Tanzen wie in Brasilien

Kampfkunst Capoeira in Vellmar: Zwischen Duett und Duell

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Kampftanz: Tobias Mantz (rechts) weicht einem Angriff von Leah Hillgärtner aus, die den Handstand mühelos beherrscht. Rhythmisches Trommeln und der Gesang der Roda begleiten die beiden Kämpfer und feuern sie an.

Vellmar. Rhythmisches Trommeln erklingt in der Brüder-Grimm-Sporthalle. Zehn Leute stehen im Kreis um zwei Kämpfer. Feuern sie mit Klatschen und Gesängen an. Was mit einem tanzenden Grundschritt beginnt, steigert sich: ein Drehkick geht in Radschlagen über, ein Angriff wird per Salto beendet.

Mühelos, so wirkt es. Schweißtreibend ist es, wenn man näher hinschaut. Capoeira heißt die Kampfkunst, der sich die Sportler verschrieben haben.

2009 gründete sich die „Capoeira Grupo Conquista“ in Kassel und gliederte sich dann dem Verein Bushido-Vellmar an. Seither trifft sich die „Roda“, wie der Kreis im Portugiesischen heißt, zweimal wöchentlich zum gemeinsamen Training. Angeleitet werden sie dabei von Tobias Mantz. Er ist Lehrer in Ausbildung und fand über andere Kampfsportarten hin zur Kampfkunst Capoeira.

„Ich mag, dass es eine so vielfältige Sportart ist“, sagt Mantz. Capoeira setze sich aus verschiedenen Techniken zusammen. Vom Boden bis hin zu akrobatischen Leistungen in der Luft. Dies ermögliche es, Menschen aller Altersgruppen und körperlicher Verfassung jederzeit in die „Roda“ einzusteigen. „Kein Meister im Capoeira beherrscht alle Techniken perfekt“, weiß Mantz. Jeder könne sich individuell spezialisieren und seinen Schwerpunkt setzen.

Viel Wert wird beim Capoeira darauf gelegt, dass es sich um eine „Kunst“ handele. Wettkämpfe gibt es in Deutschland nicht. Die sei auch nicht das Ziel der anspruchsvollen Sportart. Vielmehr handele es sich bei den „Zweikämpfen“ um ein Spiel, dass vom Klang der Trommeln und anderen Musikinstrumenten sowie von den Gesängen der Umstehenden geleitet wird. „Wir singen auf Portugiesisch“, erklärt Mantz. Die einzelnen Strophen beinhalten Aufgaben für die beiden Kämpfer in der Mitte. „Bring ihn zu Fall“ beispielsweise fordert sie auf, den Gegenüber mit einer gekonnten Technik zu Boden zu bringen.

„Die Gesänge und den Umgang mit den Instrumenten lernen die Kämpfer von Anfang an“, erklärt Mantz. Schritt für Schritt würden Anfänger dabei angeleitet. Wer schon länger dabei ist, hat die Möglichkeit, sein Können bei einer Kordelprüfung unter Beweis zu stellen. „Begonnen wird mit der Farbe Grün, weiter geht es mit Gelb und Blau“, erklärt Mantz. Weiter steigern lässt sich die Graduierung dann bis hin zum Meister.

Einfach ausprobieren

Wer sich einmal selbst im Capoeira probieren will, hat am kommenden Samstag, 5. November, in der Zeit von 13 bis 16 Uhr sowie am 10. und 17. November von 19.30 bis 21.30 Uhr die Möglichkeit. Bei einem Schnupperworkshop in den Brüder-Grimm-Sporthallen, Brüder-Grimm-Straße 14 in Vellmar, stehen die Sportler der „Capoeira Grupo Conquista“ für Fragen und ein Probetraining bereit. Die Teilnahme ist kostenlos. Um eine Anmeldung unter info@capoeira-conquista.de wird gebeten.

• Weitere Informationen rund um den Sport und die Trainingszeiten gibt es unter www.capoeira-conquista.de


Von Stefanie Lemke


Stichwort: 

Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst ohne feste Regeln, die auf die Kolonialzeit zurückzuführen ist. Afrikanische Sklaven entwickelten diese Art des Kampfes, um sich gegen Kolonialherren zur Wehr zu setzen. Getarnt als Tanz entwickelten sie so eine Kampftechnik, die ihnen helfen sollte, sich im Angriffsfall zu verteidigen. Eine wichtige Rolle spielen die Berimbau (Musikbogen), die Atabaque (Trommel) und das Pandero (Schellentrommel) zu deren Klängen die Kämpfer singen und klatschen, um ihre Mitstreiter anzufeuern. Akrobatische Einlagen gehören genauso zu dieser Kampfkunst wie Tritte und Kicks, die je nach Intensität der Gesänge gesteigert werden. (pls)

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