Menschen aus der Nachbarschaft verängstigt

Verwahrlostes Haus in Frommershausen: „Eines Tages wird hier ein Unglück passieren“

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Das Gerüst steht seit Jahren, dahinter bewegt sich nichts: Das verwahrloste Haus mit der Nummer 25 ist ein Fremdkörper in der vorstädtischen Idylle Frommershausens.

Vellmar. Ein Haus in der Frommershäuser Mittelstraße verängstigt Menschen in der Nachbarschaft. Dem Ordnungsamt ist das Gebäude bekannt.

Es ist sehr ruhig an diesem Vormittag im Vellmarer Stadtteil Frommershausen. Nur wenige Menschen sind auf den Straßen unterwegs, die Vögel zwitschern leise, und auch die Sonne bemüht sich zaghaft, das winterliche, bedrückende Grau zu vertreiben.

In den Straßen rund um die evangelische Kirche, deren altes, malerisches Gemäuer sich aus einer grünen Wiese erhebt, ist fast alles makellos. Die Wohnhäuser, das Kopfsteinpflaster, hier und da Fachwerk-Elemente an den Fassaden – es ist traumhaft vorstädtisch hier.

Haus steht seit Jahren leer

Wenn da nicht dieser Fremdkörper wäre, in der Mittelstraße, das Haus mit der Nummer 25. „Welch ein Schandfleck“, mag der ein oder andere denken, der hier entlangjoggt oder tagträumend seiner Wege geht.

Eingerahmt von einem Baugerüst mit blass-grünem Netz steht es da, dieses backsteinerne Elend. An der Seite bröckelt der Putz ab, von den Fensterrahmen die weiße Farbe. Oben, in der Gaube, fehlt eine Fensterscheibe, von innen flattert eine Plastikfolie nach draußen – ein schauriges Detail im heimeligen Idyll. Vor dem Haus: ein kläglicher Vorgarten, in dem Steinplatten gestapelt sind und Unkraut wuchert. Dazu ein ehemals weißer, heute verdreckter Gartenzaun.

Gestapelte Steinplatten, Unkraut und ein ehemals weißer Gartenzaun: Ein einladender Vorgarten sieht anders aus.

Dass hier schon lange niemand mehr wohnt, ist trotz der Gardinen offensichtlich – auch für die Menschen, die in der Nachbarschaft wohnen. Einer von ihnen, der sich an unsere Zeitung wendete, berichtet, dass das Haus schon seit mindestens 15 Jahren leer stehe.

„Eines Tages wird hier ein Unglück passieren“, sagt er. Der Orkan Friederike, der kürzlich die Region in Atem hielt, habe ihn dazu bewegt, Hilfe zu suchen. So habe bereits ein Sturm vor drei Jahren Ziegel vom Dach geweht. Das Grundstück sei danach durch das von ihm verständigte Ordnungsamt mit Absperrband gesichert worden. „Das Haus macht mir Angst“, sagt der Mann. Das Absperrband ist mittlerweile verschwunden.

Der Hausbesitzer, der das Gebäude vor etwa vier Jahren gekauft habe, er sei selten zugegen. Das Gerüst – so die Vermutung: ein Alibi. So solle der Schein gewahrt werden, dass sich hier etwas bewege.

Dies sei jedoch nicht der Fall. Das bestätigt auch ein weiterer Mann aus der Nachbarschaft. Der sagt, dass das Haus früher einem älteren Herren gehört habe. Dessen Erben hätten es „für einen Appel und ein Ei“ an den heutigen Besitzer verkauft.

Ordnungsamt ist informiert

Die Nummer 25 der Mittelstraße ist Wolfhard Eidenmüller vom Ordnungsamt Vellmar bekannt. Auch erinnert er sich an die herabgefallenen Ziegel, die das Amt dazu bewegten, das Grundstück abzusichern. Entscheidend sei damals gewesen, dass auch die Allgemeinheit, also die Menschen auf der Mittelstraße, offenkundig gefährdet gewesen seien. So gelte es nämlich zu differenzieren: zwischen öffentlichem Raum und Privatgrundstück. „Wir sind gewissermaßen die Feuerwehr“, sagt Eidenmüller. Das Ordnungsamt schreite dann ein, wenn gefährliche Ereignisse, wie etwa ein umstürzender Baum, unabwendbar seien. Davon könne man bei dem Haus in der Mittelstraße derzeit nicht ausgehen. Deshalb verweist Eidenmüller an die Bauaufsicht des Landkreises. Diese sei für die Standsicherheit von Gebäuden zuständig.

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