Freispruch nach Pkw-Brand - trotzdem Haft für Hofgeismarer

Kassel/Vellmar. Das Kasseler Amtsgericht hat am Donnerstag einen 24-Jährigen aus Hofgeismar vom Vorwurf der Brandstiftung freigesprochen. In Haft soll der junge Mann dennoch kommen.

Das Gericht sah nicht als erwiesen an, dass der junge Mann im März 2013 auf einem Feldweg bei Frommershausen das Auto seines Stiefvaters aus Vellmar abgefackelt hat, nachdem er zuvor einen Unfall damit gebaut hatte.

In Haft soll der junge Mann trotzdem kommen. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis - mit jenem Auto - in zwei Fällen, sowie wegen Diebstahls, Betrugs und versuchten Betrugs in je drei Fällen verhängte das Gericht eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren.

Der 24-Jährige hatte zuvor gestanden, drei Motorräder gestohlen und mehrfach Motorrad-Utensilien bestellt zu haben, ohne bezahlen zu können. Das Gericht ging davon aus, dass er sich damit Geld für Drogen verschaffen wollte. Wegen ähnlicher Taten und wegen Fahrens ohne Führerschein ist er mehrfach vorbestraft.

Auch die führerscheinlosen Fahrten mit dem Auto des Stiefvaters hatte der Hofgeismarer gestern eingeräumt: „Der war im Urlaub“, sagte er. Er selbst habe Haustürschlüssel gehabt und sich den Wagen „ausgeliehen“, um nach Oberhausen zu fahren. Ein paar Tage später habe er dann in Kassel einen Unfall gebaut. Er habe das Auto nahe dem Unfallort zurückgelassen und nur die Schlüssel zurückgebracht. In Brand gesteckt habe er den Wagen nicht, beteuert er: „Das war ich nicht!“

Die Vernehmung des Stiefvaters ergab, dass der junge Mann im März 2013 selbst über die Hausschlüssel nicht mehr hätte verfügen sollen.

Auf der Fahrt nach Oberhausen war der 24-Jährige geblitzt worden. Nach dem Zusammenstoß in Kassel hatte der Unfallgegner ihn fotografiert. Da falle das Gestehen leicht, befand Staatsanwalt Matthias Blosche. Zugleich hielt er die Brandstiftung für bewiesen: „Das Auto stand im Vollbrand - komplett. So ein Brandbild entwickelt sich nicht aufgrund eines technischen Defektes.“ Es falle ihm außer dem Angeklagten niemand ein, der den Wagen auf den Feldweg gefahren haben könnte, um ihn abzubrennen.

Verteidiger Reinhard Priem hingegen betonte, man wisse nicht einmal, ob überhaupt Brandstiftung vorliege. Niemand habe am Wrack Brandbeschleuniger festgestellt. „Das Auto hat einfach gebrannt.“

Ähnlich sah es schließlich auch das Gericht: Selbst wenn man annehmen wolle, dass der 24-Jährige den Wagen auf den Feldweg lenkte, sei nicht zwingend, dass er ihn auch angesteckt habe. Utensilien, die auf eine Brandlegung hindeuteten, seien nicht gefunden und der Brandschutt sei nicht untersucht worden. Ein technischer Defekt als Brandauslöser sei nicht ausgeschlossen. Schließlich sei das Auto durch den Unfall beschädigt gewesen.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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