.

In knapp fünf Stunden brachten er und seine Vereinsfreunde zwei Antennen an. „Wir mussten darauf achten, dass alle Sicherheitskriterien erfüllt sind“, betont der Ortsverbandsvorsitzende. Beispielsweise müsse der Blitzschutz beachtet werden, und außerdem dürfe niemand von den Antennen gestört werden.

Seitdem nun auch sein Hobby wieder bei ihm eingezogen ist, fühlt sich der rüstige Rentner, für den sein Tabletcomputer so gewöhnlich wie eine Zeitung ist, richtig wohl in seinem neuen Zuhause. Der Kontakt zu den anderen Bewohnern halte sich jedoch in Grenzen. „Viel lieber spreche ich mit meinen Funkerfreunden über Technik oder Autos.“

Von Carolin Hartung

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