Film basiert auch auf Selbsterlebtem

Demenz: Kurzfilm von Studentin aus Vellmar soll Hoffnung geben

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Haben Spaß bei der Szene am Klavier: Louisa Wengler (von links), Petra Koberstein und Lieselotte Koberstein spielen eine Enkelin, eine Tochter und eine Großmutter in dem Kurzspielfilm „Wir kennen uns.“ von Victoria Koberstein, die hinter der Kamera zu sehen ist.

Vellmar/Kassel. Immer mehr Reportagen beschäftigen sich mit Demenz und den Auswirkungen der Erkrankung auf die Betroffenen und ihre Familien. Ein Besuch bei der Studentin Victoria Koberstein bei Dreharbeiten zu ihrem Kurzspielfilm „Wir kennen uns.“.

Bereits früh hatte Victoria Koberstein aus Vellmar mit einer demenziellen Erkrankung in ihrer Verwandtschaft zu tun. Bei ihren Besuchen entwickelte sie den Wunsch, einen Zugang zu der älteren Dame zu finden, was ihr nach einiger Zeit auch gelang. „Es gab immer ein Erkennen auf emotionaler Ebene, auch wenn sie meinen Namen nicht mehr wusste“, sagt die 22-Jährige.

Die für sie wertvolle Lebenserfahrung hat Koberstein mit 15 Jahren aufgeschrieben. Inzwischen studiert sie Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel mit dem Schwerpunkt „Film und Fernsehen“. Ihr Kurzspielfilm, der den Titel „Wir kennen uns.“ trägt, erzählt zwar eine andere Familiengeschichte, basiert aber auch auf Selbsterlebtem.

Für die Hauptrolle konnte die Studentin ihre Oma Lieselotte Koberstein gewinnen, die aufgrund eines Schlaganfalls auf den Rollstuhl angewiesen ist und seit 2010 im Kasseler Seniorenzentrum Jungfernkopf lebt. Sie spielt die an Demenz erkrankte Magdalena Goldstein.

In den Rollen der Tochter und der Enkelin von Magdalena sind Victorias Mutter Petra Koberstein und die 16-jährige Louisa Wengler aus Kassel zu sehen, die bereits seit einigen Jahren Theater spielt – erst in der Theater-AG der Luisenschule, nun an der Herderschule in Kassel.

Gehören zum Team: Saguaro Duda (hinten, jeweils von links) und Daniel Hellwig (beide zuständig für das Licht), Aria Azizi (Kamera), Victoria Koberstein (Regie und Produktion), Luca Hettling (Ton), Niklas Seehausen (Kamerassistenz) und Aliaksei Paluyan (Produktionsleitung) sowie Vera Hanschke (vorn, Produktionsassistentin) und Kimia Eyzad Panah (Regieassistenz) bei den Dreharbeiten für den Kurzspielfilm „Wir kennen uns.“ von Victoria Koberstein.

Eine intensive Betreuung erfährt Victoria Koberstein durch ihre Professorin Yana Drouz und den künstlerischen Mitarbeiter Behrooz Karamizade. Darüber hinaus arbeitet sie mit dem Team aus ihrer Klasse und weiteren Helfern. „Wir sind multikulturell und helfen uns gegenseitig“, berichtet Koberstein. Aus Afghanistan, dem Iran, dem Irak, Weißrussland, Georgien, Mexiko und Deutschland kommen ihre Mitstudenten.

Für den 15-minütigen Film, der bei der Veranstaltung „Rundgang“ – findet immer Mitte Juli in der Kunsthochschule statt – gezeigt werden soll, wird an fünf Tagen gedreht.

Einige Szenen spielen in Privathäusern in Ober- und Niedervellmar. Auch für das Kasseler Seniorenzentrum Jungfernkopf gab es eine Dreherlaubnis in einem eigens hergerichteten Zimmer und in der Cafeteria durch den Träger, das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Kassel-Wolfhagen. 77 Bewohner leben dort, einige von ihnen interessierten sich für das Filmen und kamen mit den Studenten schnell ins Gespräch.

Victoria Koberstein ist Regisseurin und Produzentin, sie finanziert unter anderem die Miete für die Technik und ein Fahrzeug aus eigener Tasche. „Das wird ein positiver Film mit einem Blick auf das veränderte Leben von drei Frauen, die es meistern, indem sie zusammenhalten“, sagt die 22-Jährige.

Zur Person: 

Victoria Koberstein (22) wurde in Kassel geboren und lebt in Vellmar. Sie schloss ihr Abitur mit den Schwerpunkten Germanistik und Darstellendes Spiel ab. Seit 2016 studiert sie an der Kunsthochschule Kassel im Fachbereich Visuelle Kommunikation „Film und Fernsehen“ mit den Schwerpunkten Drehbuch und Regie. Sie dreht Dokumentationen und Kurzspielfilme und wirkt bei Filmprojekten als Produzentin und Aufnahmeleiterin mit.

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