Katholischer Geistlicher Franz Langstein bleibt in Marburg

Pfarrer erteilt Heilig-Geist-Gemeinde in Vellmar Absage

Möchte lieber in Marburg bleiben: Franz Langstein, der zum 1. August neuer Pfarrer der katholischen Heilig-Geist-Gemeinde in Vellmar werden sollte, hat den Mitgliedern am Wochenende mitgeteilt, dass er seine Zusage zurückziehe. Foto: Rogge-Richter

Vellmar. Der Schock in der Heilig-Geist-Gemeinde ist groß: Franz Langstein, 56, der zum 1. August sein Amt als neuer Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde in Vellmar antreten wollte und sollte, hat den Mitgliedern kurzfristig mitgeteilt, dass er seine Zusage zurückgezogen habe.

Der derzeitige Pfarrer der Gemeinde Sankt Johannes Evangelist in Marburg stellte seine persönlichen Gründe für die Absage in einem Brief dar. Ursula Schneider, stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats, und Dr. Thomas Reidick, Sprecher des Pfarrgemeinderats, verlasen das Schreiben am Wochenende während der Gottesdienste in der katholischen Kirche, das auch auf der Internetseite der Heilig-Geist-Gemeinde veröffentlicht wurde.

Darin schreibt Langstein, dass er sich im Dezember 2014 auf die Pfarrstelle in der Heilig-Geist-Gemeinde beworben habe: „Mir schien, dass die Entscheidung gut durchdacht war“, so Langstein. „Ich musste allerdings wahrnehmen, dass sich langsam Unsicherheit darüber ausbreitete, wo künftig mein Platz als Priester sein würde.“ Inmitten der geistigen Auseinandersetzungen, die sich gerade in einer Universitätsstadt wie Marburg fokussierten, sei seine Stimme, die er als Pfarrer und Dechant eingebracht habe, oft als die katholische Stimme wahr- und ernst genommen worden. „Marburg, so wurde mir immer klarer, ist der Ort, wo ich hingehöre“, schreibt Langstein weiter.

Er habe daraufhin am vergangenen Mittwoch mit Bischof Heinz Josef Algermissen gesprochen, der zwar „große Schwierigkeiten darin sah, einmal gegebene Zusagen wieder zurückzuziehen“, schließlich jedoch die Entscheidung Langsteins akzeptiert habe. Abschließend bittet Langstein die Mitglieder der Gemeinde, nicht zu resignieren: „Sie haben schon eine lange Zeit ohne eigenen Pfarrer die Gemeinde lebendig gehalten. Bleiben Sie bitte weiter so engagiert.“ Die Pfarrei in Vellmar war laut Christof Ohnesorge, Pressesprecher des Bistums Fulda, seit 15. Mai 2014 vakant. Pfarrer Peter Göb hatte zuvor bekannt gegeben, nach 17 Jahren die Heilig-Geist-Gemeinde in Vellmar zu verlassen, um ab 1. August 2014 die Leitung des Seelsorgeamts im Generalvikariat des Bistums in Fulda zu übernehmen. Martin Gies, Pfarrer der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche in Fuldatal, hatte seitdem die rund 2700 Mitglieder starke Gemeinde kommissarisch geleitet, in der die Aktivitäten mithilfe von vielen engagierten Ehrenamtlichen aufrechterhalten werden konnten.

Ein neuer Priester ist bereits gefunden

Bei der nunmehr erneuten Suche nach einem Pfarrer hat sich bereits am Montag eine Perspektive abgezeichnet: „Die Chancen für einen neuen Pfarrer stehen bestens. Wir sind zuversichtlich, im Laufe dieser Woche schon einen neuen Seelsorger für Vellmar benennen zu können, der eine gute dauerhafte Lösung für die Pfarrei darstellt“, teilte Christof Ohnesorge, Pressesprecher des Bistums Fulda, am Vormittag mit.

Das bestätigte Dr. Thomas Reidick, Sprecher des Pfarrgemeinderats der Heilig-Geist-Gemeinde in Vellmar, am Montagabend. „Ich habe heute mit Prälat Christof Steinert, Personaldezernent des Bistums Fulda für Geistliche und Laien im Pastoralen Dienst, telefoniert. Er teilte mir mit, dass die Stelle zum 1. September mit Pfarrer Manuel Peters neu besetzt werden soll, der seit einem Jahr als Kaplan in Bad Hersfeld tätig ist“, sagte Reidick.

Manuel Peters hätte sich gern schon im Rahmen der Stellenausschreibung im vergangenen Jahr auf die Stelle beworben, doch habe er zu jenem Zeitpunkt noch nicht das benötigte Pfarrexamen besessen, so Reidick, der bereits mit Peters gesprochen habe.

„Wir freuen uns auf die gemeinsame Zukunft mit unserem neuen Pfarrer. Als ich unter anderem den Mitgliedern des Pfarrgemeinderats vorhin die Nachricht überbrachte, hörte ich, wie ihnen die Steine von den Herzen purzelten“, sagte Reidick. Er bedanke sich bei allen Mitgliedern, die sich seit mehr als einem Jahr mit ihren vielfältigen Talenten in das Gemeindeleben eingebracht hätten, um dieses weiter lebendig zu halten. „Ich denke, da dürfen wir auch durchaus ein bisschen stolz sein“, lobte Reidick die Ehrenamtlichen der Heilig-Geist-Gemeinde.

Den Brief von Franz Langstein lesen Sie hier in voller Länge.

Von Sarah Rogge-Richter

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