Auf dem Trockenen

Mit Solarkatamaran: Wasserfahrt von Kassel nach Paris verschoben

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Fast fertig, aber für den Rest fehlt noch das Geld: So wird der Vellmarer Bootsbauer Bozidar Medved (links) seinen ersten Solar-Katamaran erst einmal verkaufen müssen, um mit dem Verdienst dann seinen zweiten Katamaran bauen zu können.

Vellmar. Irgendwie ist Bozidar Medved schon traurig. Eigentlich hatte er vor, diesen Sommer mit seinem selbst gebauten Katamaran mit Solar-Antrieb über Flüsse und Kanäle von Kassel bis nach Paris zu fahren.

Er wollte angesichts von Klimawandel und Energiewende ein Zeichen setzen, dass Mobilität auch allein mit der Kraft der Sonne möglich ist und PS-starke Beweglichkeit – egal ob auf dem Wasser oder auf dem Land – der falsche Weg ist.

Doch muss er das Projekt jetzt um ein Jahr nach hinten verschieben – ihm ist einfach das Geld ausgegangen.

Medved, der 72-jährige Tüftler mit kroatischen Wurzeln, der seit 1982 in Vellmar lebt, ist deshalb aber keineswegs untätig geworden. In seiner Boots-Werkstatt herrscht immer noch reges Treiben. Seine Strategie lautet jetzt: „Das Boot, mit dem ich eigentlich von Kassel nach Paris fahren wollte, wird jetzt zu Ende gebaut und dann verkauft.“ Einen Kunden hat er schon, einen Arzt aus Kassel. „Mit dem Verkaufserlös kann ich dann mein Projekt wieder aufnehmen und ein zweites Boot bauen“, sagt Medved.

Für ihn war von Anfang an klar, dass es nicht leicht sein würde, solch ein Projekt alleine zu stemmen. Immerhin geht es um über 16.000 Euro, die investiert werden müssen. Deshalb hatte er sich schon die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) ins Boot geholt, die Medveds Projekt bislang aber nur zögerlich protegierte: Zwar hat die DGS bereits die benötigten Solarpanels bereitgestellt. Doch eine zusätzlich von DGS-Mitglied Heino Kirchhof aus Lohfelden angestoßene Schwarmfinanzierung verebbte – „obwohl das Projekt gerade für die DGS absoluten Vorzeige-Charakter hätte, weil es zeigt, dass Mobilität auch nachhaltig im Sinne des Klimaschutzes funktionieren kann“, sagt Kirchhof.

Deutlich freigiebiger waren da bislang die zwei Kasseler Unternehmen Brunel und Kaprotec. Beide haben bereits vierstellige Beträge springen lassen. „Doch reicht das Geld noch nicht“, sagt Medved. Dabei ist er von seinem Projekt mehr als überzeugt, sogar einen Teil seiner Rente will er dort hineinstecken.

Mit 6 kW den Rhein hinauf

Ausrüsten will er sein Boot mit einem 6000 Watt-Elektromotor (etwas über 8 PS). Angetrieben wird der Motor von Akkus im Bootsrumpf, die wiederum unablässig von Solar-Panels auf dem Dach aufgeladen werden. Bei idealem Sonnenwetter werden die Akkus gar nicht gebraucht, der Strom vom Dach geht direkt in den Motor. Wenn der Motor nur ein Sechstel seiner Leistung abgibt, ist das Boot 4 bis 6 Kilometer pro Stunde schnell. „Mehr braucht es auch nicht. Die Übermotorisierung ist nur für Fahren gegen die Flussströmung gedacht“.

Denn dazu wird es auf Medveds 1000-Kilometer-Fahrt von Kassel nach Paris im nächsten Jahr mit Sicherheit kommen. Tatsächlich muss er ein gutes Stück den Rhein und die Mosel hinauffahren. „Aber auch das wird alles mit meinem Boot funktionieren.“ Die gesamte Strecke will er etwa in sechs Wochen schaffen.

Früher habe er für solche Touren auch Benzinmotoren benutzt. „Krach und Gestank haben mich aber genervt. Mit Naturerlebnis auf dem Wasser hat das nichts mehr zu tun.“ So baut Medved nur noch Boote für den „tiefenentspannten Urlauber“. Klappstühle und ein Grill sollten mindestens auf seinem Katamaranen Platz finden. „Ich finde, mein Katamaran ist ein wirklich gutes Boot“, sagt Medved.

Weitere Infos gibt Heino Kirchhof (DGS-Sektion Kassel), Tel.: 05605 / 4366, E-Mail: heino.kirchhof@web.de. „Spenden sind jederzeit willkommen“, sagt Kirchhof.

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