Jan-Philipp Sendker aus Potsdam hat zwei Tage im Büchereck in Vellmar die Kunden beraten

Ein Autor in der Rolle des Buchhändlers

Kamen ins Gespräch: Gabriele Werner (von links), Renate und Egon Faber und Dr. Klaus Heipel, Kunden der Vellmarer Buchhandlung Büchereck, und der Romanautor Jan-Philipp Sendker. Fotos: Wienecke

Vellmar. Seit 31 Jahren führt Katharina Engelhardt das „Büchereck am Rathaus" in Vellmar. Jetzt hatten sie prominenten Zuwachs: Der Autor Jan-Philipp Sendker verkaufte an zwei Tagen Bücher.

Die persönliche Beratung der Kunden liegt der 68-Jährigen in Zeiten wachsender Buchbestellungen über das Internet sehr am Herzen. Die Frage „Was können wir, was ein Internet-Bücherhändler nicht kann?“, beschäftigt sie darüber hinaus.

Für ein abendliches Werkstattgespräch konnte die Buchhändlerin den Autor Jan-Philipp Sendker gewinnen, der bereits drei Lesungen in Vellmar gehalten hat. Der Romanautor las aus seinen Werken und berichtete im gut besuchten Kirchenzentrum im Vellmar-Mitte von seinen Erfahrungen mit dem Recherchieren und Schreiben.

Zudem hat sich Engelhardt eine andere Besonderheit einfallen lassen: „Jan-Philipp Sendker hat uns auch versprochen, als Autor die Buchhandlung zu unterstützen und einen Tag als Buchhändler zu arbeiten.“ Aus einem Tag wurden zwei halbe Tage, an denen der Potsdamer mit Kunden ins Gespräch kam. Eine Liste mit seinen Lieblingbüchern hatte er im Gepäck. „Das Sachbuch „Zehn Milliarden“ von Stephen Emmott hat mir mein 17-jähriger Sohn empfohlen“, berichtet er. „Es hat meine Sicht auf die Welt verändert.“

Den Roman „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ von der Autorin Taiye Selasi empfiehlt Sendker an Renate Faber. „Es hat mich umgehauen“, sagt er. Renate Faber würde lieber einen weiteren Roman von ihm selbst lesen. „Ich denke, Sie sollten bald loslegen“, meint sie. „Da rennen Sie bei mir offene Türen ein“, antwortet Sendker.

Regina Göbel befragt ihn zu seinen Auslandsaufenthalten. Die Vermögensberaterin möchte wissen, wie der frühere Korrespondent des Wochenmagazins „Stern“ die wirtschaftliche Lage in China einschätzt. Dr. Klaus Heipel, ebenfalls Kunde des Bücherecks, reist gern. „Ich fand es interessant, wie Sie das Leben in Myanmar (Burma/ Birma) schildern“, sagt er. Iris Thiele hat eine englischsprachige Ausgabe dabei. Auch sie erhält eine persönliche Widmung.

„Mir macht es großen Spaß, meine Leser zu treffen und zu erfahren, was ihnen die Bücher bedeuten“, resümiert Jan-Philipp Sendker. Sein Honorar und die Spenden für das Werkstattgespräch und seine Beratungen gehen an ein Waisenhaus in Burma. „Unterstützt durch meinen Verlag habe ich im letzten Jahr bereits 35 000 Euro zusammenbekommen“, berichtet er.

Von Bettina Wienecke

Bezug zu Vellmar und Mozarts Musik

Jan-Philipp Sendker (Jahrgang 1960) stammt aus Hamburg. 18 Jahre arbeitete er als Journalist für das Wochenmagazin „Stern“, zehn Jahre davon als Auslandskorrespondent in Asien und Amerika. Seit 2005 ist Sendker freier Schriftsteller. Seine Frau ist Kunsthistorikerin, sie kommt aus Berlin. Das Ehepaar lebt in Potsdam und hat einen Sohn (17) sowie zwei Töchter, die 16 und drei Jahre alt sind. Durch seine drei Lesungen in Vellmar sind der Autor und seine Familie mit Katharina Engelhardt und ihrem Lebengefährten Hans-Jürgen Breidenstein (Literaturverein Ecke und Kreis) freundschaftlich verbunden. „Er ist Deutschlands unbekanntester Bestsellerautor und Vellmars meistverkaufter Autor“, sagt die Buchhändlerin.

„Bereits als 13-Jähriger wollte ich Schriftsteller werden“, berichtet Jan-Philipp Sendker. Der Journalismus sei ein Umweg gewesen, die langjährige Erfahrung beim Recherchieren jedoch ausgesprochen hilfreich. Zwei der Romane des Autors spielen in Burma: „Das Herzenhören“ wurde seit 2002 in Deutschland 750 000 Mal verkauft, weltweit 1,5 Millionen Mal. Das Buch handelt von einem blinden Jungen, der Herzen „hören“ kann und auf ein Mädchen trifft, das nicht laufen kann. Das Drehbuch zu der Verfilmung mit Regisseurin Sherry Hormann („Wüstenblume“, 2009) hat Sendker gerade fertiggestellt. Die Fortsetzung des Romans „Das Herzenhören“ trägt den Titel „Herzenstimmen“.

Die Romane „Das Flüstern der Schatten“ und „Drachenspiele“ spielen beide in China, sie handeln von dem Deutsch-Amerikaner Paul, der in einen Kriminalfall verwickelt wird. Jan-Philipp Sendker schreibt ausschließlich bei klassischer Musik (Mozart, Chopin), die auch mal lauter sein darf. „Das versetzt mich in eine Art Arbeitstrance“, verrät er. (pbw)

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