Betreuer, aber keine Wächter

Flüchtlingsunterkünfte: In Stadt und Kreis Kassel kein Sicherheitspersonal

Gemeinschaftsunterkunft: Im Landkreis und in der Stadt Kassel sind Flüchtlinge in Gebäuden wie dem Hotel Rosengarten an der Warburger Straße in Vellmar untergebracht. Foto: Wewetzer

Vellmar / Fuldatal /Kreis Kassel. Es sind schreckliche Bilder, die uns derzeit aus Nordrhein-Westfalen erreichen. Flüchtlinge, die Schutz in Deutschland suchen, werden von denjenigen, die sie beschützen sollten, misshandelt.

Die brutalen Übergriffe privater Sicherheitskräfte auf Asylbewerber in Burbach, Bad Berleburg und Essen schockieren die ganze Bundesrepublik und rücken die Frage in den Fokus, wie die Sicherheit in den Gemeinschaftseinrichtungen in der Region gewährleistet wird.

Im Kreis Kassel werden alle Gemeinschaftsunterkünfte bis auf eine vom Landkreis selbst betrieben. Lediglich die Unterbringung in Fuldatal-Ihringshausen wird privat unterhalten. In keiner dieser Unterkünfte wird laut Landkreissprecher Harald Kühlborn Sicherheitspersonal eingesetzt. „Es gibt dafür einfach keine Notwendigkeit“, sagte er auf Anfrage der HNA. Denn es gebe in den Unterkünften nicht mehr Probleme als in der übrigen Bevölkerung. Nur in der Wolfhager Pommernanlage gebe es einen Sicherheitsdienst – allerdings nicht allein für oder wegen der Asylbewerber, sondern weil er für die Herwig-Blankertz-Schule tätig ist.

Betreut würden die Flüchtlinge von Sozialpädagogen und Hausleitern. „Wenn es mal kleinere Probleme gibt, kann das Betreuungspersonal diese lösen“, so Kühlborn. Schließlich seien auch die Bewohner selbst daran interessiert, dass es keine Konflikte gebe. Der Landkreis habe sich ganz bewusst dafür entschieden, die Unterkünfte selbst zu betreiben, als die Anzahl an Flüchtlingen gestiegen sei. „Vor dem Hintergrund der Situation in Nordrhein-Westfalen zeigt sich, dass das richtig war“, sagte Kühlborn.

Auch in den fünf Gemeinschaftsunterkünften der Stadt Kassel ist kein Sicherheitsdienst tätig. Denn auch dort gebe es keine größeren Konflikte zwischen den Bewohnern, sagte der Pressesprecher der Stadt Kassel, Ingo Happel-Emrich. Vier der Unterkünfte werden privat betrieben, eine vom Caritasverband Nordhessen. Bei Bedarf würden Kontrollen durch die Betreiber durchgeführt. Die soziale Betreuung der Flüchtlinge erfolge in allen Unterkünften durch den Caritasverband Nordhessen, so Happel-Emrich.

Auch die Polizei beurteilt die Situation in den Gemeinschaftsunterkünften als unproblematisch. Pressesprecher Torsten Werner sagte, die Kriminalität innerhalb der Heime sei nicht besorgniserregend. „Es kommt hin und wieder zu Köperverletzungs- und Eigentumsdelikten. Aber nicht häufiger als in der Bevölkerung.“ Die Polizei habe die Unterkünfte in ihr Streifenkonzept integriert. „Es wird immer mal nach dem Rechten geschaut“, so Werner.

Dass es keine besorgniserregenden Probleme gibt, bestätigte auch Michael Thöne von der Gemeinde Fuldatal. „In den Einrichtungen in Rothwesten und Ihringshausen bewegen sich die Konflikte alle im normalen zwischenmenschlichen Bereich“, so Thöne. Ebenso unproblematisch beurteilt Jürgen Noll von der Gemeinde Nieste die Situation. Die Stadt Vellmar war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Von Nicole Schippers

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