Wegen Steuerhinterziehung

Fast fünf Jahre Haft für Ex-Chef des Vellmarer Sicherheitsdienstes

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Bleibt im Gefängnis: Vier Jahre und zehn Monate wegen Steuerhinterziehung lautete gestern das Urteil der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts für den 36-jährigen Tim L.. Vier seiner Ex-Mitarbeiter erhielten Bewährungsstrafen.

Vellmar/Kassel. Weil er rund 3,5 Millionen Euro an Sozialabgaben und Steuern hinterzogen hat, soll der frühere Chef des Vellmarer Sicherheitsdiensten SD 24, Tim L., für vier Jahre und zehn Monate hinter Gitter.

Dieses Urteil fällte gestern die Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts und blieb damit sogar noch über dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Die vier mitangeklagten ehemaligen Mitarbeiter, drei Frauen und ein Mann, wurden wegen Beihilfe zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Richter Robert Winter beschrieb in seiner Urteilsbegründung die Probleme des Gerichts, die tatsächlich hinterzogenen Summen zu beziffern. Wenn es wegen fehlender Buchhaltung keinerlei Unterlagen zu prüfen gebe, müsse der Schaden halt geschätzt werden.

Der 36-jährige Tim L., der zu Beginn des Verfahrens Mitte November noch eine gewisse Überheblichkeit an den Tag gelegt hatte, zeigte sich gestern von 18 Monaten Untersuchungshaft und acht Monaten Prozess sichtlich beeindruckt: Das Urteil nahm der kleine, massige Mann mit gesenktem Kopf und zustimmend nickend auf. In seinem letzten Wort hatte er sich für die Taten entschuldigt.

Alle Angeklagten hatten während der Verhandlung vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Geständnisse abgelegt, was zu einer Verständigung aller Prozessbeteiligten und einer Abkürzung des Verfahrens führte.

Verfahren gegen Ehefrau abgetrennt

Für rund 135.000 Euro aus dem Vermögen Tim L.´s und seiner Ehefrau ordnete die Kammer die Einziehung zugunsten der Insolvenzmasse der SD 24 an. Das Verfahren gegen die Ehefrau war wegen ihrer Schwangerschaft abgetrennt worden, inzwischen ist das Baby geboren.

In seinem Plädoyer hatte Verteidiger Schenk geschildert, wie dem damals drogenabhängigen Tim L. die ganze Geschichte über den Kopf gewachsen war. Mit Beginn der Flüchtlingskrise waren die Umsätze – besonders bei der Bewachung der Flüchtlingslager – explodiert. Allein für das in Hessisch Lichtenau überwies das Land monatlich 465.000 Euro. Als sich herausstellte, dass statt der möglichen 1250 Flüchtlinge dort nur maximal 380 untergebracht waren, sank die Summe auf 240.000 Euro. Richter Winter bescheinigte Tim L. großes Verhandlungsgeschick beim Aushandeln der Monatspauschalen mit dem Land Hessen.

Die Flüchtlingskrise Mitte 2015 habe das Geschäft von SD 24 komplett verändert, erläuterte Winter. Bis dahin waren lediglich Sport- und Kulturveranstaltungen meist mit Mini-Jobbern gesichert worden. Dann explodierten die Umsätze förmlich wegen der Flüchtlingseinrichtungen.

Verwaltung und Buchführung von SD 24 waren überfordert und chaotisch. Mitarbeiter wurden schwarz beschäftigt und bezahlt, Scheinrechnungen ausgefüllt. Das allerdings habe Tim L. auch schon 2014 getan, was ihm eine Geldstrafe eintrug. Insofern galt er als einschlägig vorbestraft.

Damals war Tim L. auch als Chef nicht eben häufig im Büro. Er und sein Anhang lebten derweil auf Mallorca auf großem Fuß. Man fuhr Lamborghini, Maserati, Corvette, Dodge Viper und andere teure Luxusautos. Bisher, so Verteidiger Schenk, konnte nur der Lamborghini wieder aufgetrieben werden und für die Insolvenz verwertet werden. Der Verbleib der anderen Wagen ist offen.

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