Ehrenamtliche Arbeit 

„Ein Lächeln sagt schon ganz viel": Frau kümmert sich in Vellmar um Demenzkranke

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Ausgestattet: Christina Eisenberg (66) aus Kassel arbeitet seit rund drei Jahren ehrenamtlich bei Freiraum in Vellmar mit. Unser Bild zeigt sie mit einem Buch mit Kurzgeschichten und einem Gesangbuch. 

Kreis Kassel. Wenn Christina Eisenberg von ihrem Ehrenamt erzählt, leuchten ihre Augen. Seit etwa drei Jahren engagiert sich die 66-Jährige aus Kassel bei Freiraum Vellmar und kümmert sich um Demenzkranke. 

Die Einrichtung vermittelt Ehrenamtliche für drei bis fünf Stunden pro Woche an Demenzkranken und ihre Angehörigen. Dabei geht es um Einzelbetreuung.

„Ich kümmere mich um zwei ältere Damen, jeweils drei Stunden pro Woche bei ihnen zu Hause“, sagt Eisenberg. „Ich lese ihnen vor, vor allem Kurzgeschichten, wir singen Volkslieder, die sie aus ihrer Kindheit und Jugend kennen, wir gehen spazieren und oft höre ich auch einfach nur zu.“

Wichtig sei, sich ganz auf die Person einzulassen und Vertrauen aufzubauen: „Sie müssen sich ernst genommen fühlen und wissen, dass sie mir erzählen können, was sie bewegt.“ Dabei hilft ihr „soziale Ader“. „Ich glaube mit meinen fünf jüngeren Geschwistern habe ich schon früh ein Verantwortungsbewusstsein für Menschen bekommen.“

Besonders schön ist es für die 66-Jährige, wenn ihr die Demenzerkrankten Dankbarkeit entgegenbringen: „Da sagt ein Lächeln schon ganz viel.“ Natürlich sei das aber nicht immer so. „Es gibt zum Beispiel Momente, in denen man merkt, dass die Krankheit fortschreitet.“

Damit umzugehen, sei nicht immer leicht. Ihr Ansporn ist es, die Erkrankten ein Stück weit aufzuwecken. „Oft wird über Menschen mit Demenz gesagt, dass sie nur noch wenig können.“ Das soll nicht so stehen bleiben.

„Wir schauen uns gemeinsam mit den Ehrenamtlichen die Biografien und Charakterzüge der Demenzerkrankten an und fragen, wie man sie am besten erreichen kann“, sagt Gisela Mötzing, pädagogische Mitarbeiterin beim Diakonischen Werk Region Kassel, die die Arbeit der Ehrenamtlichen bei Freiraum plant.

Offen für Probleme

Daraus entstünden dann konkrete Wege, sich mit den Dementen zu beschäftigten. „Mit manchen kann man Wandern, anderen liest man aus der Zeitung vor, wieder andere erzählen einfach gern.“ Menschen, die sich bei Freiraum engagieren wollen, sollten offen für die Krankheit und die Probleme sein, die sie mit sich bringt. „Wichtig ist auch Geduld“, betont Mötzing. „Denn oft leben Dementen in ihrer eigenen Welt mit einer eigenen Zeit.“

Freiraum brauche dringend Mitarbeiter. „Mittlerweile melden sich so viele Familien bei uns, die Hilfe in der Betreuung suchen, dass wir nicht genügend Ehrenamtliche vermitteln können.“

Schulungen für Ehrenamtliche

Ziel von Freiraum Vellmar, aber auch anderen Einrichtungen für Demenzerkrankte im Landkreis Kassel ist es, dass die Erkrankten dauerhaft in ihren eigenen vier Wänden bleiben können und die Angehörigen entlastet werden. 

Sowohl für die häusliche Einzelbetreuung, als auch für Gruppenstunden, die einmal wöchentlich in der Kirchengemeinde Frommershausen (Frommershäuser Straße 91, Vellmar) von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr stattfinden, werden noch ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht. Laut Landkreissprecher Andreas Bernhardt suchen auch weitere Einrichtungen im Landkreis Kassel Ehrenamtliche: Zeitlos (Altkreis Wolfhagen), die Demenzstelle Barke (umfasst Nieste, Niestetal, Kaufungen, Helsa, Söhrewald, Lohfelden, Fuldabrück, Baunatal und Schauenburg), die Barke Weserregion und auch das Zentrum für Demenz im Altkreis Hofgeismar. 

Jeder angehende ehrenamtliche Mitarbeiter nimmt eingangs an einer kostenlosen Schulung teil, die aus einem theoretischen und einem praktischen Abschnitt besteht. Der Theorieteil – an fünf Freitagen im August und September – umfasst unter anderem medizinische Grundlagen zum Thema Demenz, aber auch Rollenverständnis und Konzepte zur Betreuung, Förderung und Beschäftigung. 

Für den praktischen Teil helfen die Ehrenamtlichen vierzig Stunden lang in einer stationären Pflegeeinrichtung. Am Freitag, 31. August, beginnt der nächste Schulungsdurchgang in der Vitos-Klinik in Bad Emstal. Anmeldungen sind noch bis Freitag, 17. August möglich. Kontakt: Gisela Mötzing, donnerstags von 14 bis 16 Uhr unter 01 52/21 72 58 00 erreichbar. (mgo)

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