Chef der Vellmarer Firmen-Holding weiter in U-Haft

Insolvenz angemeldet: Sicherheitsdienst 24 streckt die Waffen

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Im Visier der Ermittler: Der Chefetage der bundesweit agierenden Firma Sicherheitsdienst 24 wird Sozialversicherungsbetrug und Schwarzarbeit vorgeworfen. Das Foto zeigt die Unternehmenszentrale in Vellmar.

Vellmar. Nach der spektakulären Razzia bei dem Vellmarer Unternehmen Sicherheitsdienst 24 GmbH hat die bundesweit agierende Firma Insolvenz angemeldet.

Die Razzia erfolgte im November wegen des Verdachts des Sozialversicherungsbetrugs und der Schwarzarbeit im Umfang von mindestens 1,5 Millionen Euro. 

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat das Amtsgericht Kassel bereits am 14. Dezember, also gut drei Wochen nach der Razzia, die vorläufige Verwaltung des Vermögens angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Henning Jung von der Kasseler Kanzlei Westhelle und Partner bestellt.

Er sei zurzeit dabei, sich einen Überblick über die Situation der Firma zu verschaffen, sagte Jung am Donnerstag im Gespräch mit der HNA. „Das ist allerdings nicht so einfach“, so der Jurist. Der Grund: Bei der Razzia wurden sämtliche Geschäftsunterlagen der Firma, darunter auch die Personalakten, beschlagnahmt.

Gleichwohl sah sich der Insolvenzverwalter mit einer Überraschung konfrontiert. Anders als von dem Firmenchef wohl auch aus Werbegründen kommuniziert, beschäftigte der Sicherheitsdienst 24 nicht 1200, sondern lediglich rund 300 Mitarbeiter, darunter eine Reihe auf „geringfügiger Basis“, so Jung. Sie werden unter anderem bei Bundesligaspielen, Konzerten, Discotheken, aber auch als Sicherheitsmitarbeiter in Flüchtlingsheimen eingesetzt. Es gehe zunächst darum, den Betrieb zu stabilisieren, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter. Zu diesem Zweck führe er Gespräche mit Auftraggebern. „Wir verdeutlichen, dass gute Arbeit geleistet wurde und die Mitarbeiter qualifiziert sind“, so Jung.

In einem zweiten Schritt wird der Jurist ein Gutachten über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens erstellen. Anschließend gehe es um die Frage, ob und wenn ja, wie die Firma saniert werden könne. Jung geht davon aus, dass Mitte Januar genauere Erkenntnisse vorliegen werden.

Der Insolvenzantrag der Sicherheitsdienst 24 GmbH, der von der als Geschäftsführerin fungierenden Frau des Holding-Chefs gestellt wurde, ist offensichtlich eine direkte Folge der Razzia von Ende November und des damit verbundenen Vertrauensverlusts bisheriger und potentieller Auftraggeber.

Damals hatten 350 Beamte von Zoll, Polizei und Steuerfahndung Wohnungen, Geschäftsräume und Fahrzeuge in mehreren Bundesländern durchsucht.

Ermittelt wird gegen den Chef der Firmen-Holding. Der aus Bad Emstal stammende Mann wurde Anfang Dezember wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen. Auch das Weihnachtsfest hat er im Gefängnis verbracht. „Die Untersuchungshaft wird weiter vollzogen“, sagte Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, auf HNA-Anfrage. Die Ermittlungen dauerten an. „Es werden weiterhin Unterlagen ausgewertet und Zeugen vernommen“, sagte der Oberstaatsanwalt.

Im Visier haben die Fahnder neben dem Holding-Chef weitere Beschuldigte, die als Geschäftsführer, Gesellschafter und leitende Mitarbeiter in der Firma tätig sind beziehungsweise waren. Ihnen wird auch vorgeworfen, Firmengeld auf Privatkonten verschoben zu haben.

HINTERGRUND: Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr

Um einen Beschuldigten in Untersuchungshaft nehmen zu können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: 1. Es muss ein dringender Tatverdacht vorliegen. Das ist dann der Fall, wenn aufgrund des aktuellen Ermittlungsstands eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Beschuldigte wegen einer Straftat verurteilt wird. 2. Es muss ein Haftgrund vorliegen. Haftgründe sind Flucht-, Verdunkelungs- und Wiederholungsgefahr. Die Dauer der Untersuchungshaft, die auf eine Freiheitsstrafe angerechnet wird, soll sechs Monate nicht überschreiten. Das Oberlandesgericht kann sie in begründeten Fällen allerdings verlängern.

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