Exponate sind in Burghasungen zu sehen

Vinzenz Hahn aus Vellmar stellt Skulpturen aus Metallschrott aus

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Haucht ausgedienten Alltagsgegenständen neues Leben ein: Vinzenz Hahn.

Vellmar/Zierenberg. Vinzenz Hahn aus Vellmar sieht sich nicht so gern als Künstler, die Bezeichnung Kunsthandwerker gefällt ihm schon besser. Warum, hat er der HNA verraten.

Der Ideengeber seiner Kunst kommt meist in der Nacht. Im Schlaf oder auch während endlos langer Stunden, wenn die Gedanken einfach nicht verstummen wollen. Vinzenz Hahns kreative Stimme versorgt den Künstler aus Vellmar mit Illusionen, die ihm ein Bild seiner nächsten Figuren geben. Dann greift er zu Block und Bleistift, notiert sich die Ideen für den kommenden Tag in seinem Atelier – oder der Werkstatt, wie er seinen Kreativraum lieber bezeichnet. Hahn selbst nämlich nennt sich lieber Kunsthandwerker als Künstler.

„Es geht schließlich mehr um das Handwerkliche“, sagt der 75-Jährige bescheiden, während er seine Exponate im Burghasunger Museum auspackt und liebevoll in Vitrinen platziert. Auch wenn der rüstige Rentner ausschließlich bereits existierende Gegenstände verarbeitet, ist der künstlerische Anteil nicht zu leugnen, ist doch allein seine Idee mehr Kunst denn Handwerk: Vinzenz Hahn schafft skurrile Figuren aus alten Zangen, ausrangierten Teeeiern oder verrosteten Fahrradklingeln.

Wie auch immer man das nennen mag, letztlich geht es ums Schweißen, und deshalb müssen alle Bestandteile seiner Figuren aus Metall sein. Wenn die Funken sprühen, schaltet Hahn den Alltag aus und verliert sich oftmals zehn Stunden und mehr in seiner Arbeit. „Das gibt mir eine unglaublich positive Energie“, sagt der einstige Mitarbeiter eines Regalsystem-Herstellers, der über den befreundeten Künstler Helmut Mander an die Ausstellung in Burghasungen gekommen ist. Gemeinsam seien sie oft auf Märkten unterwegs, um ihre Kunst zu verkaufen. „Das muss sein, schließlich will das Arbeitsmaterial für neue Werke finanziert werden, und das ist mittlerweile nicht mehr günstig.“

In Märchen eintauchen

Günstig sind auch einige von Hahns Figuren nicht. Bis zu 600 Euro muss man auf den Tisch blättern, kleinere Exemplare sind schon für 20 Euro zu haben. Dafür hat man dann einen original Hahn, einst gewöhnliche und heute manchmal skurril anmutende Alltagsgegenstände inklusive. Diese auch nach ihrer Verarbeitung noch erkennen zu können, das liegt dem gelernten Kunstschmied besonders am Herzen. So beispielsweise auch, wenn Besucher seiner Ausstellung im Zierenberger Stadtteil eintauchen in die Welt der Grimmschen Märchen.

Da werden aus Kelchzangen die sieben Schwaben, ein altes Miniwaffeleisen zum Froschkönig, die dazugehörige Prinzessin erhält ihren zarten Körper aus alten Rohlingen einer Schafschere. „Als ich die gefunden habe, war für mich klar, dass sie unbedingt in ihrer Urform erhalten werden musste“, so der Vater einer erwachsenen Tochter. Beine, Arme, Körper, Füße – sofort habe sich die Figur vor seinen Augen geformt. Derartiges passiere häufig, etwa wenn er auf Flohmärkten oder auch im Internet auf interessantes Arbeitsmaterial stößt und es umgehend in seiner Werkstatt in den Verwandlungsprozess schickt. „Dann ist mir auch egal, was mein Notizblock eigentlich für den Tag vorgesehen hat“, sagt Hahn. Und der Ideengeber? „Der muss dann einfach mal still sein.“

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