Auch zu Besuch bei der HNA

Ein guter Tag für Flüchtlinge: 17 schnupperten in Berufe rein

Auf dem Chefsessel: Dahraan Mohamed Omar war im Rathaus der Stadt Vellmar zu Gast. Bürgermeister Manfred Ludewig begleitete sie bei ihrem Rundgang. Foto: Rogge-Richter

Vellmar/Kassel. Beim sogenannten "Refugee`s Day", dem Tag der Flüchtlinge, bekamen 17 die Gelegenheit, in einen Beruf hineinzuschnuppern.

Es ist bewegend zu sehen, wie Amir Nima Erfani kämpft - darum, hier in Deutschland seinen Platz zu finden, gehört und verstanden zu werden, und zu zeigen, dass er, ein Flüchtling aus dem Iran, viel zu bieten hat.

Erfani - bald feiert er seinen 35. Geburtstag - ist Industrie-Ingenieur und seit acht Monaten in Deutschland. Als Christ lief er Gefahr im Iran verfolgt zu werden. Inzwischen hat er ein Zimmer in Vellmar, lebt von 325 Euro monatlich, lernt Deutsch, studiert, hat Asyl beantragt und wartet nun auf das Ergebnis. Noch ist in seinem Leben nichts sicher. Aber er gibt nicht auf.

Erfani ist einer von insgesamt 17 Flüchtlingen aus verschiedenen Nationen, die gestern beim „Refugee’s Day“, dem „Tag der Flüchtlinge“, mitgemacht haben. Organisiert hat ihn der Unterstützerkreis Rosengarten des Awo-Ortsvereins in Vellmar. Das Ziel: Einen Tag lang sollen die Migranten in verschiedene Berufe hineinschnuppern - und dabei auch ein Stück Deutschland kennenlernen.

Erfani hat sich für die HNA entschieden, obwohl er Ingenieur ist. Zwei Jahre arbeitete er in Dubai in der Öl-Branche, dann bei Teheran für einen Maschinen-Hersteller. Er lebte ein normales Leben - bis er sich fürs Christentum entschied. Er setzte sich in den Flieger, bevor ihm und seiner Familie Verfolgung drohte.

Stippvisite bei der HNA: Amir Nima Erfani aus dem Iran schaute der Redakteurin Alia Shuhaiber über die Schulter. Foto: Naumann

„Deutschland als freiheitliches und demokratisches Land ist fantastisch“, sagt er. „Aber ich verstehe nicht, warum mit Blick auf die Flüchtlinge immer nur Kosten und Schwierigkeiten gesehen werden, nicht aber das Wissen und die Fähigkeiten, die Flüchtlinge ins Land tragen. Dabei will ich hier nur mein Können einbringen“, sagt er. Migration sei eines der größten Themen, mit dem sich nicht nur Deutschland, sondern die globale Gesellschaft in Zukunft auseinandersetzen müsse. „Migration entsteht, weil Ungleichgewichte in der Welt existieren, von denen meist nur die entwickelten Nationen profitieren“, sagt er.

Besuch beim Bürgermeister 

Vom „Refugee’s Day“ profitiert hat auch die 19-jährige Dahraan Mohamed Omar. Vor zwei Jahren ist sie mit ihrem Vater und Onkel aus der Heimatstadt Mogadischu in Somalia geflohen. Gestern stattete sie Bürgermeister Manfred Ludewig im Rathaus einen Besuch ab. Als erste Amtshandlung durfte sich Omar, die derzeit einen Intensivsprachkurs an der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel besucht und schon gut Deutsch spricht, auf den Sessel des Bürgermeisters setzen. Direkt im Anschluss nahm die junge Frau, die später einmal in der Altenpflege arbeiten möchte, an Besprechungen teil.

Bei einem Rundgang durch das Rathaus lernte Omar unter anderem die Fachbereiche Allgemeine Verwaltung und Bürgerservice, Zentrale Dienste und Finanzen sowie Stadtentwicklung und Umwelt kennen. Außerdem standen der Besuch des Bauhofs, der Kindertagesstätte Stadtmitte und des Freibads in Obervellmar auf dem Programm.

„Ich finde, dass dieses Projekt eine ganz tolle Idee ist, da es zur Integration der Flüchtlinge beiträgt. Sie erhalten einen kleinen Einblick in die Vielschichtigkeit der Berufswelt“, sagte Ludewig. Auch Dahraan Mohamed Omar zeigte sich begeistert. „Ich bin überrascht, wie groß das Rathaus ist und die Stadt Vellmar. Herr Ludewig ist sehr nett“, lautete das Fazit von Dahraan Mohamed Omar.

Von Boris Naumann und Sarah Rogge-Richter

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