Eine Packung Ernte 23 und ein paar Mark

Eingemauerte Zeitkapsel von 1976 bei Rathaussanierung in Vellmar entdeckt

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Das war in der Kapsel: Eine Urkunde der Grundsteinlegung, Baupläne des Rathauses, eine HNA vom 1. September 1976, ein Brief des Maurers, ein Satz Münzen, eine Ausgabe vom Vellmarer „Wochenspiegel“ und eine Schachtel „Ernte 23“ (damaliger Preis: 2,70 DM). Dahinter: Peter Pilatzki, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Umwelt von der Stadt Vellmar. 

Vellmar. Überraschungsfund in Vellmar: Bei den Sanierungsarbeiten im Rathaus hat ein Bauarbeiter die bei der Grundsteinlegung eingemauerte Zeitkapsel ausgegraben. Darin enthalten: Münzen, Baupläne, eine HNA vom 1. September 1976 und ein handschriftlicher Brief.

Dass es in den Rathausmauern so eine Kapsel mit Gegenständen aus der Zeit des Baus gibt, sei zwar nicht verwunderlich, sagt Bürgermeister Manfred Ludewig. „Aber dass die jetzt bei der Sanierung gefunden wird, hat uns schon sehr verblüfft“.

Bei Abrissarbeiten entdeckt

Entdeckt wurde sie eher zufällig von Dominic Bergmann, dem Polier der Tiefbaufirma Becker aus Gudensberg. Der 32-Jährige war gerade mit Abbrucharbeiten im Bereich des Foyers beschäftigt, als er auf die verplombte Kupferrohr-Kassette stieß. Bei den Arbeiten bekam die etwa 30 Zentimeter lange Büchse einen Schlag ab und wurde leicht beschädigt. Der Polier informierte sofort die Stadtverwaltung und brachte die Kapsel ins Interimsrathaus.

Er fand die Kupferrohr-Kassette im Foyer des Rathauses: Abbruchpolier Dominic Bergmann.

Dort wurde der Inhalt dann auch gleich interessiert in Augenschein genommen. Darunter eine Urkunde, unterschrieben vom damaligen Bürgermeister Helmut Wagner und dem hessischen Justizminister Dr. Herbert Günther, auf der steht: „Der Inhalt soll späteren Generationen Zeugnis von einer schaffensfreudigen Stadt geben“.

Brief mit Zigarettenschachtel

Zum Vorschein kamen neben der HNA vom Tag der Grundsteinlegung, einem Deutsche-Mark-Münzsatz und den Bauplänen des Rathauses auch eine Ausgabe des damaligen „Wochenspiegel“, der Vellmarer Stadtzeitung, und eine leere Schachtel Zigaretten („Ernte 23“/2,70 DM) sowie ein handgeschriebener kurzer Brief. Wer ihn geschrieben hat, geht aus dem Brief selbst hervor: Willi Eckhardt, geboren am 26. Februar 1929, aus Habichtswald-Ehlen. „Das war der Maurer, der die Kapsel damals eingemauert hat“, sagt Bürgermeister Ludewig. Der Brief endet mit der Information, dass der Stundenlohn des Maurers damals 10,60 DM betragen hat. Inflationsbereinigt entspricht das heute etwa 14 Euro.

Hoher Besuch: Zur Grundsteinlegung am 1. September 1976 kam auch Justizminister Dr. Herbert Günther. 

Was jetzt mit der Zeitkapsel und den fast schon historisch wertvollen Gegenständen passiert, ist noch nicht geklärt. „Wir werden uns in den kommenden Tagen beraten“, sagt Ludewig. Denkbar sei beispielsweise, dass die Kassette und ihr Inhalt in einer Vitrine ausgestellt werden. Möglich sei auch, dass man die Hülse einfach wieder verschließt und eingräbt. „Oder wir aktualisieren die Kassette mit Gegenständen von heute und legen einen Brief dazu, wie es dazu gekommen ist“.

Wichtig sei ihm, dass der Inhalt auch weiterhin für spätere Generationen erhalten bleibt.

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