Kunst hält ihn lebendig

Vinzenz Hahn aus Vellmar verarbeitet altes Werkzeug zu Objekten

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Ein ehemaliger Treckersitz aus San Francisco in neuer Funktion: Künstler Vinzenz Hahn mit dem Auerhahn. Das kleine Bild zeigt Schaf Rhön-Hilde.

Vellmar. Seit Mister Nullbock weg ist, fühlt sich Rhön-Hilde manchmal etwas einsam. Trotz des Schäfers, der ein Auge auf sie hat, wäre ein Partner schön. Das weiß auch Vinzenz Hahn. Der Künstler aus Vellmar nämlich hat das Schaf Röhn-Hilde erschaffen, aus einem alten Heizkörper und einer Kuhglocke.

Und ist jetzt auf der Suche nach einem neuen Röhrenheizkörper, um seiner Rhön-Hilde einen neuen Freund bauen zu können.

Rhön-Hilde ist nicht Hahns einziges Kunstwerk. Seit mehr als zehn Jahren fertigt er aus altem Werkzeug und aus Alltagsgegenständen aus Eisen neue skurrile Objekte an. So waren kürzlich seine Figuren aus den Märchen der Brüder Grimm im Vellmarer Rathaus zu sehen – aus Esslöffeln, Fahrradketten und Zangen. Auf den ersten Blick hat man die gar nicht wahrgenommen, erst bei genauerem Hinsehen fielen einem die unterschiedlichen Werkzeuge auf.

Die Inspiration für diese Art von Kunst hat sich Hahn in der Schweizgeholt – ohne Absicht. „Ich war früher viel unterwegs, habe geholfen, Regalsysteme aufzubauen“, erzählt der Wahl-Vellmarer mit bedächtiger Stimme. Die Wege haben ihn da nicht nur an die verschiedensten Orte innerhalb Deutschlands, sondern ebenso nach Dänemark, Frankreich und eben auch in die Schweiz geführt. „Da habe ich zum ersten Mal diese Art der Kunst gesehen, nur in viel größerem Maßstab“, erinnert sich der gebürtige Süddeutsche, der seit 1968 in Vellmar lebt. Und dachte sich, dass er das als gelernter Kunstschlosser und mit seiner kreativen Ader auch kann.

Vinzenz Hahn, Künstler

Angefangen hat Hahn damit dann aber erst während seines Ruhestandes. Auf Flohmärkten stöbert er nach Dingen, die er für eine neue Figur gebrauchen kann, fährt sogar bis nach Budapest. Den besten Flohmarkt gebe es aber in Leipzig – „da sind die wirklich guten Sachen in Kisten unter den Tischen, man muss schon genau hinsehen“. Auch auf Schrottplätzen wird er das ein oder andere Mal fündig, ist aber wählerisch, denn: „Die Fundstücke müssen harmonisieren.“

Material hat der Vater einer erwachsenen Tochter trotz der ständigen Suche nach weiteren Fundstücken dennoch schon genug. In einer kleinen Werkstatt an dem kleinen Bach Elsche türmen sich Zangen, Löffel der unterschiedlichsten Größe und Waffeleisen, „die man als Flügel gebrauchen kann“, erklärt Hahn. Trotz der Fülle an Materialien weiß der grauhaarige Mann mit dem dichten Bart und den buschigen Augenbrauen genau, wo er was findet.

In seiner heimeligen Werkstatt fühlt sich Hahn wohl. Denn hier entstehen seine neuen Kunstwerke, die ihm bei der Fertigstellung immer „eine positive Energie“ geben. Das treibe ihn an, jeden Tag aufs Neue in die Werkstatt zu kommen. „Natürlich fließt dann aber auch Herzblut, wenn ich die Objekte verkaufe.“

Von Constanze Wüstefeld

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