Hans-Joachim Heist im Interview

„Da werde ich zum Hassknecht“

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Jetzt wird’s persönlich: Hans-Joachim Heist ist mit seiner Kultfigur Gernot Hassknecht aus der „heute- show“ in Vellmar zu Gast.

Vellmar. Der Schauspieler und Komiker Hans-Joachim Heist steht am Mittwoch, 18. April, in seiner Paraderolle in der Vellmarer Mehrzweckhalle auf der Bühne

Der Chefcholeriker der Nation heißt Gernot Hassknecht. Seit fast zehn Jahren grantelt und poltert der Fernsehnachrichten-Kommentator in der „heute-show“ im ZDF. Gespielt wird der sich stets mit hochrotem Kopf in Rage redende Hassknecht von Hans-Joachim Heist. Mit seinem zweiten Solo-Programm „Gernot Hassknecht – Jetzt wird’s persönlich“ ist er am Mittwoch, 18. April, ab 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Vellmar zu Gast. Wir sprachen mit ihm über seine Paraderolle.

Was überwiegt bei Ihnen: Die Freude als Satiriker über die Selbstzerfleischung der SPD oder die Trauer als SPD-Mitglied darüber, dass sich die Partei gerade selbst abschafft?

Hans-Joachim Heist: Es hält sich die Waage. Ich war gegen die Große Koalition, habe sie aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge akzeptiert, weil doch viele Punkte des SPD-Wahlprogramms in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzt werden konnten. Ich bezweifle, dass die SPD in einer Regierung mit Angela Merkel aus ihrem Tränental herauskommt.

Aber für den Satiriker muss es ein gefundenes Fressen sein?

Heist: Ja, natürlich. Auch die neue Regierung wird für uns immer tolles Material bieten. Wenn Seehofer und Scheuer in der Regierung sind, wird es immer tolle Momente geben.

Würde der SPD ein Schreihals wie Gernot Hassknecht guttun?

Heist: Na ja, Nahles geht ja manchmal in die Richtung. Die Rede, die sie am Parteitag gehalten hat, hat mich sehr beeindruckt, obwohl ich kein besonders großer Freund von Nahles bin. Aber mit einer Figur wie Hassknecht in der Politik Punkte zu gewinnen, ist nicht möglich. Politik und Demokratie bedeuten auch immer, kompromissbereit zu sein. In meinem Bühnenprogramm sagt Gernot Hassknecht: „Ich könnte das nicht. Demokratie ist gottverdammt langweilig und anstrengend. Diskutieren, Kompromisse eingehen, gemeinsame Lösungen finden. Nach fünf Minuten Diskussion in irgendeinem Ortsverein einer Partei wäre ich drogensüchtig und gewalttätig.“

Sie haben schon in über 70 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt und an etlichen Theatern gespielt. Aber die große Bekanntheit kam erst mit der Rolle des Gernot Hassknecht. Ist der späte Ruhm eher ein Fluch oder ein Segen?

Heist: Das ist ein Segen. Man geht viel lockerer damit um. Ich habe ja so viel erlebt in meinen über 40 Jahren Schauspieler-Dasein und ich weiß, dass Dinge sich ganz schnell ändern, besonders im Film- und Fernsehgeschäft. Da ist man ganz oben und irgendwann auch wieder ganz unten. Es wird im Alter immer ruhiger, es gibt da nicht mehr so viele tolle Rollen im Fernsehen für ältere Schauspieler. Insofern ist es natürlich ein Glücksfall, in diesem Alter noch mal so eine herausragende Rolle im deutschen Fernsehen zu bekommen.

Als festes Ensemblemitglied der „heute-show“ haben Sie mittlerweile Kultstatus erreicht. Seit einigen Jahren gehen Sie nun mit der Figur Gernot Hassknecht auf Bühnentour. Was erwartet das Publikum?

Heist:Es beginnt mit einem Videoeinspieler, da kriegen die Leute einen kleinen satirischen Einblick über den Tagesablauf von Gernot Hassknecht. Wir reden über Demokratie und ich setze mich auch mit dem Rechtspopulismus auseinander. Und natürlich geht es um Dinge, die jeden angehen. Unsere Politiker bekommen auch ihr Fett weg, das muss so sein. Das erwartet man von Gernot Hassknecht.

Früher war die FDP der Lieblingsgegner der „heute-show“, heute ist es die AfD. Behandeln Sie die Rechtspopulisten anders als andere Parteien?

Heist: Nein, wir behandeln die CSU auch so. Wenn sie rechtspopulistische Äußerungen machen, dann bekommen sie auch gesagt, dass es so nicht geht. Insofern kriegt jeder das, was er verdient hat und was man nicht akzeptieren darf. Wenn solche Äußerungen von SPD-Leuten kommen oder von anderen Parteien, dann kriegen die das auch um die Ohren gehauen. Nur machen die das ganz selten.

Die AfD ist die größte Oppositionspartei im Bundestag. Der Ton dort hat sich seither verschärft. Hat das auch ihre Arbeit verändert?

Heist: Nein. Man muss die Leute vorführen und mit ihren eigenen Argumenten überführen und bloßstellen. Man darf nicht den Fehler machen, dass man sie jetzt in die Schmuddelecke stellt und sagt, Nein, mit denen unterhalten wir uns gar nicht mehr. Im Gegenteil, man muss sie einbinden. Wenn man sagt, man setzt sich nicht mit denen an einen Tisch, das gibt denen noch Aufwind. Man muss sich mit ihnen auseinandersetzen und mit Argumenten muss man sie fertigmachen.

Hat der private Heist mit dem öffentlichen Hassknecht Ähnlichkeiten, regen Sie sich über die gleichen Dinge auf?

Heist: Ja, aber nicht so wie Hassknecht. Ich bin eher so ein Heinz-Erhardt-Typ mit Schalk im Nacken. Das einzige, wo Hassknecht abgefärbt hat auf Hans-Joachim Heist, ist im Auto. Da werd ich zum Hassknecht.

Sie sind jetzt 69 Jahre alt. Geht Gernot Hassknecht irgendwann in Rente?

Heist: Nee. Gernot Hassknecht wird es geben, solange es die „heute-show“ gibt. Die „heute-show“ wird es sicherlich nicht die nächsten 20 Jahre geben, irgendwann wird das auch zu Ende sein. Spätestens dann, wenn Oliver Welke sagt, jetzt ist gut. Dann wird es auch Gernot Hassknecht nicht mehr geben. Ansonsten bin ich natürlich auf der Bühne unterwegs, auch mit meinem Heinz-Erhardt-Programm. Solange man mich auf der Bühne und vor der Kamera noch sehen möchte, und ich es gesundheitlich noch machen kann, solange werde ich diesen Beruf ausüben und auf der Bühne und vor der Kamera stehen.

Vor allem unter jungen Leuten haben Sie ja eine Art Kultstatus erreicht. Was ist das für ein Gefühl, wenn man merkt, man erreicht gerade auch die jungen Menschen?

Heist: Das ist ein großartiges Gefühl. Ich erlebe das auch immer, wenn ich nach dem Hassknecht-Bühnenprogramm im Foyer Autogramme gebe. Die jungen Leute kommen zu mir und wollen Selfies und dann erzählen viele, dass sie durch die „heute-show“ und meine Figur zum ersten Mal mit Politik konfrontiert wurden und sich dann dadurch auch für Politik interessiert haben. Das macht einen schon ein bisschen stolz.

Mittwoch, 18. April, 20 Uhr.

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