Nach Razzia: Insolvenzverfahren ist eröffnet

Betrieb des Sicherheitsdienstes 24 eingestellt: 230 Mitarbeitern gekündigt

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Licht aus: Im Haus der Sicherheit an der Bundesstraße 7 in Vellmar wird nicht mehr gearbeitet. Der Firmensitz war erst im Mai 2016 eröffnet worden.

Vellmar. Nach der Razzia bei dem Vellmarer Unternehmen Sicherheitsdienst 24 GmbH ist das Insolvenzverfahren gegen die bundesweit agierende Firma am Montag eröffnet worden.

Das teilte der Insolvenzverwalter Henning Jung von der Kasseler Kanzlei Westhelle und Partner auf HNA-Anfrage mit.

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde der Betrieb eingestellt. „Die Geschäftsführerin ist nicht bereit und sieht sich auch nicht in der Lage, das Geschäft weiterzuführen“, sagt Jung. Die Kundenakquise sei federführend über den 35-jährigen Unternehmensgründer abgewickelt worden.

Zuletzt hatte der Sicherheitsdienst 24 noch etwas über 230 Mitarbeiter beschäftigt. Die Geschäftsführerin, eine ehemalige Zisselprinzessin, hat bereits die Kündigungen ausgestellt. „Alle Mitarbeiter haben ihre Kündigung erhalten und sind mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens von ihrer Tätigkeit freigestellt worden“, sagt Jung. Sie mussten sich nun bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend melden.

Henning Jung

Nach der Razzia im November des vergangenen Jahres hatten nach Angaben von Jung sukzessive alle Kunden von dem Unternehmen Abstand genommen und ihre Zusammenarbeit im Bereich der „sensiblen Sicherheitsdiensleistungen“ mit der Firma beendet.

Nach Angaben von Rechtsanwalt Jung wird die Abwicklung des Insolvenzverfahrens wohl mehrere Jahre dauern. Der Umfang der tatsächlichen Schulden sei noch nicht ermittelt. Staatsanwaltschaft, Zoll und Finanzverwaltung müssten zunächst ermitteln, wie hoch der Schaden bei der Sozialversicherung und Lohnsteuer tatsächlich ist.

Sollte sich der Verdacht der Schwarzarbeit bestätigen und der 35-jährige gebürtige Bad Emstaler rechtskräftig verurteilt werden, könnte er auch persönlich für den entstandenen Schaden haften.

Nach ersten Einschätzungen Jungs wird die Insolvenzmasse wohl nicht alle offenen Forderungen abdecken. Offensichtlich gibt es neben der Sozialversicherung und der Finanzdirektion viele weitere Gläubiger. „Bis wann die Gläubiger bedient werden können, und wie hoch die Quote seien wird, ist unklar“, sagt Jung.

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