Familie aus Vellmar fühlt sich betrogen

Dubioser Dienstleister: Schlüsseldienst kassierte 350 Euro

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Wucher: Familie K. aus Vellmar zahlte an einem Donnerstagnachmittag rund 350 Euro für einen Schlüsseldienst.

Vellmar. Stefanie K.* ist auf einen ominösen Schlüsseldienst hereingefallen, der vor Tagen bereits in Kassel für Negativschlagzeilen gesorgt hatte.

Dabei hatte die Vellmarerin noch gedacht, dass ihr so etwas nicht passieren könnte, als sie den Hörer in die Hand nahm und den Dienstleister beauftragte - schließlich hatte sie erst einige Tage zuvor durch die HNA-Berichterstattung erfahren, welche Gefahren bei der Wahl eines Schlüsseldienstes lauern können.

Und doch kam alles ganz anders am Donnerstagnachmittag vor einer Woche. Als Stefanie K. gegen 16 Uhr nach Hause kam, musste sie feststellen, dass der Schließzylinder der Haustür defekt war. Was tun? „Ich stand vor verschlossener Tür, während unser Hund sich im Haus befand“, erzählte sie. Also klingelte sie bei den Nachbarn, um übers Internet einen Schlüsseldienst zu suchen.

Sie wählte eine 0800-Nummer und fragte die „nette Dame“ am anderen Ende der Leitung, mit welchen Kosten sie rechnen müsse und ob sie mit EC-Karte zahlen könne. Die freundliche Servicemitarbeiterin habe ihr mitgeteilt, dass sie mit 200 Euro rechnen müsse und den Betrag per EC-Karte zahlen könne. So weit also alles in Ordnung. Rund 45 Minuten später fuhr ein grüner Kastenwagen mit Essener Kennzeichen aber ohne Firmen-Logo vor. Zwei Männer stiegen aus: „Die schauten sich die Tür an und hielten mir direkt ein Formular vor die Nase“, erzählte Stefanie K. Statt der vereinbarten 49 Euro, verlangten die Schlüsseldienstmitarbeiter das Doppelte für den „fallspezifischen Einsatzwert“ und teilten ihr zugleich mit, dass EC-Kartenzahlung nicht möglich sei, weil das Lesegerät defekt wäre. „Da kam sofort die Erinnerung an den HNA-Artikel hoch“, berichtete K. und verwies auf die Auskunft der Servicemitarbeiterin. Auf die zuvor telefonisch vereinbarte Pauschale ließen sich die Männer nach einigem Hin und Her schließlich doch ein, bestanden aber auf Barzahlung.

Langsam, aber sicher wurde der Ton schärfer: „Ich verlangte daraufhin, den Chef zu sprechen, der mir am Telefon mitteilte, dass er seine Mitarbeiter wieder abziehen würde und ich die Kosten zu tragen hätte.“ K. entgegnete, dass sie dann eben einen anderen Schlüsseldienst beauftragen würde. Die Antwort: Ab 18 Uhr hätte seine Firma den Notdienst für Kassel und Umgebung und sie müsse dann zusehen, wie sie in ihr Haus käme.

Weil sich ihr Hund immer noch allein im Haus befand, willigte sie schließlich doch ein und unterschrieb das Rechnungsformular. Nach einer knappen halben Stunde Arbeit waren der Schließzylinder ausgetauscht und Kosten von 342,72 Euro entstanden. „Die haben mir für einen einfachen Schließzylinder 120 Euro berechnet - 1,50 Euro pro Millimeter“, berichtete K., deren Ehemann indes auch zu Hause angekommen war. Familie K. zahlte die Rechnung zähneknirschend. Tags darauf holten sie sich juristischen Rat: „Es gibt kaum eine Rechtschance, wir haben unser Lehrgeld bezahlt und hoffen, dass nicht noch mehr Menschen auf diese Abzocke hereinfallen.“

So verhalten Sie sich richtig

Die Verbraucherzentrale gibt Tipps, wie Sie Abzocke durch Schlüsseldienste vermeiden:

• Hinterlegen Sie bei einem Nachbarn oder einer Vertrauensperson einen Ersatzschlüssel.

• Notieren Sie sich vorsorglich die Telefonnummer eines Schlossers in Ihrer Wohnortnähe, der Türöffnungen ausführt.

• Falls Sie wirklich einen Schlossnotdienst brauchen, sollten Sie am Telefon einen Festpreis vereinbaren. Lässt der Betrieb sich darauf nicht ein, rufen Sie einen anderen an.

• Haben Sie einen „Blanko-Auftrag” erteilt und keinen Preis vereinbart, zahlen Sie nicht vorschnell ein paar Hundert Euro. Für eine einfache Türöffnung ohne Austausch des Schlosses sind 100 Euro oder 180 Euro am Wochenende beziehungsweise nachts gerade noch angemessen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen oder gar zur Fahrt zum Geldautomaten überreden.

• Ein seriöser ortsansässiger Schlüsseldienst berechnet werktags in der Regel 50 bis 80 Euro für das Öffnen einer Tür.

• Nicht selten beschädigen die Handwerker die Tür bei der Öffnung und geben vor, auf andere Weise sei eine Öffnung nicht möglich. Bei der Gelegenheit werden neue Schlösser verkauft - oft zu überhöhten Preisen. In 99 Prozent der Fälle ist - so die Innung - eine Türöffnung ohne Beschädigung möglich.

• Sollte die überhöhte Rechnung bereits beglichen sein, kann wegen arglistiger Täuschung und Wucher geklagt werden. Ist der Betrag noch nicht bezahlt, können Verbraucher die Rechnung laut Verbraucherzentrale kürzen.

 *Name von der Redaktion geändert

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