Hamed Abdel-Samad las im Bürgerhaus

Korankritiker in Vellmar: Mit Personenschützern im Publikum

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Ausverkauft: Der ägyptisch-deutsche Bestseller-Autor Hamed Abdel-Samad (rechts) kommentierte vor 270 Zuhören im Bürgerhaus Vellmar-West Textstellen aus dem Koran. 

Vellmar. Nein, Buchvorstellungen sind normalerweise keine Hochsicherheits-Veranstaltungen. Als der Korankritiker Hamed Abdel-Samad (44) am Donnerstagabend im Bürgerhaus Vellmar-West sein neues Buch „Der Koran – Botschaft der Liebe und des Hasses“ vorstellte, war das anders.

Seitdem Islamisten 2013 zum Mord an dem ägyptisch-deutschen Politikwissenschaftler aufgerufen haben, lebt er unter Polizeischutz. Deshalb lauschten ihm im ausverkauften Saal des Bürgerhauses nicht nur 270 Gäste, sondern auch fünf zivil gekleidete Personenschützer des Landeskriminalamtes und zwei Beamte der Vellmarer Polizei.

Abdel-Samad zitierte in seinem rund einstündigen Vortrag Suren aus dem Koran, setzte sie in den historischen Kontext ihrer Entstehung und kommentierte sie. „Wenn man den Koran absolutistisch liest, und ihn nicht im geschichtlichen Zusammenhang sieht, dann kann der Koran sehr gefährlich sein“, sagte Abdel-Samad, der hierzulande als einer der profiliertesten Islamkritiker gilt und regelmäßig in TV-Talkshows auftritt. Er erklärte dem Publikum in Vellmar, warum sich friedliebende Muslime genauso auf die heilige Schrift stützen wie gewalttätige Islamisten – und welche Konflikte dadurch entstehen. Er betonte, dass der Koran aber auch positive Passagen habe, zum Beispiel solche, in denen es um das soziale Miteinander und um die spirituelle Wirkung gehe.

Hamed Abdel-Samad

Auch auf ein halbes Dutzend Fragen aus dem Publikum ging er ein. Eine junge Frau, die beruflich mit „jungen orientierungslosen Muslimen“ in einem Jugendzentrum zu tun hat, fragte, wie sie mit ihnen am besten umgehen solle. „Wichtig ist, dass sie respektvoll und verständnisvoll mit ihnen ins Gespräch kommen, auf keinen Fall auf Konfrontation gehen“, empfahl Abdel-Samad.

Katharina Engelhardt vom Büchereck, die den Vortrag für den Vellmarer Literaturverein Ecke und Kreis organisiert hatte, lobte den Politikwissenschaftler für dessen klare Sprache: „Ihm zuzuhören, war unglaublich erhellend“.

Auch beim anschließenden Bücher-Signieren wichen die Sicherheitskräfte keinen Meter von Abdel-Samad. Eingreifen mussten sie an diesem Donnerstagabend in Vellmar jedoch nicht.


Zitate des Abends:
Korankritiker Hamed Abdel-Samad nahm in Vellmar kein Blatt vor den Mund. Ein Überblick: 

-„Den Koran zu lesen, ist wie der Gang durch einen Supermarkt. Man findet dort fast alles: Mitgefühl und Hass, Toleranz und Intoleranz, Vergebung und Rache.“

- „Von aufgeklärten Muslimen erwarte ich, dass sie nicht auf die Straße gehen, wenn jemand eine Mohammed-Karikatur veröffentlicht, sondern wenn echte Bomben im Namen des Islams fallen.“

- „Wenn Islamverbände wie Ditib junge Menschen dazu aufrufen, für den türkischen Präsidenten Erdogan und die Einführung der Todesstrafe zu protestieren , dann sollte das der Bundesregierung zu denken geben, ob diese Verbände wirklich als Partner angesehen werden sollten.“

- „Die Islamkritik muss in die Mitte der Gesellschaft getragen werden. Man darf keine Angst davor haben, als intolerant oder als Populist bezeichnet zu werden, sonst vereinnahmen irgendwann die Rechten die Debatte für sich.“

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