Reaktion auf HNA-Serie

Leser warnt: Hochwasser in Ahnatal und Vellmar nicht unterschätzen

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Hochwasser in Ahnatal-Heckershausen: Am 16. Juli 1965 wurden Teile der Schuhkaufstraße überflutet. Das Haus auf der linken Seite trägt die Hausnummer 7. Seither wurden zwei weitere Häuser mit den Nummern 3 und 5 davor gebaut. Das alte Foto oben zeigt, dass diese hinzugekommenen Häuser heute im Wasser stehen würden, käme es zu einer vergleichbaren Hochwassersituation. Heute steht in diesem Bereich auch – unmittelbar an der Brücke über die Ahne – ein Trafohäuschen.

Ahnatal/Vellmar. In einer Serie berichtete die HNA über Hochwasserschutz im Kreis Kassel. Thema war auch die Ahne, die durch Ahnatal und Vellmar fließt. Hochwasserschutz zählt dort nicht zu den wichtigsten Themen. Jetzt regt sich Kritik an dieser Haltung.

Schon lange haben die Ahne-Kommunen Ahnatal und Vellmar kein bedrohliches Hochwasser mehr erlebt. Weder Uwe Niede von der Vellmarer Bauverwaltung noch Ahnatals Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU) sprachen vor gut drei Wochen gegenüber der HNA von einer akut bestehenden Hochwassergefahr für ihre Kommunen. Die Bemühungen um aktiven Hochwasserschutz sind denn auch in beiden Orten nicht besonders ausgeprägt.

„Die Ahnataler und Vellmarer wiegen sich in falscher Sicherheit“, sagt Robert Schnegelsberg aus Ahnatal-Heckershausen. Das nächste Jahrhunderthochwasser komme garantiert, und es sei fraglich, ob Ahnatal, vor allem der Ortsteil Heckershausen, durch den die Ahne fließt, sowie Vellmar ausreichend geschützt seien.

„Es ist richtig, dass beide Orte auf der wetterabgewandten Seite des Habichtswaldes liegen, und daher oft von Starkregen verschont bleiben. Aber es gibt auch die berühmten Gewitter, die über die Söhre und das Kasseler Becken das Tal der Ahne hinaufziehen, dann am Dörnberg hängen bleiben und dort über Stunden abregnen“, erklärt Schnegelsberg. Derartige Wetterkonstellationen hätten in der Vergangenheit durchaus schon zu starken Überflutungen in Ahnatal und Vellmar geführt. „So etwas kann sich jederzeit wiederholen“.

Schnegelsberg, Mitglied beim Geschichts-Arbeitskreis in Heckershausen und aktiver SPD-Politiker in der Ahnataler Gemeindevertretung, beruft sich auf Berichte älterer Einwohner aus Heckershausen. „Vor allem in den 1950er-Jahren hat es mehrfach starke Hochwasser gegeben.“ Ein Foto aus dem Jahr 1965 zeige die in Teilen überschwemmte Schuhkaufstraße direkt an der Ahne in Heckershausen. „Inzwischen wurden dort längst Häuser gebaut, deren Keller zwangsläufig volllaufen werden, wenn es zu einem Jahrhunderthochwasser kommt.“ Eins dieser Wohnhäuser sei erst 2015 errichtet worden – mitten in der vom Land Hessen kartierten Überschwemmungszone (einsehbar unter www.geoportal.hessen.de). „Sogar ein Trafohäuschen zur Stromversorgung Heckershausens steht direkt neben der Brücke, die die Schuhkaufstraße über die Ahne führt“.

Schnegelsberg hält die Genehmigung derartiger Bauten für nachlässig. Auch in Vellmar stünden noch immer Gebäude inmitten dieser Überschwemmungszonen – wie das Bürgerhaus, einige Wohnhäuser sowie ein Gewerbebetrieb (Opel-Haus).

Er weiß, dass Gebäude, die gebaut wurden noch bevor es Hochwasserschutzkarten gab, nun Bestandsschutz genießen. Sie dürfen also innerhalb dieser Überschwemmungszonen stehen bleiben. „Dennoch wird ein Hochwasser damit nicht weniger gefährlich“, sagt Schnegelsberg. Aus Erlebnisberichten weiß er, dass zumindest in Heckershausen früher deutlich größere Flächen überflutet waren, als derzeit die Hochwasserkarten des Regierungspräsidiums Kassel und der hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation angeben.

„Deshalb appelliere ich, das Thema Hochwasserschutz in Ahnatal und Vellmar nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“, sagt Schnegelsberg.

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