Hinweis für Kutscher

Historischer Meilenstein in Vellmar verrät: Zwei Stunden bis zur Martinskirche

Vellmar. Geht man aufmerksam durch die alte Ortslage von Obervellmar, entlang der alten Holländischen Straße, so entdeckt man einen Meilenstein.

In Höhe der Tankstelle Bibbig steht der massive Sandstein mit der Aufschrift „1 Meile von Cassel“. Er ist die Kopie eines historischen Steines, der vor rund 150 Jahren aufgestellt wurde.

Bereits 1779 wird in alten Akten des ehemaligen Dorfes Obervellmar von der alten Poststraße nach Holland berichtet, auf der schon die Truppen Napoleons marschierten. Nach dem Deutschen Krieg 1866 gelangte auch das Kurfürstentum Hessen mit der Residenzstadt Cassel unter preußische Herrschaft und wurde 1868 preußische Provinz. Damit änderten sich auch die bis dato gültigen Maßeinheiten. Die preußische Meile wurde eingeführt und an der Holländischen Straße wurde ein Meilenstein errichtet. Er gab die Zeit an, die ein Pferdefuhrwerk damals benötigte, um zur Kasseler Martinskirche zu gelangen. Für diese preußische Meile, die der Strecke von exakt 7 532 Metern entspricht, benötigte eine Postkutsche damals eine Stunde. Ein Fußgänger brauchte dafür rund 10 500 Schritte oder zwei Stunden.

Bis zum Bau der neuen Bundesstraße 7 als vierspurige Umgehungsstraße, stand der Meilenstein unweit des Bahnübergangs Dachsberg an dem alten Handelsweg nach Holland. Im Zuge der Straßenbauarbeiten wurde der steinerne Zeitzeuge dann Anfang der 1970er Jahre auf dem Gelände der Straßenmeisterei Espen deponiert, wo er in Vergessenheit geriet. Dort wurde er Jahre später von Mitgliedern des neu gegründeten Geschichtskreises wiederentdeckt.

Allerdings war der Originalstein durch unsachgemäße Behandlung zerbrochen und konnte nicht mehr restauriert werden. Ein Replikat musste her und eine Anfrage im Ausbildungszentrum für Steinmetze in Mainz-Hechtsheim führte zum Erfolg. Auszubildende fertigten gegen Erstattung der Materialkosten ein kostenloses Replikat und ein Fahrzeug des Vellmarer Bauhofes brachte den neuen Meilenstein zu seinem künftigen Standort nach Obervellmar. Mit einem kleinen Festakt wurde der vor 30 Jahren, unweit seines ursprünglichen Standortes an der Holländische Straße, Ecke Waldstraße, der Öffentlichkeit übergeben. Doch ungeschickte Lkw-Fahrer fuhren den Stein immer wieder um, sodass er später vor der Tankstelle Bibbig seinen heutigen und endgültigen Standort fand. Besondere Beachtung findet der Meilenstein heute vor allem bei Grundschulkindern, die ihn bei Exkursionen im Rahmen des Heimatkundeunterrichts durch Alt-Obervellmar bestaunen.

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