Besuch aus aller Welt in Vellmar

Von der Zuckerburg zur documenta: So ist das Leben mit Übernachtungsgästen

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documenta 14 Gäste auf der Zuckerburg: Susanne Schuck-Zöller (von links) und Joachim Zölle, daneben die Besitzer des historischen Gebäudes in Vellmar, Marleen und Olaf Sonnenschein. 

Vellmar. Die documenta läuft in Kassel - das macht sich auch im Kreis bemerkbar. Viele Privatleute bringen die Gäste aus aller Welt bei sich unter. Eine besondere Begegnung.

Von der Zuckerburg zur documenta - so wirbt die Familie Sonnenschein für ihre kleine Gäste-Wohnung auf der Internetplattform Airbnb. Genau dieser Slogan war es auch, der Susanne Schuck-Zöller direkt ins Auge fiel und lockte. „Ich fand es interessant, dass sich die Wohnung in einem historischen Gebäude befindet“, sagt die Wissenschaftlerin, die mit ihrem Mann Joachim Zöller vier Tage bei Marleen und Olaf Sonnenschein zu Gast ist, um die documenta zu besuchen.

Das Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert steht unter Denkmalschutz. Der Name Zuckerburg stammt aus den 1950er-Jahren, als im Gutshaus eine Diabetes-Klinik untergebracht war. Als die Familie das Haus erstand, war es völlig runtergekommen und musste von Grund auf saniert werden. „Uns war daran gelegen, das Haus in seinen ehemaligen Zustand zurückzubringen“, sagt Olaf Sonnenschein. Zwei Jahre wurde saniert, alles musste raus, um das Haus vor dem Zusammenbruch zu retten. Es entstanden mehrere Wohnungen, unter anderem auch die kleine, 30 Quadratmeter große Wohnung im zweiten Stock. Als Heilpraktikerin nutzt Marleen Sonnenschein die Wohnung normalerweise, um dort ihre Patienten zu behandeln. „Aber während der documenta empfanden wir es als Frevel, sie nicht unterzuvermieten“, sagt Olaf Sonnenschein.

Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert: In den 1950er-Jahren war hier eine Diabetes-Klinik untergebracht. Heute befinden sich in dem Haus mehrere Wohnungen. 

Bisher hatten sie schon Gäste aus Holland, England und Frankreich, die die Kunstausstellung besucht haben. Susanne Schuck-Zöller und ihr Mann Joachim Zöller wohnen in Hamburg und waren auf dem Rückweg von einer Familienfeier in der Pfalz. Da bot es sich an, in Kassel Station zu machen. Die documenta 8 war 1987 die erste documenta, die sie gemeinsam besucht haben. „Und ab der documenta 10 haben wir jede gesehen“, sagt Susanne Schuck-Zöller.

Für das Ehepaar aus Hamburg ist die kleine Wohnung in der Zuckerburg der perfekte Ausgangspunkt für ihre Exkursionen zur documenta 14. „Ich muss nicht direkt im Zentrum wohnen“, sagt Joachim Zöller. Die Anbindung mit der Linie 1 sei perfekt und gleich neben dem Gutshaus gibt es einen Supermarkt, für Selbstversorger besonders wichtig. „Der große Vorteil gegenüber einem Hotelzimmer ist ja gerade, dass man seinen Tag selbst gestalten kann und total flexibel ist“, sagt Zöller. Man müsse sich nicht wie im Hotel an Essenszeiten halten, sondern könne selber entscheiden, wann man Lust auf Essen oder einen Kaffee habe.

Die Sonnenscheins stehen ihren Untermietern jederzeit mit Tipps und Hilfe zur Seite. „Aber wir lassen unseren Gästen ihre Ruhe“, sagt Marleen Sonnenschein. Sie sollen sich ganz zu Hause fühlen. Beim ersten Besuch bei ihren Untermietern im zweiten Stock boten die Zöllers den Hausherren gleich Kaffee an. „So kümmern sich die Gäste um die Gäste“, sagt Olaf Sonnenschein. „Das war ein spannendes Erlebnis und zeigt, dass sie sich wohlfühlen.“ Für ein paar Tage sind die Zöllers auf der Zuckerburg zu Hause.

Gastgeber bestimmen den Preis:

Sind Hotels und Pensionen in Kassel ausgebucht, greifen viele Gäste der documenta auf Unterkünfte im Kreis zurück, sagt Dehoga-Kassel-Geschäftsführerin Anna Homm auf HNA-Anfrage. Zahlen könne man aber erst im Nachhinein nennen. Die Unterbringung über Privatleute etwa über Airbnb ist eine beliebte Alternative. Überall im Landkreis werden Unterkünfte angeboten – vom Zimmer, über eine Wohnung bis zum kompletten Haus. Die Kosten legen die Gastgeber selbst fest. Sie können auch entscheiden, ob sie zu der Unterbringung weiteren Service, wie etwa Frühstück, anbieten.

Wir suchen Gastgeber:

Haben auch Sie Menschen aus aller Welt bei sich aufgenommen? Dafür zum Beispiel ein Baumhaus gebaut oder eine Scheune hergerichtet? Wenn Sie von Ihrer Begegnung mit Besuchern der documenta 14 erzählen wollen, melden Sie sich bei der Kreisredaktion der HNA unter der E-Mail-Adresse kreiskassel@hna.de.

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