Gerichtstermin ist im September

Wegen Sanierungsarbeiten am Rathaus: Architekt verklagt Stadt Vellmar

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Fall fürs Landgericht: Konkret geht es bei dem Rechtsstreit zwischen Architekt und Stadt auch um die Frage, ob die roten Metallstreben, hier über dem Haupteingang, und die Außenbalkone im Zuge der aktuellen Sanierung verändert werden dürfen.

Vellmar. Der Architekt des Vellmarer Rathauses, Peter Säckl, hat die Stadt Vellmar verklagt. Der 77-Jährige will der Stadt verbieten, im Zuge der Sanierung die Fassade und Bereiche im Gebäudeinneren zu verändern.

Der Magistrat der Stadt sieht das anders. Deshalb treffen sich beide Parteien nun im September vor dem Landgericht Kassel.

Dort wird geklärt, ob das 41 Jahre alte Rathaus ein Werk der Baukunst darstellt und somit urheberrechtlich geschützt ist – oder ob es sich um einen herkömmlichen Zweckbau handelt, der diesem Schutz nicht unterliegt.

Die Auffassung der Stadt ist eindeutig: „Das Rathaus ist kein urheberrechtsschutzfähiges Gebäude“, sagt Rechtsanwalt Dr. Sven Schoeller (Kassel), der die Stadt in dem Fall vertritt.

Säckl hingegen beruft sich auf das Urheberrecht. Konkret geht es um fünf Bereiche: die roten Metallstreben an der Fassade, die Außenbalkone, die schwarzen Gussaluminium-Brüstungen sowie die Trennwand zwischen Sitzungssaal und Foyer und die Treppe zwischen Eingangshalle und erstem Obergeschoss.

Zeitplan einhalten

Sven Schoeller

Der Sanierungsplan sieht allerdings unter anderem vor, die Treppe aus Brandschutzgründen ersatzlos abzureißen. „Die Beschlusslage der Stadt ist klar: Sie lässt sich durch die Klage nicht in dem Vorhaben der Sanierung behindern“, sagt Schoeller. „Selbst wenn das Rathaus urheberrechtsschutzfähig wäre, hindert dies nach geltendem Urheberrecht den Eigentümer nicht daran, notwendige Veränderungen durchzuführen, wie die Verbesserung des Brandschutzes und die Wärmedämmung.“

Säckl, der das Rathaus mit seinem damaligen Partner Wolfgang Braun (Büro Braun & Säckl) geplant hatte, war nach Angaben von Schoeller bereits vor zwei Jahren an die Stadt herangetreten und hatte gefordert, an der Sanierungsplanung beteiligt zu werden.

Nachdem die Stadt das abgelehnt hatte, forderte der Anwalt des Architekten im März 2016 schriftlich entweder erneut eine Beteiligung oder einen finanziellen Ausgleich in ungenannter Höhe. Die Stadt beauftragte dann Schoeller, die Forderung abzuschmettern.

Stadt reicht Widerklage ein

Peter Säckl

Mehr noch: „Wir sind zum Gegenangriff übergegangen und haben Widerklage eingereicht, nicht nur gegen den Kläger, sondern auch gegen dessen ehemaligen Partner“, sagt Schoeller. „Wir wollen ein für alle Mal klären lassen, dass die Architekten keinen Anspruch haben“. Säckl, jahrelanger SPD-Chef in Vellmar, Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses im Kreistag und ehemaliger Bundestagsabgeordneter (1969-1972) bestätigte der HNA, dass er die Stadt verklagt hat: „Weiter möchte ich mich dazu derzeit aber nicht äußern.“

Der Termin für die öffentliche Verhandlung ist für Donnerstag, 7. September, ab 9 Uhr in Saal C 131 des Landgerichts Kassel angesetzt. 

Hintergrund: Aquapark, AVZ und Projekte in Ägypten

Das Architekturbüro Braun & Säckl wurde 1967 in Vellmar gegründet und prägt mit ihren Arbeiten noch heute das Stadtzentrum von Vellmar. Neben dem Rathaus stammen aus der Feder der Architekten das Hallenbad, die Sporthalle, die Ahnatalschule, das Einkaufszentrum, der Rathausmarkt und das Altenwohn- und Pflegeheim. Pikant: Das Vellmarer Stadtparlament beschloss im Jahr 1992 nach einer unerwarteten Kostenexplosion beim Hallenbad-Umbau, keine städtischen Aufträge mehr an das Architekturbüro zu vergeben. Weitere Projekte des Vellmarer Planungsbüros in der Region: Das AVZ der Uni Kassel, der Aquapark in Baunatal und das ehemalige Gemeindeamt in Niederkaufungen. Die Architekten Wolfgang Braun und Peter Säckl, heute beide im Ruhestand, haben auch ein Diplomatenviertel im weißrussischen Minsk entworfen, 50 Schulen in Schleswig-Holstein hochgezogen, das Hyatt-Hotel in Leipzig geplant, die thüringische Staatskanzlei in Erfurt umgebaut und weitere Großprojekte in Ägypten und im Irak verantwortet.

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