Nur Material, das schon im Lager ist

Nach Insolvenz: Max Bahr händigt Ware doch aus

Vellmar/Kassel. Wegen des Insolvenzverfahrens händigten die Max Bahr-Baumärkte ihren Kunden bereits bezahlte und eingelagerte Ware nicht mehr aus (HNA berichtete). Seit Mittwoch erhalten nun einige der betroffenen Gläubiger ihr Material. Einer der Glück hatte, ist Remzo Mulic aus Vellmar.

Der in Serbien geborene Vellmarer Remzo Mulic (49) fühlte sich schon an die bisweilen unseriösen Geschäftspraktiken in seinem Heimatland erinnert. Wegen des Insolvenzrechts verweigerte Max Bahr ihm eine Woche lang die Herausgabe von bereits bezahltem Baumaterial im Wert von fast 9000 Euro.

Am Mittwochnachmittag kam der erlösende Anruf. In seinem Fall fiel das Votum des Baumarktleiters positiv aus. Das Leitungspersonal entscheide ab sofort für jeden Einzelfall, heißt es aus der Max Bahr-Zentrale.

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Der Familienvater, der derzeit sein Haus umbaut, hatte im Frühjahr bei Max Bahr in Vellmar das Baumaterial gekauft und einlagern lassen, damit er es – je nach Baufortschritt – abholen kann. Mit der Insolvenz kam Mulic nicht mehr an seine Ware heran, der Umbau seines Hauses kam ins Stocken. Entsprechend groß war der Ärger – das Leben auf der Baustelle ist für die Familie nicht angenehm.

Am Mittwoch wendete sich dann das Blatt: Noch am Vormittag, als ein HNA-Mitarbeiter Mulic verdeckt in den Baumarkt begleitete, wurde diesem die Abholung verweigert. Am Infotresen erteilte ihm eine Verkäuferin freundlich, aber bestimmt, die Auskunft, dass sie seinen Ärger zwar verstehen könne, aber Ware dürfe sie wegen des Insolvenzrechts nicht herausgeben. Mulic sollte sich in eine Gläubigerliste eintragen, auf der bereits 40 bis 50 Namen standen.

Unseriöses Angebot abgelehnt

Ohne die von ihm dringend benötigten Steine, Fliesen, Bodenbeläge und Sanitäreinrichtung musste er wieder nach Hause fahren. Das Angebot des Schichtleiters, er könne die Ware ja noch einmal kaufen, dann bekomme er sie sofort ausgehändigt, hatte er verärgert abgelehnt.

Am frühen Abend klingelte dann das Telefon bei den Mulics. Er könne jetzt in den Baumarkt kommen und sein Baumaterial abholen. Sofort fuhr er los. „Im Baumarkt hat man mir erzählt, dass nun eine Anweisung der Insolvenzverwalter gekommen sei, dass das eingelagerte Material herausgegeben werden dürfe“, sagt Mulic. Mit einem Dutzend weiterer Kunden, die offenbar ebenfalls informiert wurden, machte er sich daran, seine Waren nach Hause zu schaffen. „Ich bin so froh. Meine Frau und ich gehen von morgens bis abends arbeiten, damit wir uns hier etwas aufbauen können. Ich hätte nicht das Geld gehabt, um alles neu zu kaufen.“

Nicht alle haben Glück

Nach Auskunft eines Unternehmenssprechers haben nicht alle Kunden soviel Glück wie der Vellmarer: „Wir haben den Marktleitern Informationen geschickt, auf deren Grundlage sie im Einzelfall entscheiden können, ob ein Kaufvertrag erfüllt wird. Allerdings dürfen dabei die anderen Gläubiger nicht weiter geschädigt werden.“ Deshalb werde alles, was bereits im Lager stehe, ausgehändigt. Anders sei es mit bezahlter Ware, die noch nicht geliefert worden sei. Diese Kunden würden nicht ausgezahlt. Sie seien Gläubiger.

Hintergrund: Was nicht geht

• Max Bahr tauscht Ware derzeit nicht gegen Geld zurück, sondern nur gegen andere Ware.

• Auftragsstornos sind möglich.

• Defekte Ware wird nicht zurückgenommen.

• Gutscheine sind ungültig.

• Angezahlte oder voll bezahlte Ware, die noch nicht im Lager steht, erhalten Kunden nicht.

Was der Verbraucherschutz zu den Waren, die bezahlt, aber nicht ausgehändigt wurden, sagt, lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der HNA Kassel.

Von Bastian Ludwig

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