Prozess gegen Einbrecher - International gesuchter Serientäter?

Vellmar / Kassel. Der Albtraum vieler Häusle-Besitzer wird seit Dienstag vor dem Kasseler Amtsgericht verhandelt. Dort wird einem 48-jährigen Mann aus dem Kosovo vorgeworfen, in der Vorweihnachtszeit 2014 in fünf Wohnhäuser in Vellmar und Fuldatal eingebrochen zu sein und Beute von mehreren 1000 Euro gemacht zu haben.

Auf der Anklagebank sitzt ein kleiner, schmaler Mann mit grauem Bart und schlechten Zähnen, der aus seinem schäbigen Sweatshirt Armut und Hoffnungslosigkeit auszudünsten scheint. Er ist seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft.

„Ich habe geschrien wie am Spieß“, schildert die 57-jähriger Steuerberaterin als Zeugin, wie sie am 16. Dezember bei der Heimkehr den Mann in ihrem Haus antraf. Noch mehr geschrien habe sie, als der mit einem Gegenstand in der Hand einen Schritt auf sie zu machte, dann aber floh.

Die Frau alarmierte die Polizei, die den Mann wenig später nahe dem Tatort festnahm. Die Beamten waren schon vor Ort, weil es in den Tagen zuvor eine Häufung von Wohnungseinbrüchen in dem Bereich gegeben hatte.

Weil die Beute aus dem jüngsten Einbruch bei dem Mann gefunden wurde, konnte er den schlecht leugnen. Mit den anderen vier ihm vorgeworfenen Taten habe er aber nichts zu tun, übersetzte ein Dolmetscher. Er sei als Pizzabäcker auf der Suche nach Arbeit aus Italien nach Deutschland gekommen - freilich mit einer dort gestohlenen Identitätskarte.

Ein Kripobeamter zeichnete ein ganz anderes Bild des Angeklagten. Österreich habe einen Auslieferungsantrag gestellt, weil der Mann als Serieneinbrecher in der Alpenrepublik gesucht werde.

Schon 2002 seien seine Fingerabdrücke bei einer Einbruchsserie in Aachen gefunden worden. „Wir gehen von einem Profi-Einbrecher aus, der genau weiß, was er aussagen muss, um mit einer milden Strafe davonzukommen“, sagte der Zeuge.

Dazu gehöre etwa, dass der Mann bei seiner Festnahme angab, an jenem Tag zehn Bier getrunken zu haben. Tatsächlich habe die Blutprobe 0,0 Promille ergeben.

Die beiden 500-Euro-Scheine, die der Steuerberaterin seit dem Einbruch fehlen und die der Festgenommene in der Tasche hatte, will er von daheim mitgebracht haben. „Das ist mein Geld“, sagte er.

Ein Armband, das er am Handgelenk trug und das bei einem Bruch drei Tage vorher entwendet worden war, habe er vor zwölf Jahren von seiner Mutter bekommen, behauptete der fünffache Vater.

Er sei erst zwei Tage vor der Festnahme in Kassel angekommen und habe sich spontan zu dem einen Bruch in Vellmar entschlossen. KVG-Fahrscheine deutlich älteren Datums, die er bei sich trug, hätten ihm unbekannte Albaner als „Beispiel-Tickets“ gegeben. Und so weiter.

Eigentlich sollte schon am Donnerstag das Urteil fallen, bei 16 Zeugen ohnehin eine sportliche Vorgabe. Weil aber nun das Bewegungsprofil des Angeklagten-Handys noch detaillierter ausgewertet werden soll, wurde von Richter Winter ein zweiter Verhandlungstag angesetzt.

Deutlich wurden bei den Aussagen der Einbruchsopfer die psychischen Belastungen, mit denen sie seither leben müssen. „Die Angst im eigenen Heim ist das Schlimmste“, sagte die Steuerberaterin, die eine Therapie machen muss.

Von Thomas Stier

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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