In Vellmar fehlen Männer: Stadt liegt in Hessen weit hinten

Zu wenige Männer? In Vellmar leben deutlich mehr Frauen, wie die Statistik zeigt. Foto:  dpa

Vellmar. Vellmar hat zu wenig Männer – zumindest statistisch gesehen. Das geht aus dem Bevölkerungsbericht des Landes Hessen hervor.

Demnach liegt der Anteil der in Vellmar gemeldeten Männer bei lediglich 47 Prozent. Das ist nicht nur der mit Abstand geringste Wert im Landkreis Kassel – auch hessenweit liegt Vellmar in dieser Statistik ganz weit hinten.

„Eine Erklärung habe ich dafür nicht“, sagt Wolfhard Eidenmüller vom Bürger-Service der Stadt Vellmar. „Wenn wir jetzt überdurchschnittlich viele Männer hätten und beispielsweise drei Kasernen im Stadtgebiet, dann wäre die Begründung einfach“, sagt er, „aber so ist es nicht“.

Männermangel hat in der 18.033-Einwohner-Stadt (Stand 31. Dezember 2015) übrigens Tradition. Schon seit Jahren leben in Vellmar, das sich laut Eidenmüller als „Familienstadt“ versteht, auffällig wenig Männer. Die Quote liegt seit 2010 kontinuierlich bei rund 47 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das: In Vellmar sind überdurchschnittlich viele Frauen (fast 53 Prozent) gemeldet, in absoluten Zahlen: 1033 mehr als Männer (8500). Hessenweit leben nur noch in der Stadt Kronberg (Taunus) prozentual gesehen noch weniger Männer als in Vellmar: 46,8 Prozent.

Auch die Demographie-Experten des Statistischen Landesamtes stehen vor einem Rätsel. Man könne könne sich keinen Reim darauf machen, warum ausgerechnet in Vellmar so wenig Männer leben, heißt es auf Anfrage.

Ganz anders sieht es in Calden aus. Zählten die Statistiker Anfang des vergangenen Jahres sogar noch einen leichten Frauenüberschuss in der Flughafengemeinde, leben in Calden den aktuellen Zahlen zufolge nun deutlich mehr Männer (52,1 Prozent) als Frauen. „Das kann nur an unserer Erstaufnahmeeinrichtung liegen“, vermutet Bürgermeister Maik Mackewitz (parteilos). Die Erstaufnahme für Flüchtlinge, in der zwischenzeitlich mehr als tausend Menschen in einer Zeltstadt untergebracht waren, habe ohnehin für einen schlagartigen Bevölkerungsanstieg gesorgt. „Unter den Flüchtlingen sind mehr Männer als Frauen“, sagt Mackewitz. Da die Flüchtlinge einer Erstaufnahme nach dem neuen Bundesmeldegesetz vom November 2015 zur Einwohnerzahl mitgerechnet werden, spricht Mackewitz von „verfälschenden Zahlen“. Bis zur Flüchtlingswelle seien beide Geschlechter etwa gleich oft vertreten gewesen.

Calden liegt nun – gemessen am Männeranteil – hessenweit an neunter Stelle aller 426 Städte und Gemeinden. Mit 60,2 Prozent die meisten Männer in Hessen stehen im Melderegister der Stadt Schwarzenborn (Schwalm-Eder-Kreis) – ehemals ebenfalls Standort einer Erstaufnahmeeinrichtung.

Durchschnittlich leben im Kreis Kassel 49,2 Prozent Männer. In der Stadt Kassel ist der Männeranteil mit 48,8 Prozent geringer. In Hessen sowie bundesweit liegt der Männeranteil je bei 49,3 Prozent.

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