„Arbeitete immer mit vollem Einsatz“

Vellmar: Stochla (SPD) ab Donnerstag kein Bürgermeister mehr

Nach zwölf Jahren ist Schluss: Vellmars bisheriger Bürgermeister Dirk Stochla wird am Mittwoch, 26. November, von seinem Nachfolger Manfred Ludewig (beide SPD) abgelöst.   Foto: Malmus

Vellmar. Für Dirk Stochla (SPD) ist der Abschied am Mittwoch, 26. November, nicht nur einer aus dem Bürgermeisteramt. Zwölf Jahre hat der 42-Jährige es bekleidet.

Zuvor war er aber auch schon elf Jahre für die Stadt Vellmar tätig. „Ich verabschiede mich also auch von der Aufgabe, den Bürgern zu helfen.“

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Das war immer das Ziel des Familienvaters. Schon nach dem Fachabitur stand für ihn fest, dass er die Lebensqualität „seiner“ Stadt verbessern, für sie arbeiten will. „Deshalb habe ich mich auch gegen eine Ausbildung zum Bankkaufmann und für die zum Verwaltungsfachangestellten im Vellmarer Rathaus entschieden.“ Die Laufbahn schien dann schnell vorgezeichnet: Früh wurde er stellvertretender Hauptamtsleiter, wurde bereits mit 23 als künftiger Leiter gehandelt.

Es ergab sich jedoch eine andere Chance, über die Stochla sehr lange nachgedacht hat, die er dann aber nicht ausschlagen konnte: sich zur Wahl des Bürgermeisters aufstellen zu lassen, um 2002 das Amt zu übernehmen. „Es war immer meine Triebfeder, was für die Menschen zu tun. Als Bürgermeister hat man da natürlich viel mehr Möglichkeiten“, erklärt Stochla seine damalige Bewerbung. Dass er damit seine gesicherte Zukunft durch eine unbefristete Beamtenstelle wegwarf, war ihm durchaus bewusst: „Ich beleuchte die verschiedenen Optionen immer kritisch“, beschreibt Stochla sich selbst, „fällt eine Entscheidung, ist die dann aber auch hieb- und stichfest.“

Ohne das Bürgermeisteramt wird es schwieriger für den Vellmarer, sich für die Menschen einzusetzen. „Der Abschied wird deshalb ganz schwer“, sagt Stochla, der ruhig spricht, immer wieder Pausen macht, bevor er weiterredet. Eigentlich wollte Stochla drei Amtszeiten, also 18 Jahre, im Amt bleiben. Denn zum einen bräuchte eine Stadt dann jemand Neuen, der frischen Wind ins Rathaus bringt, zum anderen fordere der Job einen aber auch, räumt er ein.

Letzteres ist der Grund, warum nun schon nach zwölf Jahren Schluss ist: Im November vergangenen Jahres erlitt Stochla eine Herzattacke, sah das als Warnschuss. „Ich musste mich körperlich schonen“, sagt Stochla, was er seitdem auch getan habe: „Mir geht es gesundheitlich so gut wie seit Jahren nicht.“

Damit aus dem Warnschuss eines Tages aber nicht mehr wird, war sich Stochla klar, dass er sich im Job verändern muss - was nicht mehr mit seiner Auffassung, wie er als Bürgermeister agieren sollte, übereinstimmt. Die Folge: keine weitere Kandidatur.

Dabei war es nicht der Stress, der ihm viel Kraft abverlangte: „Ich liebe die Abende bei der Stadtverordnetenversammlung, wenn es kontroverse Diskussionen gibt“, sagt Stochla, seine Augen leuchten auf, er spricht energischer. Vielmehr sehe er es als Problem, dass er viel zu emotional in diesem Job war: „Ich habe das, was ich getan habe, immer mit vollem Einsatz getan.“

Von Constanze Wüstefeld 

Zukunft noch ungewiss

Was Dirk Stochla im Anschluss an seine Zeit als Bürgermeister macht, hat er nicht verraten: „Es gibt noch keine definitive Entscheidung. “ Der 42-Jährige hoffe, dass es im Frühjahr mehr Klarheit gebe. „Ich schaue jetzt, was ich machen möchte, was mir Spaß macht.“ Letzteres habe für ihn schon immer einen großen Stellenwert gehabt. Gehe es nach ihm, würde er in Vellmar bleiben.

Bürgermeister, die aus dem Amt ausscheiden, haben einen Pensionsanspruch. Scheidet ein Stadtoberhaupt nach einer Amtszeit aus (die dauert in Hessen sechs Jahre), bekommt er ein lebenslanges Ruhegehalt in Höhe von 35 Prozent seiner Amtsbezüge. Die Pension eines Bürgermeisters beträgt zwischen 1750 und 4200 Euro netto monatlich, abhängig von seiner Einstufung. Stochla liegt aufgrund der Einwohnerzahl Vellmars in der Besoldungsgruppe B3, dort liegt das Grundgehalt bei mehr als 7100 Euro (gültig ab 1. April 2014). (cow)

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