Kulturbeauftragter der Stadt

Vellmar: Gerhard Klenners letzter Sommer im Park

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Großer Erfolg mit Kleinkunst: Gerhard Klenner heute vor dem Piazza.

Vellmar. Die nächsten Wochen werden für Gerhard Klenner traurig und schön zugleich. Am Dienstag startet der Kulturbeauftragte der Stadt Vellmar mit dem Sommer im Park in seine letzte Festival-Saison.

Das von ihm zum 21. Mal zusammengestellte Programm wird wieder Tausende Menschen glücklich machen, dann wird der 64-Jährige wehmütig Abschied nehmen. Wir ziehen die Bilanz eines Mannes, der „die Kultur in Vellmar zu dem gemacht hat, was sie heute ist“, wie Kollege Wolfgang Frey vom Wolfhager Kulturzelt sagt.

DIE ANFÄNGE

Klenner war schon mehr als ein Jahrzehnt Jugendpfleger in Vellmar, als er begann, seine Heimatstadt zu verändern. „Es gab kein Kino und kein Theater. Vellmar war eine Schlafstadt. Wir wollten etwas anderes anbieten“, sagt der Sozialpädagoge. Mit anderen machte er Jugendtheater, 1992 riefen sie die Kleinkunstbühne Piazza ins Leben.

Klenner war damals schon Italien-Fan. Er nannte die Bühne Piazza - wie auf den Plätzen in seinem Lieblingsland sollten sich alle Generationen dort treffen. Zum ersten Termin, dem Gastspiel einer italienischen Musik-Comedy-Formation, kamen nur sechs Leute. Aber bei Klaus Lage und Matthias Beltz war es voll. Vor allem mit Kabarett machte sich Vellmar einen Namen. „Das war links, das fand ich gut“, sagt das SPD-Mitglied Klenner.

DAS FESTIVAL

Zum ersten Sommer im Park kamen 1995 an sieben Tagen 2700 Zuschauer. 2003 zog das Festival vom Ahnepark auf den Festplatz, wo es in Klenners letztem Jahr mit 11 800 verkauften Tickets schon jetzt einen Besucherrekord gibt. Dabei haben den Organisatoren Bestmarken nie interessiert.

Klenner besucht Festivals quer durch die Republik, um neue Gesichter zu entdecken. In Vellmar treten nicht nur die Stars von heute auf. „Ich würde nie etwas machen, was völlig an meinem Geschmack vorbei geht, aber ich finde auch nicht alles toll“, sagt Klenner, der immer wieder gegen Widerstände ankämpfen musste.

Lokalpolitiker fragten, ob man so viel Geld für Kultur ausgeben muss. Der 400 000 Euro umfassende Etat werde ohne städtische Zuschüsse gedeckt, rechnet der gelernte Bankkaufmann den Kritikern vor. Drei Bürgermeister hat er erlebt. Nur aus dem Bau eines neuen Veranstaltungszentrums mit der Musikschule wurde nichts. „Dieser Traum ist geplatzt“, sagt Klenner.

DIE KÜNSTLER

Für Künstler und Zuschauer ist Vellmar trotzdem das Paradies. „Festivals wie der Sommer im Park haben etwas ganz Besonderes“, sagt der Gedankenleser Thorsten Havener. Götz Alsmann kommt seit Jahren. Und mit Django Asül verbindet Klenner eine Freundschaft. Der niederbayerische Kabarettist rief 1996 in Vellmar an und fragte, ob er dort auftreten könne. Nördlich des Mains kannte ihn damals niemand. Klenner sagte zu, das Gastspiel wurde ein Erfolg. Als Asül erfuhr, dass Klenner in Rente geht, sagte er einen Auftritt zu. Sein neues Programm spielt er am 30. April 2016, Klenners letztem Arbeitstag, im Bürgerhaus Vellmar-West. Nach dem Abschiedsspiel gibt es für den Ex-Handballer Klenner wohl eine Verlängerung: Als Ruheständler will er seine Nachfolgerin Pia Bluhm unterstützen.

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