Spezialpaste lockt Vögel an: Germandi fotografiert Tiere

Die geheime Hafer-Fett-Masse klebt wie Knete: Naturfotograf Karlheinz Germandi präpariert seine Vogel-Futterstation. Von seinem Beobachtungsposten aus schießt er dann extrem schöne Fotos von fast 40 verschiedenen Arten. Foto: Nickoll

Vellmar. Naturfotograf Karlheinz Germandi fotografiert Vögel auf dem Grundstück des Naturparks in Calden. Für die beeindruckenden Bilder hat er eine Spezialpaste zum Anlocken der Tiere entwickelt.

Es dauert nur wenige Minuten, da landet ein Rabe auf dem Fleischbatzen, den Karlheinz Germandi an seinem Baumwurzel-Ast-Konstrukt mit der Bohrmaschine festgeschraubt hat. Auf dem Grundstück des Naturparks Wilhelmsthal in Calden hat er vor drei Jahren ein Refugium für rund 40 Vogelarten geschaffen - fast alle hatte der Naturfotograf schon einmal vor der Linse. Fotografiert hat er sie von seiner Tarnhütte direkt gegenüber aus, ein früherer Forsthochsitz.

Buntes Trio (von links): Ein Haussperling, ein Star und ein Buntspecht streiten um den besten Platz an der Futterstelle. Foto: Germandi

„Mit den Jahren hat sich Vertrauen aufgebaut, die alten Vögel bringen ihre Jungtiere mit“, sagt der 67-Jährige aus Vellmar. Doch die Kolkraben dominieren zurzeit das Gebiet rund ums Schloss Wilhelmsthal, das gegenüber des Naturparks liegt. „Zwei Altvögel und drei Jungvögel verjagen die anderen, vor allem die Greifvögel, aus ihrem Jagdgebiet.“

Aber Germandi diskriminiert keinen Vogel, auch die Raben nicht. Und so schraubt er auch weiterhin 15 bis 20 Kilo Fleisch im Monat an Ästen fest. Für die Singvögel gibt es Vegetarisches auf eigenem Tablett aus Ästen direkt neben dem Fleisch-Buffett: 100 Kilo Erdnüsse und - extrem beliebt - ein geheimes Gemisch aus Hafer und Fett. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich die richtige Mischung hatte. Jetzt ist sie wie Knete“, sagt der Informatiker im Ruhestand.

Dank dieses Supergemischs ist ihm das interessante Foto (unten) gelungen: Ein Buntspechtweibchen, ein Star und ein Haussperling kämpften vor Kurzem um den besten Platz an der Futterstelle. „Es ist ein Schnappschuss, der so nur einmal passiert und der nur wenige Sekunden dauert“, sagt Germandi. Es sieht aus, als ob der Star seine Flügel schützend über den Sperling hält und den Buntspecht anzetert.

Normalerweise sei der Buntspecht der höchste in der Rangordnung. „Aber weil die Stare in der Mehrzahl waren, sind sie mutig geworden. Und der Haussperling ist immer frech und dreist.“

Seine Fotos veröffentlicht Germandi nicht nur in der HNA. Ende September werden ihm und seinen Fotos mehrere Seiten im Jahrbuch des Landkreises gewidmet. Auch größere Ausstellungen würde er gerne machen. „Dafür fehlen mir allerdings noch Lagermöglichkeiten für die Bilder.“ Den Schulen im Landkreis stellt er seine Bilder schon einige Jahre kostenlos für den Unterricht zur Verfügung.

Bis zu acht Stunden sitzt Germandi an manchen Tagen in seinem Versteck. Seine einzige Verbindung zur Außenwelt ist sein Objektiv und die Löcher in der Tarndecke, die darüber liegt. Darin fühlt er sich wohl, nur einmal musste er fliehen: „70 Stare auf einmal sind auf dem Futterplatz gelandet, es war irgendwann nur noch ein ohrenbetäubender lärm, so laut, dass ich abbrechen musste“, sagt Germandi.

Beeindruckende Vogel-Bilder von Karlheinz Germandi

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