Katharina Engelhardt punktet bei Kunden

Buchhändlerin aus Vellmar kämpft gegen Amazon

Hört ihren Kunden zu: Katharina Engelhardt vom Büchereck Vellmar setzt im Kampf gegen Amazon auf Freundlichkeit und Empfehlungen. Foto: Wüstefeld

Vellmar. Bücher werden längst nicht mehr nur im Handel vor Ort gekauft, sondern vermehrt bei Amazon. Katharina Engelhardt vom Büchereck aus Vellmar will das nicht einfach hinnehmen und setzt sich zur Wehr.

Katharina Engelhardt  verfolgt ein Ziel: Sie möchte ihren Kunden ein „gelebtes Bücherleben“ vermitteln. Denn Bücher sind für die Inhaberin des Bücherecks am Rathaus in Vellmar mehr als bloß Seiten voller Text: Sie berühren den Leser, beschäftigen und fesseln ihn.

Welchen Typ Buch jemand mag – ob Krimi, Roman oder Biografie –, hängt dabei von jedem einzelnen Menschen ab. Den Geschmack des Kunden zu treffen, ist folglich schwierig. Doch Katharina Engelhardt schafft trotzdem, was kein Algorithmus von Amazon bestimmen kann. Ihr Rezept: Sie spricht mit den Leuten, hört ihnen zu und weiß so, was ihre Kunden mögen. „Man kann sich immer darauf verlassen, dass Katharina Engelhardt die richtige Buch-Empfehlung für einen parat hat“, erzählt eine Kundin und kommt fast ins Schwärmen.

Mit diesem Vorzug will die 68-jährige Engelhardt gegenüber Internet-Riesen wie Amazon punkten: „Das Unternehmen will sich die Bücherwelt zum Untertan machen. Dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen“, macht Engelhardt deutlich. Seit 31 Jahren schon betreibt sie ihr Geschäft in Vellmar, hat mit Aufkommen der Bestellmöglichkeiten im Internet Kunden verloren. Dennoch glaubt sie fest daran, dass es ihr Geschäft so lange gibt, wie sie es weiterführen wird – und nicht irgendwann schließen muss, weil keiner mehr kommt.

Denn Engelhardt hat sich etwas einfallen lassen: Bei den amerikanischen Buchhändlern hat sie sich zwei Bewegungen abgeguckt. So verteilt sie zum einen beim Buchkauf in ihrem Laden einen Ansteckbutton mit der Aufschrift „Nicht bei Amazon gekauft“. So komme Engelhardt automatisch mit den Kunden ins Gespräch und wecke „das Bewusstsein, mal wieder beim lokalen Buchhandel vorbeizuschauen“.

Zum anderen hat sich die 68-Jährige ihren Lieblingsautor ins Büchereck eingeladen. Jan-Philipp Sendker wird aber nicht aus einem seiner Bücher vorlesen, sondern den Kunden mit Rat und Tat zur Seite stehen. „So erfahren die Kunden einmal etwas über die Leseerlebnisse eines Autors.“ In Amerika locken die Buchhandlungen mit diesem Konzept schon länger in die Läden, Engelhardt hat das jetzt auch vor: „Bei Amazon geht das nicht.“

Den technischen Fortschritten hingegen verwehrt Engelhardt sich nicht: „Wir verkaufen auch E-Books.“ Damit die Bücher dafür jedoch nicht bei Amazon gekauft werden, bietet sie ihren Kunden einen speziellen Service an: Die Wunsch-Bücher werden vom Büchereck besorgt und auf das mitgebrachte E-Book gespielt.

Von Constanze Wüstefeld

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