Bis zu 30 Minuten für Download von Fotos

Anwohner beeinträchtigt: Telekom versorgt Vellmar nicht überall mit schnellem Netz

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Möchte mit höherer Geschwindigkeit surfen: Key-Account-Manager Wolfgang Neumann wohnt im Lambertweg in Vellmar. Er ist durch den schlechten Breitbandausbau in seinem Job beeinträchtigt.

Vellmar. Schnelle Datenübertragung mit 100 MBit/s – darauf hatte sich Wolfgang Neumann aus Obervellmar gefreut. Die Realität sieht aber ganz anders aus.

Denn normalerweise muss der 55-Jährige bis zu einer halben Stunde einplanen, um Fotos oder Dokumente herunterzuladen.

„Wir leben hier im Funkschatten. Skype-Gespräche sind abgehackt und an das Streamen von Filmen oder Serien ist gar nicht erst zu denken“, sagt Neumann, der bisher noch Vodafone-Kunde ist.

Seine Nachbarn haben dasselbe Problem. Im gesamten Wohngebiet „Schöne Aussicht“ gebe es kein schnelles Internet, obwohl es von den unterschiedlichen Anbietern versprochen wurde. Nachdem die Straßen rund um den Lambertweg für das Verlegen neuer Glasfaserkabel monatelang eine Baustelle waren, sollte jeder Haushalt von der Telekom mit einwandfreier Internetverbindung entschädigt werden.

Der Anbieter Vodafone, der die Leitungen der Telekom für ihre Datenübertragung gemietet hat, weist Neumann in einem Brief darauf hin: Die Bandbreite seines Tarifs betrage maximal 16.000 kBit/s. Zusichern könne man ihm allerdings nur gut 6000 kBit/s.

Auch in einem Telefonat mit dem Kundenservice der Telekom bekommt Neumann keinen konkreten Lösungsvorschlag. Für eine Verbesserung der Datenübertragung sei ab jetzt die Gemeinde zuständig – der Breitbandausbau der Telekom sei abgeschlossen. 

Ralf Ernstreiter vom Bauamt der Stadt Vellmar sagt, die Kommunen seien lediglich dafür verantwortlich, öffentliche Straßen für den Breitbandausbau zur Verfügung zu stellen. Die Umsetzung einer besseren Datenübertragung liege bei der Telekom.

„Der größte Witz ist noch die Werbung, mit der man trotzdem dauernd bombardiert wird“, sagt Neumann. Wenn er aus der Haustür geht, läuft er geradewegs auf einen Verteiler-Kasten zu, von dem ihm ein lilafarbenes Werbeplakat entgegen leuchtet: „Ich stehe (hier) für schnelles Internet.“

Probleme bei Home Office in Vellmar

Beim Vorlesen des Schriftzuges muss der 55-Jährige schon fast lachen. Dabei ist die Situation alles andere als komisch. Wolfgang Neumann fühlt sich in seiner Tätigkeit als Key-Account-Manager, die er häufig von Zuhause ausführt, erheblich beeinträchtigt: „Wenn es nur ums Surfen ginge, wäre alles halb so schlimm. Aber die schlechte Verbindung behindert mein Home Office.“ 

An die schrittweise Abschaffung des analogen Telefonierens will Neumann gar nicht denken: „Dann kann man in Obervellmar den Notruf nicht mehr erreichen, weil die Internetverbindung abgestürzt ist.“ Und das lilafarbene Plakat mit den leeren Versprechungen am Verteiler-Kasten kann dem 55-Jährigen im Ernstfall dann auch nicht helfen. 

Vor seiner Haustür ist seit einiger Zeit bereits die nächste Baustelle in vollem Gange. Kanäle werden dort neu verlegt. „Könnte man in diesem Zuge nicht auch weitere Glasfaserkabel verlegen?“, fragt sich Neumann.

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