Bahnhof Obervellmar: Riesenkräne hievten Behelfsbrücke fort

Brückenteil am Haken: Die Kranführer setzten es vorsichtig und zentimetergenau auf dem Tieflader ab. 3 Fotos: Dilling

Vellmar. Erst wurde geschraubt und gehämmert, dann war Präzisionsarbeit gefragt: Zwei 200-Tonnen-Kräne haben am frühen Sonntagmorgen, weit nach Mitternacht, die Behelfsbrücke an der Bahnhofstraße über dem Bahnhof Obervellmar auf Tieflader gehievt, die sie anschließend nach Holland transportierten.

Auf die Freigabe der Straße über die bereits fertiggestellte neue Brücke müssen die Autofahrer aber noch eine Weile warten. Die Bahnhofstraße wird noch bis Freitag, 22. Mai, in beiden Fahrtrichtungen Sackgasse bleiben, bis die Restarbeiten erledigt sind.

Ein Kranfahrer muss ruhige Hände und Geduld haben. Zunächst ist Letzteres bei Gerhard Braubach und seinem Kollegen von der Firma Regel, der den zweiten Kran am anderen Ende der Brücke bedient, gefragt. Kurz nach Mitternacht, als kein Zug mehr fährt und der Strom in der Oberleitung abgestellt werden kann, beginnen Arbeiter im Auftrag der holländischen Firma, die die Behelfsbrücke an Hessen Mobil vermietet hat, die Schrauben zu lösen: Die drei jeweils 43 Tonnen schweren Stahlsegmente der Brücke sind längs miteinander 70 Mal verschraubt. Diese Arbeit zieht sich hin. Nach fast einem Jahr, in dem Tausende Autos über das Bauwerk gebraust sind, sitzen die Verbindungen ziemlich fest. Öfter müssen die Arbeiter mit dem Vorschlaghammer nachhelfen. Erst um halb zwei in der Nacht ist die letzte Schraube gelöst.

Braubach wartet im Führerhaus seines Krans gelassen. „Das ist Routinearbeit“, sagt er mit der Sicherheit von 34 Jahren Berufserfahrung. Er wird das Stahlungetüm anheben, der Kollege, der die andere Seite am Haken hat, wird vorsichtig nachschwenken. Der Tieflader wartet schon nebenan auf der neuen Brücke.

Als das Manöver beginnt, zückt Stephan Volkwein seine Kamera. Er ist einer von weniger als einer Handvoll Schaulustiger, die die nächtlichen Arbeiten verfolgen. Beim Abriss der alten Brücke und dem Einbau der Behelfsbrücke seien es wohl mehr als 100 Zuschauer gewesen, sagt Klaus von Bremen, der neben ihm steht. Nun wüssten die Leute ja, wie es abläuft, da schwinde das Interesse, sagt von Bremen.

Schaulustige: Stephan Volkwein (links) und Klaus von Bremen harrten bis zum frühen Morgen an der Baustelle aus.

Beide Männer genießen die Zeit, in der die Bahnhofstraße wegen der Brückenarbeiten Sackgasse ist. „Wir haben viel Durchgangsverkehr, das ist jetzt die reinste Erholung“, sagt von Bremen. Trotz der Sperrung versuchten immer wieder Auto- und Lkw-Fahrer durch die Baustelle zu kommen, natürlich vergeblich.

Braubach und sein Kollege arbeiten präzise mit dem Steuerknüppel und setzen die Brückenteile punktgenau auf dem Tieflader ab. Die neue Brücke nebenan, eine Stahlbetonkonstruktion, ist bereits asphaltiert. Sie solle deutlich länger als die vor einem Jahr abgerissene halten, sagt Stephan Nolte von Hessen Mobil. Die alte Betonbrücke war nach gut 50 Jahren marode. Die neue soll der Belastung von 10.000 Autos und Lkw 80 Jahre standhalten.

Riesige Kräne hieven in Vellmar Behelfsbrücke auf Tieflader

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