Vellmarer sucht Nachfolger

Nach 25 Jahren ist Schluss: Salvatore Di. Piazza organisierte Feste für Obdachlose in Vellmar

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Schöne Erinnerungen: Salvatore Di. Piazza und seine Frau Maria Di. Piazza haben 25 Jahre lang ehrenamtlich ein Fest für Obdachlose organisiert. In Büchern haben sie Fotos der vielen Veranstaltungen festgehalten.

Vellmar. Salvatore Di. Piazza erinnert sich noch ganz genau an den Tag, als seiner Frau die Idee kam, ein Fest für Obdachlose zu veranstalten. Es war der 15. November 1993.

Seine Frau Maria und er machten gerade Pause und saßen auf der Terrasse ihrer Pizzeria an der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel, als ihnen ein Mann auffiel, der offensichtlich Hilfe benötigte. Sie verständigten die Polizei und einen Krankenwagen. Erst später wurde ihnen klar, dass der Mann auf der Straße lebte. „Lass uns ein Fest veranstalten für diese Menschen“, sagte Maria Di. Piazza, und damit war nicht nur eine Idee geboren, sondern es war auch der Beginn einer 25 Jahre dauernden Tradition.

Wenn Salvatore Di. Piazza etwas tut, dann richtig, mit ganzem Herzen und vollem Einsatz. Im November 1993 trommelte er ein paar Freunde zusammen, gewann den Pfarrer der katholischen Kirche Sankt Familia für seine Idee, der den Saal zur Verfügung stellte, druckte Flyer und organisierte Essen und Getränke. „Alkoholfrei, versteht sich“, sagt Di. Piazza. Sogar für Musik sorgte er. Mit der Hilfe von Sponsoren und einem treuen Kreis an deutschen und italienischen Freunden, die ihm zur Seite stehen, hat er seither jedes Jahr zur Weihnachtszeit ein Fest für Obdachlose in der Sankt Familia Kirche organisiert. „Ohne die Hilfe meiner deutschen Freunde könnten wir das nicht machen“, sagt der 78-Jährige.

Zum letzten Fest kamen 130 Wohnungslose, dabei gab es nur 117 Plätze im Saal. Denn es gibt an diesem Tag nicht nur Livemusik, Kaffee und Kuchen sowie frische Pizza, sondern auch Garderobe für die Obdachlosen, die Salvatore Di. Piazza ab September beginnt zu sammeln. Auch der Ausländerbeirat der Stadt Kassel kam immer zu den Festen und sponserte diese.

Doch nun soll Schluss sein. Nach 25 Jahren werden Salvatore Di. Piazza und seine Frau Maria die Feier nicht mehr organisieren. „Es war eine schöne Zeit“, sagt der 78-Jährige, „aber ich glaube, dass ich meine Pflicht als Bürger getan habe.“ Sein großer Wunsch ist nun, einen Nachfolger zu finden. „Ich möchte nicht mehr in der ersten Reihe sitzen.“ Aber natürlich hofft er, dass sein Herzensprojekt weitergeführt wird.

Ganz zur Ruhe setzen wird sich der 78-Jährige vermutlich nicht. Aber er will nun mehr Zeit für seine Familie haben, für seine Frau, die drei Kinder und fünf Enkelkinder. Trotzdem liegt ihm seine ehrenamtliche Arbeit weiter am Herzen, und er möchte einem potenziellen Nachfolger mit Rat zur Seite stehen. Seine deutschen Freunde haben zwar immer wieder versucht, Di. Piazza zum Weitermachen zu überreden, „aber einmal muss Schluss sein“.

Wer sich ehrenamtlich für Obdachlose engagieren und das Weihnachtsfest in der Zukunft organisieren möchte, kann sich an Salvatore Di. Piazza wenden. Tel.: 0561/82 83 52 oder 01 52/01 00 58 68.

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