Mühsame Suche im Dickicht der Zahlen

Prozess gegen Ex-Chef des Sicherheitsdienstes 24 aus Vellmar: Tim L. schweigt weiter

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Schweigt eisern: Die Zeichnung von Tim L. entstand an einem früheren Verhandlungstag. Am Mittwoch trug er im warmen Gerichtssaal eine dicke, schwarze Daunenjacke.

Kassel. Zwischen vier und fünf Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben für Krankenkasse und Rentenversicherung soll der 36 Jahre alte Angeklagte Tim L., Ex-Chef des Sicherheitsdienstes SD 24 in Vellmar, hinterzogen haben.

Soweit die Staatsanwaltschaft. Doch dem Mann, der mit vier ehemaligen Mitarbeitern seit Mitte November auf der Anklagebank der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts sitzt, diese Taten auch nachzuweisen, ist ein hartes Stück Arbeit für Richter Winter und seine Kollegen der 3. Strafkammer. Denn auch am Mittwoch schwieg Tim L. hartnäckig – so wie schon an den vorangegangenen Verhandlungstagen.

Ausgesagt haben dagegen zwei mitangeklagte ehemalige Buchhalterinnen, die unter anderem Scheinrechnungen von Subunternehmen für nie erbrachte Leistungen schreiben mussten und die laut Anklage beim Steuerbetrug behilflich waren.

Am Mittwoch sagte eine Beamtin des Kasseler Finanzamtes als Zeugin aus. Dabei wurde deutlich, wie schwierig es ist, eine Schneise durch das Dickicht der Zahlen zu schlagen um belegen zu können, wieviele Euro tatsächlich dem Staat und den Versicherungsträgern vorenthalten wurden. Denn viele der Beschäftigten, die bei Konzerten und Sportveranstaltungen, aber auch in Flüchtlingsheimen für Sicherheit sorgen sollten, waren von der SD 24 schwarz beschäftigt worden.

Bei der sehr personalintensiven Arbeit eines Sicherheitsdienstes gehe das Finanzamt davon aus, das zwei Drittel des Umsatzes fürs Personal ausgegeben werden müsse. Wieviel Lohnsteuer und Beiträge für Kranken- und Rentenversicherung dann hinterzogen wurde, könne aber nur geschätzt werden, sagte die Zeugin. Zwischen 2014 und September 2016 kommen aber Millionen zusammen.

Tim L. verfolgte auch am Mittwoch das Geschehen im gut temperierten Gerichtssaal schweigend, aber konzentriert – gekleidet in eine bis zum Hals geschlossenen schwarzen Daunenjacke. Seit dem 6. Dezember 2016 sitzt er in Untersuchungshaft in der JVA Wehleiden.

Sechs weitere Verhandlungstage sind derzeit noch angesetzt. Ob die Strafkammer aber wie geplant bis zum Freitag, 23. Februar, zu einem Urteil kommt, ist heute noch offen. Die Verhandlung wird am Freitag, 19. Januar, ab 9 Uhr in Saal D 130 fortgesetzt.

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