Geldgeschenke und Konfirmandenzahlen

Kritik an Interview mit Dekanin Jelinek: „Neues Handy statt dem Segen"

Hat das HNA-Interview mit der Dekanin des Kirchenkreises Kaufungen, Carmen Jelinek, gelesen und übt Kritik an den Aussagen des lokalen Kirchenoberhauptes: Edda Winterberg (75) aus Vellmar. Foto: Moritz Gorny

Vellmar. Die Kirche liegt Edda Winterberg aus Vellmar am Herzen: Mit Interesse las sie deshalb das HNA-Interview mit Dekanin Carmen Jelinek darüber, wie Jugendliche nach der Konfirmation in der Kirche gehalten werden können – und übt Kritik.

Kreis Kassel/Vellmar. Streitbar sind aus Sicht der 75-jährigen Edda Winterberg – die zwölf Jahre lang Mitglied im Kirchenvorstand in der evangelischen Johanneskirche Vellmar war und jetzt dort Ehrenmitglied ist – Jelineks Aussagen zu zwei Punkten: Zum einen, welchen Stellenwert Geldgeschenke haben und zum anderen, warum die Zahl der Konfirmanden zwischen 2014 und 2018 um ein Drittel gesunken ist.

Geldgeschenke

Auf die Frage, wie wichtig die Konfirmation heute noch ist, machte Jelinek klar, dass den Jugendlichen drei Jahre nach ihrer kirchlichen Einsegnung drei Dinge wichtig sind: Erst komme das Familienfest, dann folge der Wunsch, den Segen zu empfangen und an letzter Stelle stünden die Geldgeschenke. Winterberg widerspricht vehement: „Das erlebe ich ganz anders“, sagt die 75-Jährige. „Alle Jugendlichen in meinem Bekanntenkreis stellen die Geldgeschenke eindeutig an die erste Stelle – auch drei Jahre nach der Konfirmation.“ 

Bis auf wenige Ausnahmen seien der Segen und das Familienfest weniger wichtig. Vorwürfe könne man den Jugendlichen nicht machen: „Wir leben in einer Konsumgesellschaft, die den Menschen den hohen Wert von materiellen Dingen extrem vorlebt.“ Es sei kein Wunder, dass sie selbst auch danach streben, sagt Winterberg. „Da geht’s eben darum, ob man sich von den Geldgeschenken das neue iPhone leisten kann.“

Konfirmandenzahlen

Erst recht aufgeschreckt sei Winterberg bei der Zahl der Konfirmationen im Kirchenkreis Kaufungen: Die lag laut Jelinek im Jahr 2014 noch bei 751 und ist bis zu diesem Jahr auf 497 gesunken – um ein Drittel. Die Dekanin begründete das mit geburtenschwachen Jahrgängen und Wegzügen aus dem Kirchenkreis Kaufungen.

„Es kann doch nicht an ein paar Wegzügen liegen, dass die Zahlen so einbrechen“, sagt Winterberg. Und: „Es gab geburtenschwache Jahrgänge, aber jetzt geht’s da doch wieder steil bergauf.“ Das sei in diesem Jahr ein großes Thema in den Medien gewesen.

Trotzdem sinken die Konfirmationszahlen: „Das passt doch nicht zusammen und wirkt auf mich unglaubhaft“, kritisiert Winterberg. Trotz der sinkenden Zahlen spare die Kirche immer mehr Pfarrstellen ein, sodass die verbleibenden Geistlichen schwerer Bindungen zu den Menschen aufbauen könnten. 

„Diese Kürzungen halte ich für eine der schlechtesten Maßnahmen der evangelischen Kirche“, sagt Winterberg, die auch sechs Jahre lang (2001 bis 2007) in der Landessynode des damals bestehenden Kirchenkreises Kassel-Land tätig war. „Natürlich muss man die Erwachsenen und gerade die Jugendlichen begeistern“, stimmt Winterberg der Dekanin zu. „Doch wie soll das gehen, wenn es immer weniger Pfarrer gibt, die sich kümmern können?“

Ändern könne man diesen anhaltenden Prozess nur, wenn die Kirche mehr in den Vordergrund rücke und zeige, was für eine segensreiche Arbeit sie leistet. Da werde so viel im sozialen Bereich geleistet – das könne andere Menschen begeistern.

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