Haus verfällt seit Jahren

Schandfleck in Niedervellmar: „Das Gebäude ist statisch bedenklich“

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Das Haus in der Kasseler Straße 2 in Niedervellmar ist mittlerweile stark heruntergekommen.

Vellmar. Brachliegende Grundstücke, veraltete Bushaltestellen und Müllkippen – überall finden sich Orte, über die man sich ärgert. Damit etwas geschieht, sind wir auf der Suche nach Schandflecken im Landkreis und bringen sie ans Licht.

Dachziegeln fehlen, Putz und Farbe bröckeln und die Balken machen keinen stabilen Eindruck mehr. Drumherum sprießen Gräser und Bäume – auf dem Grundstück liegt Unrat herum. Allgegenwärtiger Verfall: Einst ein ansehnliches, altes Wohngebäude mit Charme, ist das rot-weiße Fachwerkhaus mit Anbau und Garage, Kasseler Straße 2 in Niedervellmar, in den vergangenen Jahren zerfallen. 

Eine Leserin, die anonym bleiben möchte, hat die Redaktion auf das Gebäude aufmerksam gemacht: „Mitten in Vellmar steht das Haus und es kümmert sich niemand darum. Das ist ein echter Schandfleck“, sagt sie. Wer bewohnt und besitzt das Haus? Steht es nicht unter Denkmalschutz? Wird es noch weiter mitten in Vellmar verrotten? Und wer ist währenddessen dafür zuständig, dass niemand zu Schaden kommt, beispielsweise durch herabfallende Ziegeln?

„Das Haus ist seit Jahren unbewohnt. Sein Zustand hat sich stark verschlechtert“, sagt Peter Pilatzki, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt bei der Stadt Vellmar. Es habe einen Besitzerwechsel gegeben. Wem das Grundstück mitsamt Häusern jetzt gehört, könne er aber aus Datenschutzgründen nicht sagen. Pilatzki verweist an das Bauamt und die Denkmalschutzbehörde des Landkreises Kassel.

Bis Ende April will der Besitzer das Haus abreißen

So sah das Haus im Jahr 2007 aus.

Laut Landkreissprecher Harald Kühlborn soll das Wohnhaus abgerissen werden. „Bauamt und Denkmalschutzbehörde haben im April 2017 einen Abbruchantrag genehmigt.“ Von dem Tag an habe der Besitzer drei Jahre Zeit, das Haus abzureißen.

Tragende Bauteile, wie die Balken, seien verfault. Entsprechend hätten Bauamt und Denkmalschutzbehörde ihr Einverständnis gegeben, den Bau aus dem späten 18. Jahrhundert – der einst als Einzelkulturdenkmal geführt wurde – mitsamt den zusätzlichen Gebäuden abzureißen.

Peter Pilatzki

Derweil sei der Besitzer für die Verkehrssicherheit des Gebäudes zuständig. Heißt: „Wenn Gebäudeteile drohen, auf öffentliche Flächen zu fallen, muss der Eigner für die Sicherung sorgen“, erklärt Kühlborn. Und weiter: „Das Gebäude ist statisch bedenklich. Es muss überprüft werden, ob es in seinem Zustand noch bis Ende April 2018 hält. Bis dahin will es der Eigner abgerissen haben.“ Deswegen habe der Landkreis den Bauträger aufgefordert, ein aktuelles Gutachten erstellen zu lassen. Geht vom Haus in seinem Zustand zu viel Gefahr aus, müsse der Abriss umgehend passieren.

An der Hauswand zur Obervellmarer Straße hin wurde in den vergangenen Tagen bereits ein grünes Netz gespannt. Was auf dem Grundstück entsteht, sei noch nicht bekannt. 

Stören Sie sich an einem Schandfleck? 

Jetzt umhüllt ein Netz die bröckelnde Fassade.

Es gibt ihn in jedem Ort: einen richtigen Schandfleck. Ob’s eine löchrige Straße ist, die jedem Stoßdämpfer spinnefeind ist und immer schlimmer wird, oder das herrenlose Haus, dem man beim Verwahrlosen zusehen kann, oder auch der große Müllberg, der von Unbekannten illegal in die Gegend gekippt wird. All das sind dunkle Punkte im eigenen Ort, die man am liebsten wegzaubern möchte – und solche, die die Familie, Freunde und Bekannte zu Besuch besser nicht zu Gesicht bekommen. Wir bitten Sie, uns Ihren Schandfleck im Ort vorzustellen, mit Foto, einer Beschreibung, der Straße und Ihren Kontaktdaten. Wir finden heraus, warum sich dort nichts tut und wer dahinter steckt. (mgo)

Schreiben Sie uns: kreiskassel@hna.de

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