Gewinner wartet auf grünes Licht

Streit in letzter Runde: Zwei Ärzte rangelten um Praxis-Zulassung

So soll der Neubau der Ärztepraxis am Standort des ehemaligen Hotels Regenbogen in Vellmar aussehen: Auch ein Chirurg soll dort einziehen. Hier die Ansicht von Osten. Illustration: nh

Vellmar. Die Abrissarbeiten am ehemaligen Hotel Regenbogen in Obervellmar laufen auf Hochtouren. Auf dem Areal soll auf 17.000 Quadratmeter Fläche noch in diesem Jahr ein Ärztehaus hochgezogen werden.

Nach Auskunft des Arztes Dr. Andreas Dingel aus Volkmarsen (Kreis Waldeck-Frankenberg), der das Gebäude samt Grundstück an der Bahnhofstraße gekauft hat, ist geplant, dort mehrere Praxen und eine Apotheke einzurichten. Sein Interesse bekundet hat laut Dingel neben zwei Allgemeinmedizinern aus Vellmar auch ein Chirurg aus Kassel - vor dem Hintergrund, dass es zurzeit keine chirurgische Praxis in Vellmar mehr gibt.

Aber gerade um die Zulassung solch einer Praxis in Vellmar gab es in der jüngeren Vergangenheit Querelen, die nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen mit Sitz in Frankfurt noch nicht ganz ausgestanden sind. Bis 31. Dezember 2013 arbeitete noch ein Chirurg in Vellmar. Der wollte seinen sogenannten „Vertragsarztsitz“ nach Beendigung seiner Tätigkeit in das Medizinische Versorgungszentrum Baunatal (MVZ) verlegen, erläuterte Karl Matthias Roth, Abteilungsleiter Kommunikation bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

So soll der Neubau der Ärztepraxis am Standort des ehemaligen Hotels Regenbogen in Vellmar aussehen: Auch ein Chirurg soll dort einziehen. Hier die Ansicht von Osten. Illustration: nh

Das MVZ wollte danach eine chirurgische Zweigstelle in Vellmar einrichten, um die Versorgung auf diesem Gebiet dort weiterhin sicherzustellen. Dagegen legte laut Roth ein anderer Arzt Widerspruch ein, der Recht und damit auch den Sitz des Chirurgen in Vellmar zugesprochen bekam. Um eine Praxis eröffnen zu können, hat dieser neue Arzt laut Roth inzwischen einen Antrag auf Genehmigung einer Praxis für Vellmar gestellt. Der Ausgang dieses Verfahrens sei nach Auskunft Roths jedoch noch offen. Entscheiden muss darüber der Zulassungsausschuss, ein gemeinsames Gremium der Ärzte und Krankenkassen in Hessen. Sollte der Antrag dort positiv beschieden werden, sei die Kassenärztliche Vereinigung „tendenziell bereit“, dem Antrag des Arztes auf Eröffnung seiner Praxis stattzugeben.

Aber egal wie das Verfahren ausgeht - Vellmar liegt auch ohne eigenen Chirurgen nicht in einer versorgungstechnischen Wüste. Denn der Versorgungsgrad der Chirurgen im Landkreis Kassel liegt bei 150,61 Prozent.

Insgesamt sind acht Chirurgen im Kreis tätig. Praxisstandorte sind Baunatal, Hofgeismar, Kaufungen und Niestetal.

In der Stadt Kassel in unmittelbarer Nähe zu Vellmar arbeiten dazu 17 weitere niedergelassene Chirurgen. Deswegen besteht nach Auskunft von Sprecher Roth „in Vellmar zurzeit trotzdem kein Versorgungsengpass“.

22 Fachärzte in Vellmar

In Vellmar mit seinen gut 18.000 Einwohnern haben sich 13 Hausärzte plus 22 Fachärzte niedergelassen. Die Spezialgebiete fächern sich wie folgt auf:

Es gibt zwei Anästhesisten, zwei Augenärzte, einen Dermatologen, einen Frauenarzt, zwei Hals-Nasen-Ohren-(HNO)-Ärzte, eine fachärztliche Internistin, zwei Kinderärzte, zwei Nervenärzte, zwei Orthopäden, sechs Psychotherapeuten und einen Urologen. Unter dem Strich, resümiert Roth, „ist Vellmar ärztlich doch recht gut versorgt“.

Von Stefan Wewetzer

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