Es drohen hohe Haftstrafen

Chef des Vellmarer Sicherheitsdienstes 24 soll 4,8 Millionen Euro hinterzogen haben

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Geschlossen: Die Firmenzentrale von Sicherheitsdienst 24 an der Bundesstraße 7 war nur angemietet.

Vellmar. Es geht um knapp fünf Millionen Euro: Dem Chef des insolventen Sicherheitsdienstes 24 wird der Prozess wegen Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug gemacht.

Das teilte Oberstaatsanwalt Götz Wied auf HNA-Anfrage mit. Mitangeklagt sind die 25 Jahre alte Ehefrau des 26-Jährigen sowie eine 31 Jahre als Frau aus dem Landkreis Würzburg, die ebenfalls im Unternehmen tätig waren und an einem Teil der Taten beteiligt gewesen sein sollen. Ebenfalls angeklagt sind eine 26 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Kassel, eine 55 Jahre alte Frau aus Kassel sowie ein 39 Jahre alter Mann aus Fulda. Ihnen wird Beihilfe zu einem Teil der Taten zur Last gelegt. Sie sollen an der Erstellung einer falschen Buchführung beziehungsweise an der Auszahlung von Schwarzlöhnen beteiligt gewesen sein. 

Die Staatsanwaltschaft Kassel hat beim Landgericht Kassel Anklage wegen des Verdachts des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt sowie Steuerhinterziehung und Fälschung beweiserheblicher Daten erhoben. Ein Termin für die Eröffnung des Hauptverfahrens vor dem Landgericht Kassel ist noch nicht bekannt. 

Der 36-Jährige sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft in der JVA Kassel-Wehlheiden I. Dort wird er wegen Fluchtgefahr auch bis auf Weiteres verbleiben. Ihm wird vorgeworfen, in den Jahren 2014 bis 2016 als Geschäftsführer und später als sogenannter faktischer Geschäftsführer der Holding Mitarbeiter schwarz beschäftigt zu haben. Außerdem soll er niedrigerer Löhne angemeldet und keine oder zu geringe Sozialversicherungsbeiträge abgeführt haben. Auch Lohn- und Umsatzsteuer soll hinterzogen worden sein. 

Das Unternehmen beschäftigte zuletzt 230 Mitarbeiter in den Bereichen Event-Security, bei Bundesligaspielen, Konzerten, in Diskotheken und als Sicherheitsdienst in Flüchtlingsheimen.

Schaden hat sich wohl verdreifacht

Die Vorwürfe gegen den 36-Jährigen aus Bad Emstal und die fünf Mitangeklagten sind schwer. Bislang hatte die Staatsanwaltschaft Kassel immer von Sozialversicherungsbetrug im Umfang von mindestens 1,5 Millionen Euro berichtet. Nun hat sich der Schaden offenbar verdreifacht. Die Ermittlungsbehörden schätzen, dass rund 4,8 Millionen Euro hinterzogen wurden: Allein bei der Sozialversicherung soll ein Schaden von rund 3,3 Millionen Euro entstanden sein. Darüber hinaus sollen auch Lohn- und Umsatzsteuer in Höhe von geschätzt 1,5 Millionen Euro hinterzogen worden sein.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, tatsächliche Arbeitsverhältnisse und deren Umfang mithilfe von Scheinrechnungen vermeintlicher Subunternehmer verschleiert zu haben. Außerdem sollen sie Arbeitnehmer veranlasst haben, Rechnungen zu schreiben, um deren Selbstständigkeit vorzutäuschen, teilt Götz Wied, Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft mit.

Allein dem Hauptangeklagten werden 65 Straftaten zur Last gelegt. Er muss sich wegen Steuerhinterziehung in besonders schwerem Fall verantworten. Laut Staatsanwaltschaft droht ihm dafür eine Haftstrafe von mindestens sechs Monaten und maximal zehn Jahren.

Die Sicherheitsdienst 24 GmbH war ein Unternehmen innerhalb einer Holding. Zur Gesellschaft gehörten auch Firmen aus den Bereichen Detektivdienste, Reinigung, Immobilien- und Hausverwaltung sowie Autovermietung. „Der Angeschuldigte hielt zunächst einen Großteil der Gesellschaftsanteile selbst, bevor er diese an seine Ehefrau übertrug“, erklärt Wied. Deshalb muss sich nun auch die 25-Jährige, die bis Dezember 2016 Geschäftsführerin des Sicherheitsdienstes 24 war, vor Gericht verantworten.

Sechs Monate lang Hinweise geprüft

Die Ermittlungsbehörden hatten sechs Monate lang Beweise geprüft, bevor Anklage erhoben werden konnte. Bei einer Razzia der Ermittlungsgruppe „Titan“ im November 2016 wurden die Geschäftsräume im „Haus der Sicherheit“ an der Bundesstraße 7 bei Vellmar von Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Gießen und der Staatsanwaltschaft Kassel durchsucht. Weil es sich bei dem Sicherheitsdienst um ein bundesweit agierendes Unternehmen handelt, wurden zeitgleich 42 Durchsuchungsbeschlüsse in mehreren Bundesländern vollstreckt. Auch in einem Einfamilienhaus in Unterföhring bei München schlugen die Ermittler zu.

Die Sicherheitsfirma meldete Ende 2016 Insolvenz an. Das Amtsgericht Kassel hatte Mitte Dezember, also gut drei Wochen nach der Razzia, die vorläufige Verwaltung des Vermögens angeordnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Henning Jung von der Kasseler Kanzlei Westhelle und Partner bestellt.

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